|
Die Herren von LICHTENSTEIN sind ein altes Eppaner und Trientner Ministerialen-Geschlecht, das schon im Jahre 1127 in alten Urkunden auftaucht. Sein Stammschloss lag bei Leifers, unweit Bozen, an der Mündung des Brantentales in das Etschtal auf einem hohen Felskegel, der noch die Mauerreste des stolzen Schlosses zeigt. Graf Meinhard II. von Tirol legte um 1290 die Burg Lichtenstein in Schutt und Asche, weil die Lichtensteiner die Partei seines Gegners, des Fürstbischofs von Trient, ergriffen hatten. Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurden die Lichtenstein auch tirolische Ministerialen. Sie dürfen mit den (Fürsten) Liechtenstein, die sich mit „ie“ schreiben, nichtverwechselt werden und sind mit ihnen auch nicht stammesverwandt.
Als ersten des Geschlechtes finden wir Kadalhoch (gestorben um 1135), Gatten der Mechtildis von VALVENSTEIN, einer Burg in Gries bei Bozen, dann Odalschalk (1178), schließlich folgt Otto (1196) uff. Das „Bozner Geschlechterbuch“ (Bozen, 1936, S.153 ff.) enthält eine genaue Stammfolge der LICHTENSTEIN, von Kadalhoch beginnend bis zum letzten Lichtensteiner, Franz Anton (gestorben 1762). Es finden sich dort 286 Familienmitglieder. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Stammbau der Linie „CASTELCORNO“ findet sich im Anhang zu der Monographie „Die Herren von Castelcorno“ von Dr. Karl Ausserer im Jahrbuch 1911 der herald. Gesell. „ADLER“-Wien. Hier können wir auf diese wichtigen Quellen verweisen und uns nur mit den bedeutendesten Migliedern der Familie befassen. Im Laufe der Jahrhunderte teilten sich die LICHTENSTEIN in fünf Linien, in die Linie LICHTENSTEIN-KARNEID, LICHTENSTEIN –TSCHENGELSBURG, LICHTENSTEIN-KALTERN, LICHTENSTEIN -SCHENNA, und LICHTENSTEIN -CASTELCORNO. Da die Lichtenstein in etwa 36 alte Südtiroler Edelgeschlechter eingeheiratet und selbst im Burggrafenamte seßhaft waren, sind sie zum Südtiroler Uradel zu zählen. Die Linie Lichtenstein-Karneid Heinrich (V.) von LICHTENSTEIN, Sohn des Wilhelm (III.), Gatte der Dorothea von TSCHENGLS, Tochter des Gebhard von TSCHENGLS, war 1374 bis 1390 Hauptmann in Stenico (bei Tione), Vikar in Judikarien zeitweilig Verweser des Bistums Trient, Hauptmann der Stadt Trient und erlangte am 31.5.1396 die Schlösser „Karneid“ (bei Bozen) und „Steinegg“ (bei Karneid) im Jahre 1385, „Welschnofen“ (bei Bozen), „Haselburg“ (bei Bozen) und „Fassa“. Er starb im Jahre 1398. Wilhelm (IV.), Sohn Heinrich (V.), war der Gatte der Margarete Martha von WOLKENSTEIN, Tochter des Friedrich von WOLKENSTEIN, erbte „Karneid“, wurde 1408 Mitglied des „Falkenbundes“, erbte 1409 das Schloss „Haselburg“, erlangte 1421 Schloss „Tschengelsburg“ und nahm am 18.11.1423 als Delegierter des Ritterstandes am Landtag in Bozen teil. Nördlich der Pfarrkirche in Wilten steht die St. Michaels- oder Toten-Kapelle. In der linken Ecke dieser Kapelle ist neben dem Altare ein weißer Marmorgrabstein in den Fußboden eingelassen. Der Stein erzählt, dass am Donnerstag, den 19.12.1409, Pretel (Prechtel, Pretelius) von CALDES, Gatte der Juliana von THUN auf dem Wege zum Bergisel, oberhalb Wilten, von Wilhelm