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Die Grafen von MOHR leiten ihr Geschlecht aus uralten Zeiten her. Nach einer Abhandlung im Archive des Schlosses „Montani“ stammen sie aus Volterra in Etrurien, und sind als adelige Etrusker schon vor Christi Geburt nach Rhätien eingewandert. Nach dieser freilich sehr zweifelhaften Annahme wird Aruns Maurus, welcher unter dem Kaiser Vespasian Unterstatthalter in Rhätien war, als erster Sprosse ihres Geschlechtes aufgeführt. Nur so viel ist gewiss, dass von dieser Zeit an in mehreren Urkunden über Rhätien nobiles Mauri vorkommen, woraus die deutschen Mohr gemacht worden sind.
Im Jahre 830 kommt Johann Maurus unter Ludwig dem Frommen als Verwalter von ganz Rhätien gewiss vor. Der Name MOHR, so schreibt Beda WEBER in seinem Buche „Meran und Umgebung“, Seite 81, tritt im Jahre 1299 das erste Mal in die Geschichte. Johann Konrad MOHR, Hauptmann auf Steinsberg in Engadin, erscheint nämlich um diese Zeit in Diensten der Vögte von MATSCH, ohne allen Zweifel ein Ahne der jetzigen Grafen von MOHR. Sie besaßen weitläufige Güter im Engadin, und hielten sich in den vieljährigen Streitigkeiten der Engadiner mit Österreich stets zum letztern. Deshalb wurden sie auch von den ersteren gehasst und verfolgt. Anselm von MOHR, österreichischer Hauptmann im Schlosse zu Ramüs, diente unter dem Kaiser Maximilian als Führer bei den österreichischen Einbrüchen ins Engadinerland. Aus Rache zerstörten die Engadiner den Mohrenturm zu Zernetz. Sein Sohn Johann MOHR, der Stammvater der ganzen Familie, wanderte zuerst ins Münstertal als die Religionswirren auch in den Bergen der Schweiz den Frieden störten. Das Schloss „Lichtenegg“ in Mais war das erste Mohrsche Besitztum. Am 10.5.1593 wurde es für ihn zum Edelsitz erhoben, und seit dieser Zeit nannten sie sich MOHR zu LICHTENEGG, seit 1578 und 1584 wappenfähig. Sie widmeten sich dem Kriegsdienst und bewiesen in Böhmen, Österreich und Deutschland eben so viel Tapferkeit als Anhänglichkeit an die katholische Kirche. Dadurch kamen sie zu großem Reichtum. Der genannte Johann MOHR zu LICHTENEGG war der Urgroßvater des berühmten Geschichtsschreibers Maximilian (I.) von MOHR (geboren 1588), des unstreitig größten Mannes, welcher bisher aus diesem Geschlecht hervorgegangen ist. In seiner Jugend war er spanischer Soldat in Italien und bildete sich im Geschäftsleben sehr vorteilhaft aus. Heimgekehrt nach Tirol, war er am 4.10.1631 zusammen mit seinem Bruder Ferdinand MOHR, Oberstleutnant, mit dem Prädikate „von GREIFFEN“ in den Freiherrenstand und am 15.6.1650 in den Grafenstand erhoben worden. Er bekleidete viele Jahre das Amt eines Kanzlers zu Innsbruck, wurde später Regierungspräsident und Direktor des geheimen Rates. Er redete und schrieb die deutsche, lateinische, französische, spanische und italienische Sprache geläufig und wurde viel in Gesandtschaften nach Italien, der Schweiz und Deutschland gebraucht. Graf Benno von BRANDIS, sein Freund, verwaltete unter seiner Amtsführung die Landeshauptmannschaft an der Etsch. In besonderen Gnaden stand Max Graf MOHR, der mit Ursula FIEGER von HIRSCHBERG (gestorben 1641), Tochter des Ferdinand von FIEGER und der Katharina von TAXIS, vermählt war, beim Erzherzog Ferdinand Karl, und führte nach seinem frühzeitigen Tod die vormundschaftliche Regierung. Mitten unter diesen umfangreichen Geschäften für das Gemeinwohl des Landes sammelte er unermüdlich Quellen für die Tiroler Geschichte. Zu Innsbruck findet man von ihm sechs Foliobände über tirolische Angelegenheiten. Bei seinem Tode (im Jahre 1659 in Montani) zählte man nicht weniger als 30 verschiedene Werke und Abhandlungen, wovon unseres Wissens nichts gedruckt ist. Der mohrische Hausstand hatte sich indessen besonders durch seine Tätigkeit erstaunlich vermehrt. Maximilian kaufte im Jahre 1647 das Schloss „Montani“ mit Asylrecht für