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Enzenberg von Jöchelsthurn
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Wednesday, 07 March 2007

Eines der vornehmsten heute noch blühenden Edelgeschlechter Tirols sind die Herren von ENZENBERG. Sie sollen aus Schwaben ins Pustertal gekommen sein, wo Georg ENZENPERGER, Pfleger und Zöllner in der Mühlbacher Klause, Richter in Rodenegg, am 16.12.1578 in den Adelstand erhoben wurde; er starb im Jahre 1602. Die ENZENBERG wurden am 14.7.1671 in den Freiherrn und am 14.4.1764 in den Grafenstand erhoben. Mehrere Mitglieder dieser Familie, die dem Lande Tirol viele verdiente Männer gegeben haben, bekleideten am fürstbischöflichen Hofe zu Brixen hohe geistliche und weltliche Würden. Bei der Wahl des Fürstbischof-Koadjutors (späteren Fürstbischof) Ignaz Graf SPAUR am 14.6.1774 und bei der Wahl des Fürstbischofs Josef Grafen SPAUR am 26.5.1779 erschienen drei ENZENBERG als Wähler unter den Domherren (Ignaz, Josef und Hartmann).

Georg von ENZENBERG war schon 1626 bis 1632 fürstbischöflicher Miliz- und Stifts-Hauptmann. Er war mit Johanna von HULS, der einzigen Tochter des reichen Wolfgang von HULS (gestorben 1620), fürstbischöflicher Unter-Hofmarschall, und der Rosina von HALBSLEBEN (gestorben 1620) vermählt. Johanna von ENZENBERG starb 1621, Georg von ENZENBERG 1654 in Brixen.

Franz Freiherr von ENZENBERG, seit 8.2.1677 Ökonom, reiste als Hof-Junker am 15.1.1690 zur Kaiserkrönung nach Augsburg, erhielt dort Audienz beim Kaiser, dem er die Ankunft seines Fürstbischofs meldete.

Johann Franz von ENZENBERG, Sohn des Anton von ENZENBERG und der Maria Katharina von KRAUSS-SALA, besaß den Hof "Plabach" (bei Brixen) und stand im Dienste des Fürstbischofs; er starb 1695 und vermachte der Brixner Domkirche eine goldene Monstranz mit 24 Diamanten, 20 Rubinen, 18 Smaragden, Perlen und Granaten, 102 Lot schwer.

Franz Anton von ENZENBERG war von 1703 bis 1719 Dom-Dekan, ab 23.8.1720 Dom-Propst in Brixen, wo er am 4.1.1727 starb und in der Enzenberg'schen Familiengruft zu Sterzing (Peter-Pauls-Kirche) begraben wurde.

Josef Franz Xaver von ENZENBERG war brixnerischer Hof-Rat, Hof-Marschall und Oberst-Stallmeister. Er wurde öfters (30.9.1722, 26.6.1724, 2.12.1737) als Abgeordneter zum Landtag nach Innsbruck entsendet und war mit Maria Magdalena Gräfin FUCHS (gestorben 1764) vermählt; er starb 1742.

Franz Wilhelm von ENZENBERG, geboren 1713 als Sohn des Franz Hartmann und der Anna Maria von VINTLER zu PLATSCH, Bruder des Statthalters von Tirol (1764-1772) Ignaz Kassian Grafen ENZENBERG (geboren 14.7.1709, gestorben 18.9.1772), wurde Domherr, Dekan und Pfarrer von Fügen. Er starb, nach einem unglücklichen Sturz vom Balkon des Palais Zech in Innsbruck, am 5.8.1760 und wurde in Fügen begraben.

Ignaz Anton von ENZENBERG, Neffe des genannten Franz Wilhelm, wurde am 14.9.1744 Domherr von Kastelruth, legte dieses Amt 1755 nieder und wurde am 8.10.1755 Dekan von Brixen. Erbaute den ihm zugefallenen Ansitz "Plabach" (bei Brixen) zu einem Edelsitz aus (1780) und starb am 22.4.1786 in Brixen.

Hartmann von ENZENBERG wurde am 18.3.1773 Domherr; sein älterer Bruder Josef Johann Nepomuk Roman von ENZENBERG wurde am 27.6.1758 Domherr; letzterer war auch Pfarrer in St. Lorenzen und im Jahre 1802 Senior des Domkapitels.