von LICHTENSTEIN erschlagen worden. Pretel (Adelpret) war ein „wirscher Kopf“, stammte aus dem gleichnamigen Schlosse auf dem Nonsberge am Eingang in das Sulztal und hatte in Male einen Priester in den Noce-Fluss werfen und ersäufen lassen. Wilhelm von LICHTENSTEIN rächte diesen Priestermord, fiel deshalb beim Herzog Friedrich mit der leeren Tasche in Ungnade, zumal er sich offen gegen den Herzog aufgelehnt hatte. Er wurde vom Herzog belagert, gefangengenommen (1410) und des Schlosses verlustig erklärt, später aber begnadigt. Am 17.6.1432 gab Wilhelm (auch der „Ältere“ genannt) seine Tochter Dorothea (Thurute) dem Ritter Sigmund von NIEDERTHOR zur Ehefrau. Johann (Hans) von LICHTENSTEIN, Sohn des Heinrich (V.) war mit Barbara-Gertraud von SÄBEN, Tochter des Ulrich von SÄBEN, vermählt, wurde 1370 Hofmeister des Herzogs Albrecht III., war am 9.6.1370 Landesverweser, wurde 1387 neuerlich mit den Herrschaften „Steinegg“, „Welschnofen“ und „Karneid“ belehnt, erlangte am 6.8.1393 die Burg „Aichach“ (bei St. Oswald-Kastelrut), empörte sich gegen Herzog Friedrich IV., dessen Rat er seit 24.4.1407 war, wurde mit seinem Bruder Wilhelm (IV.) gefangen und seine Burg „Karneid“ erobert (1410). Georg (II.), Sohn Wilhelms (IV.) vermählte sich mit Anna von WELSPERG, sammelte kostbare Harnische, die er sich in Innsbruck anfertigen ließ. Durch seine Gattin erwarb er den Ansitz „Zellheim“ in Welsberg (1440), den er bedeutend erweiterte und zum stillen Aufenthalt wählte, weshalb er gewöhnlich „die Retirade des Herren von Lichtenstein“ genannt wurde. Sein Sohn, Ulrich, wurde als Ulrich V. im Jahre 1493 Fürstbischof von Trient, wo er am 16.9.1505 starb. Ulrichs Bruder, Wolfgang (I.) war Pfleger in Kaltern, wo er am 16.2.1511 starb, ein anderer Bruder Ulrichs, Johann, war mit Magdalena von SCHLANDERSBERG vermählt, die ihm einen Sohn Andreas (I.) schenkte, der die Dorothea von NEIDEGG zur Gattin hatte, und beim Begräbnis des Kaisers Maximilian I., des Letzten Ritters, in Wels, am 12.1.1519, hinter dem Sarge schritt. Bartlmä (I.), Sohn Wilhelms (IV.) wurde der Gemahl der Barbara von VEGELER-HAUZENHEIM, war Pfleger in Rottenburg (1444) und hatte drei Söhne: Matthias, Gatte der Margarete von WOLF-MAREIT, der letzten ihrer Familie. Im Jahre 1470 erlangte er durch seine Gattin das Schloss „Wolfsthurn“, 1486 „Karneid“ und wurde 1490 Pfleger von Kaltern. Die weiteren Söhne des Bartlmä (I.) waren Sigmund (I.), Gatte der Rosina von FUCHS, und Thomas (I.) Gatte der Barbara von KHUEN. Wilhelm (VI.), gestorben 1546, Sohn des Thomas (I.) ehelichte Katharina von WEILLER, die ihm einen Sohn, Bartlmä (II.) gebar. Bartlmä (II.) der Grausame Von altersher hatten die Herren von Karneid die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über die Bewohner der weiteren Umgebung der Burg und des Eggentales inne. Die Lage dieser Gerichtsuntertanen war nun keineswegs beneidenswert, denn die hervorstechensten Charaktereigenschaften der Karneider Lichtensteiner waren hemmungslose, vor nichts zurückschreckende Habsucht und Grausamkeit. Besonders Bartlmä (II.) von LICHTENSTEIN, geboren 1512, der unter der