Totschläger auf Jahr und Tag, in Feld und Wald. Mit demselben wurde auch die Feste „Annenberg“ (1699) auf der Gegenseite des Tales erworben. Der Ansitz „Montelbon“ in Partschins kam durch Heirat (Max Graf MOHR, 1647), das Schloss Greifen (Max Graf MOHR, 1629) und der Edelsitz „Rundegg“ durch Kauf (Hans Jakob von MOHR, 1621, Gemeinderat in Obermais im Jahre 1644; Pfleger in Tarasp und Flüchtling aus Graubündten) an ihr Haus. Nebst dem besaßen sie „Neuhaus“ in Schwaben, einen Flecken mit dem Schlosse gleichen Namens. Der genannte Maximilian von MOHR erhielt es 1648 vom Erzherzog Ferdinand Karl geschenkt für wichtige Dienste. Dazu gewann er „Gutenstein“ ebendaselbst. Die Herrschaft Feldkirch besaß er als Pfand. „Weißenburg“ und „Landstein“ in Böhmen hatte er erheiratet. Endlich kam auch das Schloss „Dornsberg“ (Tarantsberg) in Vintschgau an die Grafen MOHR. Neben Maximilian (I.), der wohl der bedeutendste der gräflichen Familie MOHR war, finden wir anfangs des 17. Jahrhunderts noch den Junker Hans-Jakob MOHR und dessen Bruder Hans-Dietich MOHR in Beziehungen zu Tirol; Hans-Jakob war Hauptmann in Tarasp. Ihr Onkel Georg BELI, österreichischer Landvogt im Prettigau, wurde wegen seiner antiprotestantischen Gesinnung am 16.7.1607 in Chur enthauptet, trotz der Intervention des Hans-Dietrich (25.4.1607) beim Erzherzog Max III. in Innsbruck. Hans-Jakob und Hans-Dietrich wurden für ihre österreichische Gesinnung, über Befehl des Erzherzogs, im Jahre 1613 in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen. Karl-Philipp von MOHR, Sohn des Max (I.) war seit 1640 mit Susanna von ANNENBERG vermählt und erwarb durch sie die Schlösser „Annenberg“ und „Tarantsberg“ („Dornsberg“) um das Jahr 1699. Sein Bruder, Gabriel Graf MOHR war von 1632 bis 1642 Pfarrer in Meran-Tirol zur Zeit als die Pest in Meran wütete. Maximilian (II.) Graf MOHR, Sohn des Karl-Philipp, gestorben 1695 in Latsch, war der Gatte der Anna Franziska Gräfin von MAMMING (gestorben 1714). Seine Schwester Johanna-Magdalena MOHR ehelichte den Johann Gottfried Freiherrn HUEBER von MAUR (1702), der das Schloss „Annenberg“ übernahm. Franz-Anton, Sohn Max (II.), gestorben 1774, vermählt 1732 mit Katharina Elisabeth Luzia FIEGER von FRIEDBERG, Tochter des Dominik von FIEGER, besaß das Schloss „Tarantsberg“ und erwarb 1764 das Schloss „Maur“. Karl-Anton (Philipp) Graf MOHR, Sohn des Franz-Anton, geboren 11.12.1738 in Tarantsberg, Gatte der Josefa Maria Gräfin ARZ (gestorben 1825 in Latsch), gestorben 22.7.1809 in Latsch ordnete das Mohr'sche Archiv in Tarantsberg und verfasste einen Katalog der wichtigsten Urkunden (jetzt im Museum Ferdinandeum). Er betrieb emsig Geschichtsforschung. Sein Bruder Franz-Dismas Graf MOHR, geboren 19.7.1735 in Tarantsberg, Domherr von Chur, fürstbischöflicher Vikar und Pfarrer von Meran-Tirol (1782 bis 1795), musste die Aufhebung der Klöster in Meran erleben und starb 1795. Sein Bruder Anton Graf MOHR war Domherr in Brixen und dort (letzter) Propst des Kollegiatsstiftes (seit 25.8.1804); er starb am 4.4.1807 in Brixen. Karl-Johann (Philipp), Sohn des Karl-Anton (Philipp) von MOHR, geboren 14.12.1771, gestorben 1823 in Latsch, war verehelicht zu Naturns mit Johanna Gräfin ALBERTI (gestorben 1825). Seine Schwester Anna Maria Gräfin MOHR, geboren 1780, gestorben 27.3.1832 in Lebenberg, war die Gattin des Johann Baptist Grafen FUCHS von FUCHSBERG, des Letzten seiner Familie, geboren 23.6.1761, gestorben 13.6.1828 in Lebenberg, Sohnes des Franz Anton Grafen FUCHS (geboren 20.10.1705, gestorben 15.1.1767) und der Maria Franziska Katharina Gräfin von MOHR, (geboren 24.3.1726, gestorben 13.2.1794). Von weiteren Geschwistern des Karl-Johann (Philipp) nennen wir Elisabeth, geboren 31.12.1779, gestorben 22.6.1840, Gattin des Johann Grafen STACHELBURG, des Letzten seiner Familie, gefallen am 25.5.1809 in der Berg Isel-Schlacht. Franz