Die ENZENBERG hatten in Brixen Hausbesitz, so Michael (1611), Franz (1659) und Peter Paul (1730). In Sterzing besaßen sie seit 1643 den "Jöchelsturm", in Mühlbach seit 1578 (bis 1771) den "Freienthurn" nach denen sie die Prädikate führten. Später erwarben sie (durch Heirat) Güter in Singen (Schwaben), das Schloß "Tratzberg" (Unterinntal), den Ansitz "Liebenaich" (Terlan), den Ansitz "Neudenstein" (Toblach) und das Palais "Enzenberg" in Innsbruck (1846).

Aus dieser edlen Familie wollen wir hier sechs Männer hervorheben, deren Taten in die Geschichte Tirols gehören.

Ignaz Kassian Bonaventura, geboren am 14.7.1709 als Sohn des Franz Hartmann Freiherrn von ENZENBERG, (geboren 27.12.1671, gestorben 18.2.1720), trat in den politischen Verwaltungsdienst Tirols ein und erregte bald die Aufmerksamkeit der großen Kaiserin Maria Theresia, deren besonderer Günstling er wurde. "Aus Aller-höchst-eignem Antriebe" verlieh ihm ihr Gatte Kaiser Franz I. am 14.4.1764 den Reichsgrafenstand; im Jahre 1755 ernannte sie ihn zum Vizepräsidenten der Repräsentationshofkammer in Innsbruck und am 12.12.1763 in Anbetracht "seiner erprobten Treue, seines Eifers und seiner der Dynastie und dem Lande vielfach geleisteten Dienste" zum Präsidenten des Landesgruberniums, nachdem er schon am 27.3.1754 wirklicher Geheimer Rat geworden war. Der Historiker Josef Egger schreibt über Kassian: "Seit den Tagen des berühmten Kanzler Dr. Wilhelm Bienner, hat Tirol keinen Mann mehr gesehen, der ihm an Verdiensten um das Land nur im entferntesten gleichkäme. Es ist wohl nicht zu viel behauptet, wenn wir ihn als einsichtsvollsten, tatkräftigsten, überhaupt tüchtigsten aller Statthalter bezeichnen, die je in Tirol gewaltet haben. Er verstand seine Zeit und verstand es, stets den anderen voranzustreben. Er wusste das über übertriebene Forderungen des Hofes aufs Weiseste zu mäßigen und abzulenken sowie die Stände zu der im allgemeinen Interesse gebotenen Nachgiebigkeit zu bewegen. So genoss er sowohl das Vertrauen des Hofes wie des Landes in hohem Grade bis zu seinem Tode." Im Jahre 1764 richtete Kassian an Maria Theresia folgende merkwürdige Eingabe: "Allein, wie ist die Reform des mangelhaften landschaftlichen Systems allergnädigste Frau, von der Verfassung, in welcher dermalen die Landschaft und ihr Operationsplan sich befindet, gründlich zu verhoffen? Wer immer nur obenhin diese Verfassung beäugt, muß aufrichtig bekennen, dass in ihr die Ursache begründet ist, wenn die Hereinbringung der Steuerrenitenten nie mit Ernst betrieben wurde ..." Mit seinem Freunde, dem Hof-Kommissär Josef Freiherr von HORMAYR (1705 - 1779, Großvater des Intendanten 1809) wurde dem Kassian im Jahre 1753 die Aufgabe übertragen, die Verwaltung Tirols ganz neu zu organisieren. Mit HORMAYR gründete Kassian auch am 25.11.1766 die Tiroler "Gesellschaft für Agrikultur und nützliche Künste". Besondere Förderung ließ Kassian dem Bauernkartographen Peter ANICH (1763) angedeihen. Unter Kassian erreichte die Tiroler Industrie einen für die damalige Zeit erstaunlichen Höhepunkt. Zur Hebung des Volksschulwesens berief Kassian im November 1766 den schulfreundlichen Priester Karl AGSTHOFER aus Toblach nach Innsbruck, der mit seinen Gehilfen, dem Schulpriester Philipp Jakob TANGL (geboren 30.4.1733 in Fulpmes, gestorben 11.9.1780), das ganze Tiroler Schulwesen innerhalb von sechs Jahren in Ordnung brachte. Am 22.3.1765 legte Kassian den Grundstein für die Triumphpforte in Innsbruck, am 4.11.1752 versuchte der fortschrittliche Graf sogar, allerdings ohne Erfolg, die Errichtung einer Versicherungsgesellschaft in Innsbruck. Kassian starb am 18.9.1772 im Stammhaus zu Untermais bei Meran und wurde in der Freiherrlichen Manicorschen Gruft bei der Maria-Trost-Kirche zu Untermais begraben (seine Großmutter war eine Freifrau von MANICOR). Seine Verdienste um das Schul- und Verwaltungswesen Tirols sind unvergessen.

