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Ein uraltes, durch Jahrhunderte in Meran ansässiges Adelsgeschlecht sind die EGHEN (Egen, Eggen, D’Eghen). Man leitet den Namen der Familie von zwei gekreuzten Schwerten, (D’Egen dalle due spade) im Wappen der Familie ab. Nach einem Grabstein zu St. Marco in Trient vermutet man, dass die EGHEN aus der Gegend von Trient stammen; ihr Name kommt auch in den Pfarrmatriken von St. Maria Maggiore in Trient vor. Nach der Familientradition sollen die EGHEN aus dem Engadin, wahrscheinlcih aus Schuls, stammen, wo heute noch EGEN leben. Von der Schweiz sollen sie um 1424 nach Meran gewandert sein.
Ein Hans EGEN erhielt schon am 24.4.1424 vom Brixener Fürstbischof ein Wappen, Alexander, Richter von Terlan, empfing von Kaiser Max I. am 7.10.1514 einen Wappenbrief, Stefan am 14.3.1559 und dessen Sohn Ludwig am 10.2.1607 den Adelsstand. Am 28.1.1746 bestätigte der Fürstbischof von Trient der Familie den alten Adel. Unter dem Schloss Tirol, auf dem Weg von St. Peter nach Gratsch liegt das alte Schloss Thurnstein (Duerenstein, Durrnstein), das sich seit Ende des 17. Jahrhunderts im Besitze der Familie befindet und dessen Namen sie auch als Prädikat führt. In der Zeit von 1569 bis 1636 erscheinen Hans, Nikolaus und Alexander von EGHEN wiederholt als Bürgermeister und Richter in Meran. Sie besaßen in Meran seit 1665 die Schlandersbergsche Behausung und von 1615 bis 1772 den, einige Schritte außerhalb des alten Vintschger-Tores gelegenen „Spatzentum“ (Turmhaus), seit 1587 das Haus Berglauben 28 und zahlreiche andere Häuser in Meran. Die EGHEN waren im Lande so angesehen, dass die Tiroler Landschaft im Jahre 1597 den Ratsbürger von Meran, Hans EGHEN (gestorben 1603), an das kaiserliche Hoflager nach Wien sandte, um dort die Wünsche des Landes vorzutragen. Nikolaus EGHEN (I.), über den wir näheres wissen, wurde im Jahre 1583 von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben. Er war viermal Bürgermeister und siebenmal Richter zu Meran, besaß 1630 den Gasthof „zum goldnen Kreuz“ und das Vian-Haus in Meran (1615). Von seinen Söhnen war Alexander (geboren um 1590) dreimal Bürgermeister und viermal Richter in Meran, erzherzoglicher Rat und Kelleramtsverwalter. Er starb am 19.8.1667 in Meran. Der zweite Sohn, Simon Juda, erhielt am 22.11.1644 eine Adelsbestätigung. Ein Simon von EGHEN war Dr. med. und Professor in Padua (1698); er starb am 26.1.1707 in Trient. Im 16. Jahrhundert finden wir noch folgende Mitglieder der Familie von EGHEN: Anna von EGHEN, gestorben 23.11.1585, Äbtissin des Klarissenklosters in Meran. Anna von EGHEN, gestorben 1541, seit 1529 Gattin des Hans von HERTMAYR-HIERTENBERG (gestorben 1537) und, nach dessen Tode, des Christian von PERKHAMMER-PERCKHAIM (gestorben 1557 in Kurtatsch). Hans von EGHEN, Gatte der Kunigunde von LOCHERER (1580). Hans von EGHEN, Gatte der Barbara von GARTNER-SOMMERFELD. Hans von EGHEN (Kurtatsch), Gatte der Margarete von RORER (gestorben 1531). Katharina von EGHEN, Gattin (1547) des Lienhard von PFANZELTER. Nikolaus von EGHEN, Gatte der Ursula von LANSER (1560). Sara von EGHEN, Gattin (1567) des Eustach von LANSER (gestorben 1588). Die genaue Stammfoge enthält das „Genealogische Taschenbuch der Adeligen Häuser Österreichs“, Brünn, 18. Jahrgang, 1893, S. 125, und Georg von Grabmayrs „Stammtafeln alter Tiroler Familien“ S. 16, weshalb wir hier nur die bedeutendsten Mitglieder der Familie erwähnen wollen. Hans von EGHEN (geboren Meran, 30.6.1624, gestorben 1673), war Schlosshauptmann in Tirol, Nikolaus (geboren 1626, gestorben 1670), war ein Bruder des Hans und Sohn des oberwähnten Alexander. Johann Alexander, Sohn des Nikolaus, geboren 4.9.1660 in Meran, dort gestorben 10.9.1720, wurde am 5.4.1713 in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen. Er war Syndikus von Trient und erwarb das Schloss Thurnstein (1690). Am 3.7.1703 wurde er ausgeschickt, um zu erkunden, ob die anrückenden Bayern schon über den Brenner vordringen. Sein Sohn Franz Alexander war dreimal verheiratet: I.) am 3.1.1718 mit Anna Felizitas von MAYRHOFEN, II.) am 3.10.1744 mit Maria Eleonore von DREISENSER, III.) am 19.9.1753 mit Maria Anna Katharina von WIESENEGG und hatte aus den drei Ehen 22 Kinder. Er war sehr reich, besaß Schloss Thurnstein, den Hof „Mair im Korn“ zu Algund, erbaute 1748 das Schlandersbergsche Haus in Meran. Er baute 1749 die St.