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Familien mit zahlreichen Linien, Zeigen, Ästen und oftmals wiederkehrenden gleichen Vornamen bieten dem Familienforscher immer viel Kopfzerbrechen. So ist dies auch bei der Familie Boimundt der Fall, die, nach den einzelnen Linien getrennt, zu beschreiben sind, um ihren familiären Zusammenhang verständlich zu machen.
I. Die Boimundt-Kefer Die Söhne des Parzival von BOIMUNDT, eines Zeitgenossen (1180), Heinrich des Löwen, die Brüder Reimprecht (I., gestorben um 1250) von KEFER (Chefer, Chever, Khever), Gatte der Hedwig von CASTELBARCO, Heinrich (I.), gestorben 1243, Gatte der Anna von REICHENBERG, und Marquard, gestorben 1250, Gatte der Dorothea von SÄBEN, erhielten vom Fürstbischof von Trient, Gerard von OSCASALI, im Jahre 1235 die Erlaubnis zur Erbauung einer Burg im Dorfe Missian (Überetsch), heute nur mehr eine riesenhafte Ruine. Sie nannten die Burg BOIMUNDT (Schönberg), wohl in Anlehnung an ihren Vorfahren Konrad von PEDEMONTE, der um 1175 auf Urkunden in Wilten vorkommt. Sie führten fortab den Namen „von BOIMUNDT-KEFER“. Von den drei Söhnen des Heinrich (I.) ehelichte Heinrich (II.), gestorben 1277, die Elisabeth von CASTELBARCO; Reimprecht (II.) starb im Juni 1313. Dessen Linie erlosch schon 1361 mit Raudold von KEFER-BOIMUNDT Gatte der Adelheid von SCHENNA, der nur zwei Töchter hatte, von denen sich Katharina mit Heinrich von ANNENBERG, Anna mit ihrem Vetter Christian von BOIMUNDT-PAIRSBERG (gestorben 1361) vermählte. Nach dem Tode dieser beiden Töchter, von denen Katharina ihre Schwester Anna, und Anna ihren Neffen Ulrich von BOIMUNDT-PAIRSBERG zu Erben einsetzte, kam es zu argen Erbschaftsstreitigkeiten. Der dritte Sohn Heinrich (I.), Dietmar von KEFER, gestorben um 1275, ehelichte am 6.6.1244 die Elisabeth PAIR von PAIRSBERG, wodurch Schloss Pairsberg an die Herren von KEFE-BOIMUNDT überging, die sich nun „von BOIMUNDT-PAIRSBERG“ nannten. Dietmar hatte fünf Kinder, von denen Heinrich (III.) gestorben 1310, die ältere Linie, Otto, gestorben 1308, Gatte der Elisabeth von LICHTENSTEIN, die jüngere Linie der BOIMUNDT-PAIRSBERG gründete. Die „KEFER-BOIMUNDT“ sind somit mit Ulrich, Herrn des Schlosses Königsberg (seit 1350) und Randold im Jahre 1361 erloschen. Fünf übersichtliche Stammtafeln der Boimundt-Pairsberg veröffentlichte Dr. Max Straganz im Programm des Obergymnasisums in Hall 1895, Seite 80-83, auf die wir uns hier beziehen. II. Die Boimundt-Pairsberg Das Schloss Pairsberg ist eine ausgedehnte Burg am Rande einer steilen Schlucht über dem Dorf Nals. Dort finden wir die Herren PAIR von PAIRSBERG zu Nals, vermutlich aus Bayern (Pair = Bayer) stammend, seit 1165 Ministerialen der Grafen von Eppan. Als erster erscheint auf alten Urkunden Reimpert von PAIR (gestorben 3.4.1215) und dessen Sohn Otto von PAIR, gestorben um 1240, letzterer vermutlich Erbauer der Burg Pairsberg. Otto’s einzige Erbtochter, Elisabeth von PAIR vermählte sich wie früher erwähnt, mit Dietmar von BOIMUNDT-KEFER und brachte so Schloss Pairsberg den BOIMUND-KEFER zu, die sich nun „von BOIMUNDT-PAIRSBERG“ nannten. Die Nachkommenschaft des Otto von BOIMUNDT-PAIRSBERG (gestorben 1308), Sohnes des Dietmar, des Gründers der jüngeren Linie der BOIMUNDT-PAIRSBERG, ist aus den Stammtafeln von Dr. Max STRAGANZ zu entnehmen. Es folgten 17 Generationen, die sich mit den vornehmsten Adelsgeschlechter Südtirols versippten. Die bekannteste und hervorragensten Gestalt dieser Linie ist Jakob Freiherr