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Page 11 of 12 Gonfaloniere di Giustizia Als Träger und Hüter des Kommunalbanners hatte der „Gonfaloniere di Giustizia“ in den oberitalienischen Städten je nachdem verschiedene Bedeutung. In Florenz war der Genannte seit Ende des 13. Jahrhunderts an die Spitze der Stadtregierung getreten und gelangte damit an die Stelle des „Podestá“. Im Wesen war dieser „Stadt-Bannerträger“ oberster Justizbeamter und als solcher der eingentliche Stadtregent, Vorsitzender „Priori“, der für eine meist nur kurze Amtsperiode gewählt wurde. War er auch in erster Linie berufen, als Chef des Justiz-Ressorts zu wirken, stand er gleichzeitig auch als Kapitän an der Spitze eines Herrenhaufens von tausend Mann. In feierlicher Ratsversammlung ward ihm das „Banner des Volkes“, eine weiße Fahne mit rotem Kreuz, mit der gleichzeitigen Weisung übergeben, „das Volk gegen die Machtgelüste der Großen zu verteidigen“. Denn, wie wir es bei den „Priori delle arti“ eigens festhalten werden, ergab auch die Einrichtung des „Gonfaloniere di Giustizia“ in ihrer primären Bedeutung nichts anderes als einen gegen den Stadtadel aufgestellten Exponenten zur Sicherung der demokratischen Freiheiten. Und wie bei den „Priori“ findet auch hier eine Umkehrung der Begriffe statt, denn mit der Machtergreifung der Medici war aus dem Stande der „Gonfalonieri“ der Stadttyrann hochgekommen: aus dem Hüter der munizipalen Freiheiten war im 15. Jahrhundert der Alleinherrscher hervorgegangen. Wie man sie auch ansehen mag, gehörten die Medici unstreitig zu den vielseitigsten Regentenhäusern Italiens; 1569 Großherzoge v. Toskana geworden, fielen nach ihrem Aussterben Titel und Land an das Haus Österreich. Wie in Florenz amtierte auch in Lucca und Bologna ein „Gonfaloniere di Giustizia“ als oberster Machthaber der Stadtverwaltung. In seiner eigentlichen Bedeutung ist „Gonfaloniere“ nichts anderes als „Bannerträger“ demnach im Mittelalter militärischer Anführer. So ist der „Gonfaloniere della Chiesa“ Oberfeldherr der päpstlichen Truppen und besagt eine der vornehmsten weltlichen Würden des einstigen Kirchenstaates. Als ein Gegenstück zum „Gonfaloniere“ in dessen militärischer Bedeutung haben wir in Kastilien den aus dem Arabischen abgeleiteten „Alferez Mayor“ (den portugiesischen „Alferes Mor“ wie den altfranzösischen „Alfier“) anzusehen, eine Würde, die wir am besten mit dem Terminus „Reichs-Bannerträger“ umschreiben. Bis ins 14. Jahrhundert war der „Alferez Mayor“ Stellvertreter des Monarchen auf dem Schlachtfeld, war also dessen Alter-Ego als oberster Kriegsherr. In der späteren Entwicklung trat an die Stelle dieses „Reichs-Bannerträgers“ der „Condestable“ (Condestavel, Connétable), der Kron-Feldherr, womit der einst vorwiegend militärische Habitus des „Alferez“ zu einem Ehrenamt wurde. QUELLE: Haberkern und Wallach: „Hilfswörterbuch für Historiker“, Berlin, 1935; Mitteilung aus italienischen Fachkreisen (u.a. G. Resasco: "Dizionsario del Linguaggio storico ed administrativo“, Firenze, 1881), dazu Angaben aus der „Enciclopedia Treccani“ , Egbert Silva-Tarauca, Genealogisches Taschenbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band V (1959), Seite XX ff, Gesamtreihe Band 19, C.A.Starke Verlag.
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