Franz I. Josef, geboren 8.5.1747 in Bozen als Sohn des Kassian und der Sophie Gräfin SCHACK von SCHACKEBURG (geboren 15.9.1707, gestorben 7.12.1788) widmete sich, wie sein Vater dem politischen Dienste, wurde am 8.4.1782 Vizepräsident des Appellatoriums in Klagenfurt und am 23.4.1790 Landesfürstlicher Hof-Kommissär für die Abhaltung des Tiroler offenen Landtages, weil für ihn "außer Geburt, Vaterland und einer elfjährigen Dienstzeit, als Gubernialrat in Innsbruck besonders seine persönlichen Eigenschaften, vor allem seine Sehnsucht, Statthalter des Landes zu werden", sprachen. Zu seinem neuen Amt gab ihm Kaiser Leopold II. folgende merkwürdige Instruktion: "Lassen wir die Tiroler Stände in Gottes Namen wiederheraufspeien, was sie auf den Magen haben. Wir werdens alsdann schon machen!" Am 15.6.1799 ließ Franz ENZENBERG in Klagenfurt die Innsbrucker Scharfschützenkompanie, die 1.226 in Graubünden gefangene Franzosen dorthin eskortieren müssten, durch die kärntnerischen Stände mit Auszeichnung so empfangen und traktieren, daß die Tiroler später eine besondere Dankadresse an Franz ENZENBERG sandten. Mit dem Erzherzog Johann korrespondierte Franz ENZENBERG, der ein warmer Anhänger des altständischen Wesens war, eifrigst und gab ihm verschiedene gutgemeinte Ratschläge, so, dass die Tiroler Äbte 20.000 Gulden sammeln und damit die leitenden Persönlichkeiten am Münchner Hofe, "wo alles feil sei", "beschenken" sollten (September 1807).

Zur selben Zeit propagierte er einen Aufstand der Tiroler und Entsendung von österreichischen Truppen nach Tirol. Da damals die geheime Post aus dem von Bayern besetzten Tirol über Klagenfurt nach Wien ging, war ENZENBERG über die Stimmung seiner Landsleute immer genau informiert. Sein vertrautester Mitarbeiter war hiebei der seit 1806 in Klagenfurt als Tabakökonom angestellte Martin Rochus Freiherr von TEIMER. Der Briefwechsel zwischen ENZENBERG, den Josef Hirn einen, "warmblütigen Alttiroler" nennt, und Wien wurde im Jahre 1809 noch stärker, weil ENZENBERG die aus Tirol deportierten bayerischen hohen Beamten (z.B. den Kreisdirektor Arnold von MIEG) in Klagenfurt internieren und bewachen lassen musste. Als Kurier (Spion) bediente sich ENZENBERG des Buchhalters und späteren Oberkommandanten des Kärntner Landsturmes Johann Baptist TÜRK (geboren Innsbruck 1775, gestorben Töltschach 1841). Dieser schildert in seinen "Kriegserinnerungen", wie ihn ENZENBERG mit einem falschen Reisepasse ("Johann Müller") und einem in die Kleider eingenähten Empfehlungsschreiben an den Kaiser am 17.8.1809 in das Hauptquartier nach Totis (Ungarn) sandte und was er auf dieser gefahrvollen Reise durch die feindlichen Lager erdulden musste. Nach vollzogenem Auftrag nannte sich TÜRK auf der Rückreise "Johann Bapt. Seybold", musste sich aber, wieder glücklich in Klagenfurt angelangt, dort verborgen halten, weil die Stadt nach dem Znaimer Waffenstillstand okkupiert haltenden Franzosen ihn als Spion verfolgten. "Und einmal ging ich", so schreibt TÜRK, "doch offen in Klagenfurt herum, war Augenzeuge eines Festes am neuen Platze und stand hinter ENZENBERG, der, mich erkennend, heftig auf meinen Fuß trat und mich sehr unwillig murmelnd abschaffte, wozu es höchste Zeit war." Franz besaß auch aus der Zeit, wo er in Innsbruck (ab 23.5.1771) Gubernialrat war, dort das Haus Maria-Theresien-Straße 34 (1776). Er starb in Klagenfurt am 24.7.1821. Das Museum Ferdinandeum besitzt sein Porträt von der Meisterhand Martin Knollers.