von BOIMUNDT-PAIRSBERG-KEFER-SCHWANBURG. Geboren am 5.7.1527 in Ivano (Bezirk Strigno) als Sohn des Martin (I.) (geboren 1485, gestorben 13.3.1551) Hauptmanns von Ivano und dessen dritte Gemahlin, Sofie von BREISACH (geboren 1500, gestorben 14.9.1558) trat er 14-jährig im Jahre 1541 als Edelknabe in den Hofstaat des Fürstbischofs Grafen FUCHS von FUCHSBERG von Brixen. Im Jahre 1550 wurde er Beisitzer des adeligen Hofgerichtes in Bozen, welches Amt er bis 1569 bekleidete. Am 20.5.1560 erteilte ihm Kaiser Ferdinand persönlich den Ritterschlag, erhob ihn zum kaiserlichen Rat und gab ihm 1560 das Prädikat „von SCHWANBURG“, nach dem von ihm 1560 – 1575, an Stelle des seit 1379 im Besitze der Herren von BOIMUNDT gestandenen Hauses „in der Gaul“, erbauten Schlosses Schwanburg (Nals). Am 13.3.1565 unterdrückte Jakob einen kleinen Aufstand in der Stadt Rovereto. Jakob „der Schwanburger“, wie er von seinen Adelsgenossen gerne genannt wurde, war zu seiner Zeit eine der angesehensten Persönlichkeiten des Landes. Nahestehend dem Hofe und dem Landesfürsten, mit dem er mit fast gleichaltrig war (Erzherzog Ferdinand II., geboren 14.6.1529), war er mit fast allen Landesfamilien verwandt; von seltener Leutseligkeit und jovialem Wesen (nach Josef HIRN) war er überall gerne gesehen und zu Gast gebeten. Bei etwa 72 Begräbnissen und 51 Hochzeiten fand er sich ein und hielt – eine schöne Sitte der damaligen Zeit – die Gelegenheitsrede. Er war katholisch gesinnt und ein Freund der Jesuiten. Oft schritt er als Vorbeter einem Wallfahrtszuge voran. Sein Tagebuch veröffentlichte Dr. STRAGANZ in dem bereits zitierten Gymnasialprogramm 1895. Am 12.8.1568 wurde er vom Erzherzog Ferdinand in den Freiherrnstand erhoben und diese Standeserhebung vom Kaiser am 8.1.1572 bestätigt. Im Juli und August 1562 fungierte er als Stellvertreter des Landeshauptmannes an der Etsch, vom 30.3.1570 bis 1.9.1571 als Regimentsrat und Statthalter-Amtsverwalter des verhinderten Statthalters Georg Grafen HELFENSTEIN-WIESENSTEIG. Am 14.1.1549 vermählte er sich mit Katharina von BOTSCH und, nach deren Tode (7.10.1567), am 11.9.1569 mit Katharina von ANNENBERG, Tochter des Abogast von ANNENBERG. Er war sehr reich und verzehnfachte das ererbte Vermögen. Viele ihm angebotene hohe Würden schlug er aus, vor seinem Tode trübte sich das Verhältnis Jakobs zum Erzherzog, da Schwanburg sich mit Eva Barbara von ARCO vermählte (die Arco [Arch] waren scharfe Gegner des Erzherzogs). Mit Georg Karl, gestorben 1610, einzigem Sohn Jakobs, endete der Zweig der BOIMUNDT-PAIRSBERG-SCHWANBURG, da Georgs Ehe kinderlos blieb. Die Hochzeit der Katharina von BOIMUNDT, Tochter des Martin von BOIMUNDT (gestorben 1571) und der Katarina UNGELTER von TEISSENHAUSEN, war eines der glanzvollsten Feste die Innsbruck im 16. Jahrhundert. Jakob war der Vormund der Katharina und empfing den Brautwerber, Johann von LIBSTEINSKY-KOLOWRAT, Kämmerer und erzherzoglichen Mundschenk, am 2.4.1578 auf Schloss Schwanburg. Da Katharina, eines der reichsten tirolischen Edelfräulein jener Zeit, später Hofdame der Philippine WELSER, erst 16 Jahre alt war, verschob Jakob die Hochzeit auf zwei Jahre. Da der Bräutigam ein Neffe des Erzherzogs Ferdinand (bzw. seiner Gattin Philippine WELSER) war, veranstaltete der Erzherzog selbst die Feier, die am 20.2.1580 in Innsbruck begann und zehn Tage dauerte. Ein Ringelrennen eröffnete die Feier; schon der erste Aufzug mit den in rotem und weißen Taffet gekleideten Dienern war