-Johann-Nepomuk-Kapelle in Algund. Maria Kordula, Tochter des Franz Alexander, geboren 7.2.1744 in Algund, dort gestorben 26.12.1815, trat in das Meraner Klarissenkloster ein und wurde nach Aufhebung des Klosters (1782) Ex-Nonne. Sie wird in den „Erinnerungen des Priesters Josef Danej“ erwähnt, der bekanntlich von Andreas HOFER am 14.11.1809 in Plars bei Algund im Hause des Schützenhauptmannes Franz THALGUTER eingesperrt worden war, weil er die Burggräfler Bauern zur Niederlegung der Waffen aufgefordert hatte. DANEJ schreibt (Seite 318): „Das alte Fräulein kam schnellen Schrittes in meine Arreststube getrappt, drehte sich eine Weile wie wahnsinnig im Zimmer herum, schlug die Hände über den Kopf zusammen und schrie wie eine Wahnsinnige: „Du lieber Jesus, itz muß die Welt einstürzen, ein Geistlicher hat den Sandwirt, unsern Landesvater und Glaubensretter, hat Gott, den Papst, Religion und Glauben verraten und das Vaterland verkauft. Die heilige Weihe sollen ihm die Bauern nehmen, die Finger auf’s Platzl (Tonsur) schlagen und dernach sollen sie ihn erschießen und aufhängen!“ DANEJ war bekanntlich schuldlos verdächtigt worden, im Solde der napoleonischen Regierung zu stehen; er hatte es aber mit seinen Beschwichtigungsversuchen nur gut gemeint und leider recht behalten. Vier Priester finden wir im Stammbaum der EGHEN: Franz, Spitalpfarrer und Kelleramts-Kaplan (1631 bis 1687), Franz Anton, Priester (1668 bis 1747), Nikolaus Alexander (Klostername Pater Anton Maria O. Cap.) Guardian in Meran (1749 bis 1797), und Karl von EGHEN. Anton Valentin senior (1752 bis 1803), Sohn des Franz Alexander, Anton Valentin jun. (1781 bis 1822), Sohn des Anton Valentin senior, Gatte der Katharina von EBERSCHLAGER und der Innsbrucker Kameralkanzlist Sebastian Valentin (1780 bis 1839), Bruder des Anton Valentin junior, setzten den Stamm fort, Sebastian mit neun, Anton Valentin mit acht Kindern. Barbara von EGHEN, geboren Thurnstein 6.11.1784, gestorben Bozen 26.9.1861, eine Schwester des Anton Valentin junior, war mit dem Defensionskommissär und Landschaftsdeputierten (1809) Georg Bernhard Freiherrn von EYRL-WALDGRIES vermählt. Franz (Alois, Dominik) von EGHEN „ab duobus Ensibus“, d. h. „von den zwei Schwestern“, geboren Partschins, 21.7.1775, gestorben vor 1831, Sohn des Anton Valentin senior, Finanz-Intendanz-Expeditor in Trient, war mit Magdalena Freifrau von HIPPOLITI zu PARADISO und MONTEBELLO (geboren 1779 in Borgo, Tochter des Landesschützenmajors Karl Freiherrn von HIPPOLITI, gestorben Borgo, 16.3.1869), vermählt. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, Margarete (Therese, Gaitona) von EGHEN, geboren 5.8.1809 im Schlosse Montebello in Trient, getauft in der dortigen Pfarrkirche St. Maria Maggiore, gestorben 21.4.1886 in Klagenfurt, die am 8.9.1831 in der Pfarrkirche St. Markus in Pordenone (bei Udine) mit dem damals zu Laibach im Provizial-Strafhause am Kastell Nr. 57 wohnhaften Strafhausverwalter Georg HAUGER (geboren 23.1.1792 in Freiburg, gestorben 13.11.1859 in Wien), dem bekannten Tiroler Freiheitskämpfer und Sandwirtsgräber, getraut wurde. Karl, Sohn des Johann Nepomuk EGHEN und Enkel des Anton Valentin junior geboren Thurnstein 16.4.1845, war Benefiziat und Gesanglehrer am Meraner Gymnasium. Er legte einen wertvollen Stammbaum seiner Familie an, dem die vorstehenden Daten entnommen sind. Karl starb 1921 in Meran. Alois Vigil von EGHEN, Sohn des Anton Valentin junior, 1811 bis 1886, war Kanzleibemater beim Landgerichte Karneid und von 1850 bis 1858 Bürgermeister von Terlan. Silvius von EGHEN, geboren 6.6.1857 in Cavalese als Sohn des dortigen Bezirksrichters Alois von EGHEN (geboren 6.6.1817, gestorben 1.2.1863) widmete sich dem Finanzdienste und wurde Hofrat der Finanzlandesdirektion in Innsbruck. Er war Ritter des Franz Joseph-Ordens und starb am 6.9.1922 in Innsbruck. Mit seinen Söhnen Dr. Anton und Dr. Hermann blüht die Nordtiroler Linie der EGHEN fort. Silvius Sohn, Josef von EGHEN, geboren 21.9.1897, kämpfte als Leutnant der Tiroler Kaiserjäger im Weltkriege, ergriff dann den Priesterberuf, wurde Religionslehrer in Innsbruck und starb, erst 37 Jahre alt, am 30.3.1935 in Innsbruck. Die EGHEN sind heute noch Großgrundbesitzer in Südtirol und sitzen nun seit mehr als 200 Jahre ununterbrochen auf ihrem Schlosse Thurnstein, wahrhaft ein seltener Fall von treuer Verbundenheit einer Familie mit ihrem Erbsitz. QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA Rudolf - „MERAN– Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 65-68.
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