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Zu den angesehenen Familien Südtirols gehörte im 19. Jahrhunderte die Familie MAGES, die zwar nur aus wenigen Mitgliedern bestand, die es aber zu hohen Stellungen brachte. Über die Herkunft der Familie MAGES konnten wir nichts erfahren, wir wissen nur, dass sie aus Imst stammt und dass der Handelsmann Alois MAGES im Jahre 1837 in Innsbruck das Haus Innstrasse 29 besaß, Weißgärber und Handschuhfabrikant war. Er war Bürger von Innsbruck, Schützen-Oberjäger, Schreiber und Schwefelpfeifer der Zötschen Schützenkompanie 1848. Er starb am 26.5.1886 in Innsbruck und hatte einen Sohn Franz, den nachmaligen Bürgermeister von Bozen.
Franz MAGES, geboren in Innsbruck 1791, studierte am Gymnasium in Innsbruck, dann dort an der Universität Philosophie und rückte im Jahre 1809 als Feldwebel der freiwilligen akademischen Studentenkompanie unter dem Hauptmann Univ.-Prof. Dr. Andreas Ritter von MERSI aus. Nach Friedenschluss setzte er seine Studien an der Universität Erlangen fort, nahm im Jahre 1813 am Kriege gegen Frankreich als Offizier und Adjutant des bayerischen Heeres teil, kehrte aber nach der Völkerschlacht (Oktober 1813) in seine Heimat zurück, wurde im Jahre 1814 Landgerichtsaktuar in Schwaz und von dort 1818 als Ratsprotokollist zum Zivilgericht in Bozen versetzt. Einige Jahre später kam er zum Landgericht Stein am Ritten, wo er durch seine Tüchtigkeit und Klugheit die Aufmerksamkeit der dortigen reichen Bozner Patrizier erregte. Diese kandidierten ihn für den durch den Rücktritt des provisorischen Bürgermeisters Peter von MAYRL freigewordenen Posten des Bozner Stadtoberhauptes, welche Würde er auch am 20.10.1822 erhielt und bis 1850 bekleidete. Er war mit Eleonore von PLATTNER zu NEUFELD (geboren 28.3.1798 in Bozen, dort gestorben 12.3.1825), eine Tochter des bekannten Bozner Advokaten Dr. Franz von PLATTNER (geboren 30.10.1771 in Bozen, dort gestorben 25.4.1817) und dessen Gattin Aloisia PARTH von AMBOSSEGG (1770 bis 1851), vermählt. Am 16.8.1838 erhielt Franz MAGES anlässlich der Erbhuldigung den Titel eines k.k. Rates; er hat sich um die Stadt Bozen große Verdienste erworben, errichtete 1838 eine neue Schützenkompanie, baute 1827 einen neuen Friedhof, bekämpfte 1837 als Vorsitzender des Cholera-Komitees wirksam die Epidemie, erweiterte die wichtige Franziskanergasse durch Umbau, organisierte den Stadtmagistrat, pflanzte die Alleen um Bozen neu an, entfernte die alte Kirchhofmauer, restaurierte die Bozner Pfarrkirche, legte Straßenpflaster an, stellte die Ritschenkanäle her, ordnete die Stiftungsangelegenheiten, den Armenfonds, errichtete ein Spital, baute das Arbeitshaus aus und betätigte sich als Aufseher der Bozner Volks- und Hauptschulen. Im Jahre 1848 organisierte er die Landsturmkompanien Bozens, wobei er einem mit dem kommandierenden General-Feldmarschall-Leutnant Ludwig Freiherrn von WELDEN einen stürmischen Auftritt hatte. MAGES hatte wegen der nahen Kriegsgefahr zur Beruhigung der Bevölkerung den greisen Erzherzog Rainer veranlasst in Bozen zu bleiben; WELDEN nahm dies dem