prächtig. Weit übertrag ihn aber der zweite Aufzug, der Ritterschaft, welche die vier Jahreszeiten und die vier Elemente darstellte. Die Gewänder des Adels waren aus den kostbarsten Stoffen, aus Samt und Atlas gefertigt, und strotzten von Silber, Gold und Edelsteinen. Nicht minder, prunkvoll waren Pferde und Wagen ausgestattet. Erzherzog Ferdinand, der den Jupiter darstellte, führ in Goldkleidern mit einer Goldkrone auf dem Haupte in einem reich vergoldeten Wagen. Ebenso feenhaft war das Turnier am 15. Feber; den Abschluss bildeten am 16. Feber dreizehn Zweikämpfe verschiedener Nationen, die auf dem Rennplatze vor der fürstlichen Burg aufgeführt wurden. So feierte man im 16. Jahrundert Hochzeiten in fürstlichen Häusern in Innsbruck ! Jakob lebte nur mehr zwei Jahre; am 22.10.1581 vertauschte er das Zeitliche mit dem Ewigen. Er war für die Erben eine große Überraschung, als er ihnen, anstatt eines riesigen Vermögens, nur – Schulden hinterließ. III. Die Boimundt-Kassler Die Familie der KASSLER (Kässler, Chasler) soll um 1345 aus Augsburg nach Tirol gekommen sein. Ulrich KASSLER war von riesigem Körperbau, großer Schlauheit, war Rat und Kanzler Herzog Friedrichs mit der leeren Tasche, Herr von Königsberg (bei Lavis), Gerichtsherr von Mölten, Jenesien und Burgstall (1490). Zur Zeit des Konzils von Konstanz heiratete er (1414) Barbara von BOIMUNDT-KEFER, Tochter des Christian von BOIMUNDT-KEFER (gestorben 1411), nachdem er sich von Kaiser Sigmund um 1413 das Wappen (Einhorn) der ausgestorbenen Herren von RAMÜS (1370) hatte verleihen lassen. Im Jahre 1419 verstand er es, durch eine Urkundenfälschung sich das Schloss BOIMUNDT zuzuschreiben, indem er das Schwanenwappen (Siegel) dem Vetter seiner Gattin, Konrad (gestorben 1419), dem einzigen damals lebenden Boimundter, stahl und damit eine Urkunde (1228) fertigte. Ulrich besaß seit 1415 den Zoblhof in Eppan, erlangte 1415 durch Kaiser Sigmund auch das Wappen der BOIMUNDT (schwarzer Ochs) und war 1427 Kastellan von Sarntein. Den Nachkommen des betrogenen Konrad blieb nur mehr der Name „BOIMUNDT“, als Schloss bauten sie sich später (1560) das Schloss Schwanburg. Georg, Sohn des Ulrich, war mit Elisabeth von VINTLER vermählt und zeugte mit ihr zwei Söhne: Bartlmä, der 1502 Pfleger von Sigmundsburg (Fernpass), Schatz- und Kammermeister Max I., Mitglied der Raitkammer (1501), tirolischer Kammer-Rat und Herr von Schloss Neuberg (Obermais) war. Bartlmä erhielt 1472 die Hälfte des Schlosses Boimundt als Lehen und 1497 die Herrschaft Greifenstein; er starb 1520. Hans von BOIMUNDT-KASSLER, Burder des Georg, war der Gatte der Anna von FEIGENSTEIN und hatte sechs Kinder: Magdalena, Gattin des Hochbrand von SANZELL, Ulrich, Gatte der Agnes von BRANDIS, Bernhard, um 1512 Pfarrer in St. Pauls, Veit, Katharina und Zyprian, seit 1486 Gatte der Regina von KRÄÄ zu HART (aus Sachsen). Zyprians Kinder waren Zyprian jun., gestorben 1535, seit 1529 Gatte der Anna von HAFNER (gestorben 1536), Witwe des Ulrich von PERKHAMMER (gestorben 1528) und Kaspar von BOIMUNDT-KASSLER-PAIRSBERG, seit 1556 Gatte der Sibilla von MONTANI. Kaspar erlangte die Schlösser Nieder-Montani (Morter) und Gargitz (Agums in Vintschgau). Kaspars Sohn, Hans-Kaspar hatte die Helene von WELSPERG zur Ehefrau; er war 1557 geboren, Bozner Patrizier und Vormund der Kinder des verstorbenen reichen Bozner Handelsherren David von WAGNER (1637). Hans-Viktor, Sohn des Hans-Kaspar von BOIMUNDT-KASSLER, war 1637 Landeshauptmannstellvertreter