Graf MOHR, gestorben 1823 in Latsch, und als sechstes Kind des Karl-Anton (Philipp): Johann Graf MOHR, geboren 30.5.1768, gestorben 20.12.1834 in Latsch; dieser besaß 1806 das Schloss „Hochnaturns“. Josef (Alois Anton) Reichsgraf von MOHR, Herr auf „Tarantsberg“ in Plaus bei Meran, „Lichtenegg“ bei Mals, „Greifen“ bei Obermais und „Untermontani“ bei Latsch, war am 12.3.1778 in Latsch als Sohn des Gerichtsinhabers von Ober- und Untermontani Karl-Anton (Philipp) Grafen MOHR und der Maria Josefa Gräfin ARZ von VASEGG, geboren. Er diente vor dem Aufstand 1809 als Leutnant im k.k. Jägerregimente „Feldmarschall-Leutnant Chasteler“ Nr. 64; in der Berg Isel-Schlacht am 25.5.1809 kommandierte er die Vintschgauer, dann kämpfte er in der Scharnitz und bei Gasteig. Am 2.6. war er Anführer der Bauern in der Scharnitz und bei Leutasch und hätte damals die feindliche Infanterie leicht gefangen nehmen können, wenn er – der Hitzkopf – nicht zu früh die Doppelhacken losgefeuert hätte, was aber die Heranrückenden Feinde zu schleunigster Flucht veranlasste. Am 7.8. stellte sich MOHR unter SPECKBACHERs, also unter eines Bauern Kommando, und erhielt an seinem Standorte Telfs bei Sterzing von HOFER den Befehl, den Feind abzulenken und sich möglichst zu halten. In der dritten Berg Isel-Schlacht kommandierte MOHR in der linken Zentrumskolonne als Bataillonskommandant die Vintschgauer mit vier Kompanien von Latsch, 905 Mann. Er legte sich mit HASPINGER in einen in Eile angebrachten Wegverhau und, auf ein gegebenes Zeichen, stürzten sie sich auf den nahenden Feind. Unter äußerster Anstrengung brachten sie den wütend anstürmenden Feind zum Stehen. Am 29.8. zog MOHR, der am 21.8. von HOFER zum Kommandanten des Vintschgaues ernannt worden war, nach Südtirol, um dort zehn bis zwölf Kompanien aus Passeiern, Algundern, Schönauern und Maisern zusammenzustellen. Graf MOHR erhielt von Andreas HOFER, HASPINGER, Assessor Ferdinand ROSSI und dem Major Anton STEBELE von SILLFELD sehr ehrenvolle Tapferkeitszeugnisse, in denen es sogar hieß, dass, wenn MOHR nicht bei der Berg Isel-Schlacht mitgewirkt hätte, der Berg Isel schwerlich oder nur mit großen Verlusten erobert worden wäre und er durch sein geschicktes Kleingewehrfeuer die einzige Ursache des so glücklichen Ausganges der Schlacht war. Der Kaiser verlieh ihm die große goldene Zivil-Ehren-Medaille. Graf MOHR, der mit Kreszentia von REINHARD zu THURNFELS (geboren 27.4.1779 Fernstein, gestorben 20.6.1860) vermählt war, starb kinderlos am 25.4.1833 in Obermontani bei Latsch, erhielt durch Nennung seines Namens auf den Freiheitskämpfer-Denkmal in Latsche ein Erinnerungszeichen. Josef Graf MOHR, geboren 1817, und Valentin Graf MOHR, geboren 1819, beide Söhne des Karl-Johann (Philipp), blieben kinderlos. Valentin war Leutnant und starb am 18.7.1862 auf dem Schlosse Tarantsberg. Karl Graf Mohr, Sohn des Karl-Johann (Philipp), geboren 8.1.1824, kaufte 1850 das Schloss „Gajen“ bei Schenna und vermählte sich am 24.4.1854 mit Mathilde Gräfin SARTHEIN (geboren 4.7.1834, gestorben 18.11.1855), die ihm am 8.2.1855 eine Tochter Maria Gräfin MOHR gebar, aber schon nach 19 Monaten währender Ehe starb, worüber der Witwer so untröstlich war, dass er seine Stellung als Statthaltereisekretär in Innsbruck niederlegte und Priester (Jesuit, Rektor des Jesuitenkollegiums in Innsbruck) wurde. Seine einzige Tochter und letzte Namensträgerin der Grafen MOHR, Maria Gräfin MOHR, ehelichte am 24.4.1876 den Freiherrn Josef von GIOVANELLI (geboren 9.4.1846). Mit dem Tode des Karl Graf MOHR am 5.7.1880 erlosch dieses edle Geschlecht. (Der fürstbischöflich Brixensche Hof-Kanzler Georg Felix von MOR, geboren 1643, gestorben 1701, entstammte der Brunecker Familie MOR von und zu SUNEGG und MORPERG). QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 178-182.
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