Die Herren von NORTHEIM, auch von Serntein oder „Serenteiner“ benannt, stammen aus einem heute verschwundenen Schlosse, das auf einen Hügel hinter dem heutigen „Santerhof“, nördlich vom Dorfe Sarnthein (bei Bozen) gestanden haben soll.
Der Weiler, wo das Schloss stand, heißt heute noch Northeim, ihr Stamm-Hof war der Mesner-Hof; er hatte eine Kirche zum Hl. Nikolaus. Im Jahre 1237 wird schon ein Northeim-Hof in dieser Gegend genannt.
Im Jahre 1320 finden wir einen Pfleger Christian von NORTHEIM im Schlosse Neuhaus bei Bozen, das er, weil verfallen, neu aufbaute. Im Jahre 1362 kommt in einer Urkunde ein Konrad SERNTEIN (Plözwyse) vor. In der Zeit von 1380-1420 dient ein Wilhelm von NORTHEIM als Richter in Sarnthein.
Als Zeugen und Siegler auf uralten Urkunden finden wir, meist mit dem Namen NORTHEIM, einen Puman (Baumann, 1163), Ekkehard der Kleine (1163), Sivrid (1166), Ulrich (1176), Adalbert (1180), Diether (1234), Ludwig (am 2.11.1281 Domherr von Brixen), Ulin (auch „Nörtele“ genannt, 1305), Heinrich (1311), dessen Tochter Diemut (1311), Muleich (1335), dessen Tochter Diemut, verehelichte von WERBERG (1335), Gerold, Vogt und Richter in Sarntein (1284-1340), Heinrich (1400-1440, Richter in Sarntein), Johann (gestorben 1415, Grabstein von ihm und seiner dritten Gattin in Sarntein), Johannes (1399, 1499), Siegmund (1421-1440), Wilhelm (gestorben 1477), Konrad, geboren 1450, Gatte der Magdalena von FIEGER, und schließlich Dorothea von SERENTEIN, seit 1533 Gattin des Hofmarschalls von Brixen, Reimprecht von BPOIMUNDT-PAYRSBERG (gestorben 1544).
Hans von NORTHEIM der Ältere, genannt SERNTEINER, Sohn des Heinrich und der Katrein von NORTHEIM, war Sekretär des Erzherzogs Sigmund des Münzreichen, der seinem treuen Diener am 13.1.1449 die Edelsitze „Kränzelstein“ und „Kellerburg“ in Sarntein verlieh, die bis 1646 bei der Familie NORTHEIM blieben. Von 1455 bis 1465 war der „Junker Hans“ auch Besitzer der Hauptburg des Sarntales, des stolzen Reinegg. Seine Gattin war Dorothea von HEUSSE zu MÜHLBACH, die Letzte ihrer Familie.
Hans von „Northam, Herr von Sarnten“, starb am zweiten Sonntag vor St. Michael des Jahres 1475 in Sarnthein und wurde mit seiner (Dritten) Frau in Sarnthein begraben. Sein Grabstein ist heute noch an der Sarntheiner Pfarrkirche zu sehen. Am 18.12.1465 wurde er geadelt und im Jahre 1472 in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen. Am 20.6.1474 finden wir ihn noch auf dem offenen Tiroler Landtag.
Zyprian NORTHEIM von SERNTEIN, Sohn des Hans des Älteren, geboren in Hertenberg bei Pfaffenhofen um 1457, wurde Sekretär des Dr. STÜRTZEL, Kanzler, dann Protonotar, 1501 Hofkanzler und als solcher Kanzler von Tirol unter Kaiser Max I. Da er in Begleitung des Kaisers viel reisen musste, ließ er das Tiroler Kanzleramt durch Dr. Matthias KHUEN von BELASI (gestorben 1513, Sohn des Pankraz von KHUEN und der Potentiana von FIRMIAN), Gatten der Susanna von FIRMIAN, verwalten. Als Zeichen seiner besonderen Gewogenheit überließ ihm Max I. 1498 sein Lieblingsschloss „Fragenstein“ bei Zirl, wo Max zur Jagdzeit gern und oft weilte (Martinswand) als Pflege. Daneben war Zyprian auch (1496 und 1508) Pfleger des Schlosses „Reineck“ im Sarntal, von „Festenstein“ bei Lana (1500), „Hertenberg“, „Persen“, „Runkelstein“ (1494) und „Aichelberg“.
Kanzler Zyprian vertrat den Kaiser am Generallandtag zu Innsbruck am 15.1.1518 und gehörte nach dem Tode Max I. (1519) auch dem von dessen Nachfolger, Kaiser Ferdinand I., gebildeten Hofrate an. Als Zyprian von Max I. erfuhr, dass dieser im September 1500 nach Fragenstein zu kommen gedenke, ließ er rasch durch seinen Haus-Meister die Lieblingsgetränke des Kaisers, Leitacher Wein, Gewürzwein, Kösten (echte Kastanien), Rosmarin-, Hirschzungen- und Lavendle-Wein, Senf und Salz für den Jagdaufenthalt Maximilians in „Fragenstein“ beschaffen. Zu den Vertragsverhandlungen von „Blois“ (13.12.1500) ritt Zyprian Tag und Nacht, sein einziges samtenes Kleid hinter sich auf dem Pferde führend, von Innsbruck bis „Blois“ (Mittelfrankreich).