an der Etsch, Besitzer von Gargitz (1632) und Ehemann der Dorothea von TRAUTTMANSDORFF. Dem Landeshauptmann Jakob Freiherrn von BRANDIS schenkte Hans-Viktor für dessen Raritätensammlung einen Eisenring, der den „Vollsäufern“ zur Buße anzulegen war. Hans-Viktor Sohn, Franz-Viktors, vermählte sich mit Maria Porcia Gräfin von ARZ, Witwe des 1664 verstorbenen Innsbrucker Oberst-Stallmeisters und Stadthauptmannes MÜHLBURG, Gemeinde St. Anton-Kaltern. Franz-Viktor soll in den Freiherrnstand erhoben worden sein. Er starb um 1742 und wure im Franziskanerkloster zu Kaltern begraben. Unter seiner Herrschaft einstand im Schlosse Boimundt während der Fronleichnams-Prozession ein Brand, der die schöne Burg einäscherte. Angeblich soll die Köchin durch frevelhaftes Schmalzsieden an diesem heiligen Tage sich die Strafe Gottes zugezogen haben; nach anderer Meinung soll die Köchin von Franz-Viktors Feinden zur Brandlegung bestochen worden sein. Von Franz-Viktors Söhnen ehelichte Hans-Kaspar 1687 die Elisabeth von LICHTENSTEIN, doch blieb die Ehe kinderlos. Johann-Heinrich wurde kaiserlicher Milizhauptmann und Kommandant des Schlosses Kufstein, im Jahre 1702 aber wegen Verstandesschwäche abgesetzt. Er war der Letzte der Linie der BOIMUNDT-KASSLER. Seine Schwester Maria-Barbara von BOIMUNDT ehelichte den Anton Albin von WOLKENSTEIN-TROSTBURG, wodurch die Ruine von BOIMUNDT an die WOLKENSTEIN kam. Eine andere Schwester des Johann Heinrich, Helene, wurde die Gattin des Zyriak von ENZENBERG (Mühlbach). IV. Die Boimundt-Pairsberg Von Reimprecht von Boimundt (gestorben 1544) stammten in direkter Deszendenz Sebastian-Andreas (gestorben 12.12.1565 in Bozen), Andreas (gestorben 1586), Christof-Wilhelm (gestorben 1649) und Johann-Christof (gestorben 1673). Dessen Sohn, Paris-Franz von BOIMUNDT, war Kämmerer und erlangte zusammen mit seinem Neffen Franz-Philipp von BOIMUNDT am 1.5.1693 den Grafenstand; er starb 1703. Der genannte Neffe Franz-Philipp war ein Sohn des Guidobald Karl von BOIMUNDT, Oberstwachtmeisters, der im Kampfe gegen die Türken im Jahre 1693 fiel, und der Eleonore Gräfin METTERNICH. Guidobald Karl Graf BOIMUNDT diente im Infanterie-Regimet „Philipp Graf Metternich“ (später Nr. 11). Der Sohn des Grafen Paris-Franz hieß Ferdinand-Franz (gestorben 1749) und dessen Sohn Johann-Adam (gestorben 1791). Unter ihm wurde Schloss Pairsberg ein Kunkellehen, da er keine männlichen Nachkommen hatte. Seine einzige Erbtochter, Josefa Gräfin BOIMUNDT-PAIRSBERG, geboren 1789 in Tyrnau (Nagy-Szombat), war Sternkreuzordensdame und mit dem Husarenoberst Franz Serafin Grafen AMADE-VARKONY (geboren 1786, gestorben 1923 in Preßburg) vermählt. Sie bezog von Pressburg noch bis zu ihrem Tode die Einkünfte aus dem Südtiroler Schlosse Pairsberg und starb als letzte Namensträgerin der BOIMUNDT im Jahre 1851 in Ankerstein (Steiermark). Die in Bozen (Vorort Zwölfmalgrein) gelegenen Edelsitze Ober- und Nieder-Pairsberg dürften mit dem Schlosse Pairsberg in Nals nicht verwechselt werden. Diese Edelsitze waren ursprünglich Küchenmaierhöfe der Herren von NIEDERTHOR und standen infolge Heirat des Reimprecht von BOIMUNDT (gestorben 1544) mit Katharina von NIEDERTHOR (gestorben 1532) zeitweilig im Besitze des Herren von BOIMUNDT -PAIRSBERG, die den Edelsitzen ihren Namen gaben. QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA Rudolf - „MERAN– Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 50-56.
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