Bürgermeister sehr übel, beschimpfte ihn auf dem Waltherplatze öffentlich wie einen Schuljungen und fuhr dann tobend in seiner Equipage von Bozen ab (27.4.1848). Franz MAGES starb in Bozen am 5.3.1860. Alois Freiherr von MAGES, geboren als Sohn des Franz am 28.8.1823 in Bozen, wurde Richter und diente bis 1860 als Kreisgerichtsrat in Bozen, 1866 als Landesgerichtsrat in Innsbruck, ab 9.10.1868 als Kreisgerichtspräsident in Feldkirch, wurde am 20.6.1872 Hofrat beim Obersten Gerichtshofe in Wien und am 4.5.1881 Präsident des Oberlandesgerichtes Innsbruck. Er erbte von seiner Großmutter Aloisia von PLATTNER am 12.6.1847 den Ansitz Nr. 52 am Ritten und trat am 25.4.1848 (als Auskultant) in die zweite Bozener Schützenkompanie als Schütze ein. Damals steuerte er auch einige Gedichte für Adolf von PICHLERs „Frühlieder“ (1846) bei, jedoch unter dem Decknamen „Aloys Schlern“. Anläßlich der Vermählung des Kaiserpaares (24.4.1854) dichtete er einen Festgruß „Der hohen Kaiserbraut“ (Wagner, Innsbruck), bei der Eröffnung des neuen Justizpalastes in Innsbruck (4.10.1887) gab er bei Wagner eine Festschrift „Die Justizverwaltung Tirols in den letzten 100 Jahren“ heraus und propagierte die Ersetzung des Tiroler Verfachbuches durch das Grundbuch in Wort und Schrift. Als Hofrat hatte er den Leopolds-Orden und damit, am 20.4.1876, den Ritterstand mit dem Prädikate „von KOMPILLAN“ („Kompil“ ist ein Ansitz im Stadtbezirke von Bozen) erhalten. Mit der Geheimratswürde ausgezeichnet, erhielt er am 4.2.1883 den Orden der Eisernen Krone II. Klasse, am 10.3.1883 den Freiherrenstand und wurde Mitglied des Staatsgerichtshofes. Er war seit 3.9.1851 mit Emilie MALDONER (geboren 18.7.1829, gestorben 21.2.1907 in Innsbruck) vermählt und starb am 23.4.1895 in Innsbruck. Sein Sohn Dr. jur. Heinrich Freiherr von MAGES, geboren 28.12.1857 in Rovigno, war als Vorsteher und Oberlandesgerichtsrat des Bezirksgerichtes Meran eine in Südtirol sehr bekannte Persönlichkeit, zumal er dieses wichtige Amt vom Dezember 1892 bis zu seinem Tode bekleidete. In seiner Freizeit forschte er über die Geschichte der Hexenprozesse. Er starb in Meran am 20.11.1914; den Ansitz „MAGES“ in Lengmoos am Ritten erbte von ihm seine Schwester Maria Baronin MAGES (geboren 25.3.1862), die in Innsbruck lebte, das Familienarchiv betreute und am 18.2.1944 in Kolbenstein am Ritten starb. Wohl stammesverwandt mit der genannten Familie MAGES dürfte der Maler Josef MAGES, geboren 8.4.1728 als Sohn eines armen Nagelschmiedes in Imst, sein, von dem zahlreiche Fresken in Tiroler Kirchen stammen und der am 26.8.1769 in Oberschönfeld bei Liegnitz starb. Sein Sohn Johann Georg MAGES (geboren Imst 1750) war Maler in Imst, seine Gattin Therese ROTPLATZ; seine Tochter Therese MAGES, geboren Augsburg 1756, war eine hervorragende Porzellanmalerin; von ihr stammt ein hübsches Miniaturporträt der Kaiserin Maria Theresia (auf Porzellan, jetzt im Museum Ferdinandeum). Sie starb, erst 16 Jahre alt, am 29.1.1772. QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 168-171.
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