In den Wirkungskreis Zyprians gehörten die politischen und Justizgeschäfte und der Verkehr mit den Landständen. Auch den Landtag vom 22.1.1520 leitete Zyprian. Am 25.4.1521 erhielt Zyprian eine Wappenbesserung. Franz Adam Graf BRANDIS schreibt in seinem „Tiroler Ehrenkräntzel“ (1678), dass Kaiser Max seinen „gehaimen Cantzler Ciperian besonders hochgeliebt“ habe. Am 8.10.1511 finden wir Zyprians Unterschrift auf einer gedruckten (!) Ausschreibung des Kaisers, worin dieser die Tiroler Stände zum zahlreichen Erscheinen auf dem Reichstage zu Augsburg aufforderte; Zyprian, der unter drei Kaisern (Max I., Karl V., Ferdinand I.) 42 Jahre lang diente, starb im 67. Lebensjahre am 7.4.1524 in Innsbruck, wo er in der Pfarrkirche St. Jakob bestattet wurde (Grabstein nicht mehr vorhanden).
Er hatte mit seiner Gattin Dorothea von PERL, Tochter des reichen Schwazer Gewerken Hans PERL und der Anna von KRIPP, geboren um 1480 in Frankfurt am Main, die wegen der vielen Reisen Zyprians in „Fragenstein“ fast immer allein lebte, einen Sohn, der als Knabe im Inn ertrank und in Tirol begraben wurde, und seine Tochter Ursula, geboren 29.7.1512, die aber schon am 15.8.1512 starb. Zyprians Witwe, die sich im Jahre 1526 mit Martin von THUN, geboren 8.11.1479, gestorben 30.9.1536, wiedervermählte, bewohnte bis zu ihrem Tode (6.5.1537) das Schloss „Fragenstein“, wo Martin von THUN (Thun-Hohenstein) seit 27.6.1525 Pfleger war.
Hans von NORTHEIM der Jüngere, geboren 1471, Bruder des Zyprian, übernahm 1496 wieder die inzwischen in fremden Händen gewesene Burg „Reinegg“ (bis 1551) und starb am 13.1.1547. Er hatte 1490 in Freiburg im Breisgau studiert, war Hauptmann von Rovereto und mit Ursula von KESTLAN vermählt.
Hans Christian NORTHEIM von SERNTEIN war mit Magdalena SCHECK von GOLDRAIN, Tochter des Balthasar von SCHECK (gestorben 1.9.1580) vermählt. Seine beiden Söhne Friedrich und Karl erhielten im Jahre 1585 das Schloss „Fragsburg“.
Karl von SERENTEIN war Agent der Erzherzog Ferdinand II. und Max III. am Kaiserhof in Prag und Regierungsrat (1566 bis 1599). Als solcher hatte er die Wünsche des Erzherzogs beim Kaiser vorzutragen und durchzusetzen. Karl von SERENTEIN wird als ein zwar rühriger, aber oft unkluger Besorger der ihm erteilten Aufträge geschildert. Am 27.8.1566 weilte er in Wien. Als Max III. neben SERENTEIN noch einen zweiten Berichterstatter beim Kaiser Rudolf II. in Prag in der Person des Tobias VISCHER bestellte, fühlte sich SERNTEIN zurückgesetzt und beschwerte sich beim Erzherzog. Nach dem Tode Karl von SERENTEINs im Jahre 1600 ließ sich Max III. die Papiere SERENTEINs kommen, um sie zu ordnen und Wichtiges zu vernichten, da SERENTEIN oft ohne Wissen Max III. gehandelt hatte und Max nicht kompromittiert sein wollte. Aber auch SERNTEINs Nachfolger, Tobias VISCHER, waltete nicht lange seines Amtes, denn er wurde im Jahre 1607 in Prag von dem Tiroler Joachim WINKELHOFEN von ENGLÖS in einem Anfall von Jähzorn mit dem Rapier erstochen. Max III. ließ den Mörder in den Innsbrucker Kräuterturm sperren, verhängte über ihn eine Sühne von 3.000 Gulden an die Witwe des Ermordeten.
Friedrich, Karls Bruder reiste im Auftrage Max III. nach Spanien (1588).
Das Geschlecht der NORTHEIM von SERNETEIN erlosch mit Max NORTHEIM von SERNETEIN am 29.11.1646 in Wien, wo er im Augustiner-Kloster begraben wurde; er war ein Sohn des Johann Friedrich von NORTHEIM (gestorben 1595) und der Maria Magdalena von UNVERZAGT, Tochter des Wolfgang von UNVERZAGT. Diese ehelichte nach dem Tode des Hans-Friedrich am 13.1.1601 den Lukas von RÖMER. Max war kaiserlicher Rat, Regierungsrat und seit 27.5.1617 auf Grund seines Gutsbesitzes in Niederösterreich niederösterreichischer Landstand. In erster Ehe (1615) war er mit Viktoria KREN von KRENBERG, in zweiter Ehe (24.4.1629) mit Martha von SCHÜTTER (gestorben 10.10.1671 in Wien) vermählt.
Die heute noch blühende Familie der Grafen WANGER von SARNTHEIN ist mit den SERNTEINer NICHT blutsverwandt, wenn sie auch deren altes Wappen angenommen hat. Sie führt, früher „WAGNER“ genannt, den Namen „SARNTHEIN“ erst seit 27.9.1650, also nach dem Aussterben der SERNTEINer. QUELLE: Granichstaedten-Czerva "Meran" |