Regierung des Erzherzogs Ferdinand II., des Gemals der schönen Welserin, lebte, tat sich darin besonders hevor. Vorerst fand sein anstößiger Lebenswandel, insbesondere sein Zusammenleben mit einer Dirne, seiner Dienstmagd, die er später auch zur Frau nahm, die landesfürstliche Misswilligung. Um 1575 geriet er mit den WELSCHNOFEN in Streit, weil er diesen die Holzfuhren durch sein Gebiet nur gegen drückende Abgaben gestatten wollte. Sie suchten ihr Recht beim Landesfürsten, der den Bartlmä in dieser Sache nach Innsbruck zitierte. In dem darob sich entwickelten Prozesse kamen schauerliche Verbrechen zutage, die Bartlmä als Gerichtsherr gegen seine Untertangen beging. Er erpresste von ihnen ganz ungebührliche Grundzinse und andere Abgaben. Zahlungsunwillige ließ er gefangensetzen und auf seine Burg schleppen, wo er sie eigenhändig mit sadistischer Grausamkeit folterte. Waren die armen Opfer so übel zugerichtet, dass er sie nicht mehr gut der menschlichen Gesellschaft als Zeugen seiner Verbrechen zurückgeben konnte, so ließ er sie einfach ins Verließ werfen und dort ohne Speise und Trank umkommen. So marterte er einmal eine Bauerndirn und kerkerte sie dannach ein. Das Burggesinde hatte Mitleid mit dem armen Geschöpf und eine Magd sparrte sich das Essen vom Munde, um es mit der Gefangenen zu teilen. Auf dem Wege zum Kerker wurde sie von des Burgherrn Sohn Wilhelm (VII.) betreten, der ihr den Speisevorrat aus der Hand schlug und seinem Hunde vorwarf. Bald danach brachte man die Amre in die Backstube, damit sie sich dort erwärme und ein menschwürdiges Nachtlager fände. Doch am nächsten Morgen war sie verschwunden. Einige Zeit danach fischte man ihre Leiche aus der Burgzisterne. Als diese Schandtaten in Innsbruck aufkamen und durch einwandfreie Zeugen belegt wurden, ließ der darob hochergrimmte Erzherzog Ferdinand den LICHTENSTEINer gefangensetzen und ihm den Strafprozess machen. Die Klageschrift des Kammerprokurators, die 95 Punkte enthielt, fasste das Verbrechertum des Lichtensteins in die Worte zusammen: „Er hat freventlich Vermessenheit mit Weibsbildern begangen, auch greuliche Marterungen ehrlicher Männer, weder Jugend noch Alter geschont, viele ehrliche Männer mit Klemmung der Finger, hartem Gefängnis, gar geringer Leibeshaltung, Erfrierung des Leibes, im Gefängnis mit Streichen, Stoßen, Schlagen und Werfen dermaßen gemartert, dass viele invalid wurden und nun betteln gehen. Viele untertanen hat er ihr Vermögen abgenommen wider Gott, Recht und Billigkeit, für die Gefängnis-Strafe rechnete er hohe Kosten. Gegen jedes Recht führte er neue Grundzinse ein und erhöhte die bestehenden. Er konfiszierte Verlassenschaften. In summa: niemand könnte bei ihm Recht erlangen und alle spürten seine Tyrannei.“ Des Karneiders Kopf war beinahe schon dem Henker verfallen, als ihm in dem im „Bozner Hofrecht“ (Adeliges Hofgericht) zusammengefaßten etschländischen Adel ein mächtiger Helfer erstand. Dieser verwandte sein ganzes gewichtiges Ansehen darauf, den Karneider dem Arm der irdischen Gerechtigkeit zu entreissen, weil er die Ansicht vertrat, dass Bartlmä „nichts begangen hätte, was gegen die ritterliche Ehre und Reputation verstoße.