Franz II. Josef, Sohn des vorigen, geboren Innsbruck, Güter in Singen (Schwaben), wo er auch am 4.8.1842 starb. Interessant ist, dass sich Graf Franz ENZENBERG an dem Wettbewerb für das Andreas-Hofer-Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche beteiligte und einen gezeichneten Entwurf nach Innsbruck sandten (Hof- und Staatsarchiv Wien, Oktober 1832). Das Denkmal führte aber Johann Schaller aus. Von seinen Söhnen fungierte Iganz Kassian (geboren 13.6.1819, gestorben 26.8.1841) bei der großen Erbhuldigung am 12.8.1838 in Innsbruck als theresianischer Edelknabe.

Franz III. Josef, Sohn des vorigen, geboren Klagenfurt am 14.2.1802, vermählte sich am 4.5.1831 mit Ottilie Gräfin TANNENBERG (geboren 30.9.1801, gestorben 24.5.1874), der letzten ihres Namens und Erbin des reichen Tannenbergschen Besitzes, wodurch auch das prachtvolle, mit Fresken von Anton Leitensdorfer gezierte Palais in Innsbruck sowie Schloß "Tratzberg" in seinen Besitz kam (1846). Mit dem Übergang der Tannenbergschen Kunstschätze an die ENZENBERG kamen sie in die richtige Hand. Franz III. war noch 1838 Grubernialkonzipist in Innsbruck, gab aber später den Staatsdienst auf. Er starb in Tratzberg am 28.9.1879.

Hugo, zweiter Sohn des Grafen Franz III., geboren Innsbruck, 22.11.1838, leitete das ehemals Tannenbergsche Ahrntaler Bergwerk im Pustertal, erbaute das Pochwerk in Prettau (Pustertal) und widmente sich der Naturforschung. Er veröffentlichte verschiedene wissenschaftliche Arbeiten über die Schmetterling Tirols und über die Mineralien und Pflanzen Nordtirols. Im Jahre 1859 zog er mit den Studenten ins Feld, im Jahre 1874 vermählte er sich mit Antonie REINISCH von HADERBURG (gestorben 21.2.1930 in Terlan), einer Schwester des Trienter Kreisgerichtspräsidenten Dr. Ferdinand von REINISCH, die ihm einen Sohn Sighard (geboren 1875) schenkte. Hugo starb am 12.12.1922 auf seinem Ansitz "Liebeneich" bei Terlan. Sein Porträt, von Albert Plattner (1910), zeigt einen ausgesprochenen Gelehrtenkopf mit dem traditionellen Hauskäppchen.

Arthur, Bruder des Hugo, geboren 27.7.1841 in Innsbruck, widmete sich dem politischen Dienste, wurde im Juni 1875 Bezirkshauptmann in Meran (bis 1888), erhielt dann eine Berufung ins Unterrichtsministerium nach Wien als Sektionschef, wo er viel für seine Heimat durchsetzte. Er wurde Geheimer Rat, lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses und starb am 4.1.1925 in Innsbruck. Er ruht nun in Schwaz. Als Numismatiker und Besitzer der größten Verdienste um das Museum Ferdinandeum, das anlässlich seines 70. Geburtstages am 27.7.1911 ihm zu Ehren eine Gedenkmünze prägen ließ. In Südtirol ließ Arthur die landesfürstliche Burg in Meran und das Schloß Tirol restaurieren. Das Museum Ferdinandeum besitzt von Exzellenz Arthur ENZENBERG ein Porträt gemalt von Prof. Alois Delug (1912).

Neben der gräflichen Familie ENZENBERG gab es noch, bis ins 19. Jahrhundert, eine freiherrliche Linie der ENZENBERG, aus der auch jene Benediktinernonne von Sonnenburg (Pustertal), Magdalena Maria Scholastika, Freifräulein von ENZENBERG, stammt (geboren 29.8.1729), die, 80-jährig, am 11.4.1809 aus Schreck über die blutigen Kämpfe am Sterzinger Moos in Telfs bei Sterzing starb. An der Außenwand der Pfarrkirche zu Sterzing zeigt ein kleiner Obelisk ihre letzte Ruhestätte.

QUELLE:
  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - "BRIXEN - Reichsfürstentum und Hofstaat", Wien 1948, Seite 107 - 112.
 
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