“ Fast mehr noch als die Verbrechen des LICHTENSTEIN selber läßt diese eifrige Parteinahme mit dieser äußerst sonderbaren Begründung einen klaren Blick in die Sittenverwildung tun, die im 16. Jahrhundert die oberste Gesellschaftschichte beherrschte. Schließlich erreichte der Adel sein Zeil: Erzherzog Ferdinand schlug – wenn auch schweren Herzens – den zu Ende gehenden Prozess nieder und gab dem Angeklagten nach achtmonatiger Kerkerhaft die Freiheit wieder. Bartlmä hatte lediglich eine allerdings für jene Zeit sehr hohe Geldbuße von 1.000 Gulden zu bezahlen. Doch der Frevler wurde in der Folgezeit von der göttlichen Gerechtigkeit hart gezüchtigt. Im Jahre 1586 fand sein einziger ihm gleichgearteter Sohn Wilhelm (VII.), Gatte der Barbara von RÖMER, Tochter des Hans Jakob von RÖMER-MARETSCH, ein dunkles Ende. An einem Vorfrühlingsabend fand man in der Burgumgebung von Karneid sein Leiche. Das Volk munkelte zuerst, der eigene Vater hätte gemeuchelt, damit er die ehebrecherischen Beziehungen zur Schwiegertochter (Barbara von RÖMER) ungestört fortsetzen könne. Jedoch erwies sich als Wilhems Mörder sein Vetter Erasmus (II.) von LICHTENSTEIN-CASTELCORNO, Sohn des Bartolomäus VII. und der Katharina von SPARU, der darob außer Landes floh, jedoch nicht lange darnach, als über die Geschichte Gras gewachsen war, unangefochten am Innsbrucker Hofe verkehren durfte. Als Anstifter wurde Konstantin von LICHTENSTEIN-CASTELCORNO (gestorben 1614) bezeichnet. Barbara von RÖMER wurde zwei Jahre lang im Hause ihres Bruders, Lukas des Jüngeren von RÖMER wegen des Mordes interniert. Ein zweiter harter Schicksalsschlag traf den Lichtenstein, als schon einige Jahre nach dem Tode des einzigen Sohnes und Leibeserben die Burg Karneid ausbrannte. Ihre Wiederherstellung, sowie seine verschwenderische Lebensweise und sein ständiger Verkehr mit den beutelüsternen Dirnen ließen ihn in große Schulden geraten. Im Jahre 1602 starb er, im 90. Lebensjahre, in großer Armut als letzter Karneider, hochbetagt und wenig betrauert, am wenigsten von senen Gerichtsuntertanen. In der Wallfahrtskirche zu Maria-Weißenstein (bei Deutschnofen) befindet sich, in der Vorhalle, ein Bild, darstellend den „Karneider Geister-Ritt“ nämlich 7 Totengerippe, in schwarze Mäntel gehüllt. Dem Bilde liegt folgende Sage zugrunde: Die Ritter von Lichtenstein gelobten zur Pestzeit des Jahre 1576, mit Geld und Gut eine Wallfahrt nach Weißenstein zu machen, wenn sie auf ihrem Schlosse Karneid von der schrecklichen Seuche verschont blieben. Tatsächlich starb niemand im Schlosse, während in der Nachbarschaft eine große Zahl von Menschen der Pest erlag. Aber nachdem diese erloschen, vergaßen die Geretteten auf die Wallfahrt und wollten ihre Schuhsohlen schonen. Siehe da, die Pest kam wieder und raffte alle Ritter und ihre Angehörigen dahin. In der Nacht darauf flogen die Schlosstore auf, die Toten sprengten auf fahlen Rössern, mit schwarzen Mäntlen um die klapperdürren Leiber, empor nach Weißenstein, drangen durch die sich von selbst öffnende Kirchentüre bis vor das Gnadenbild am Hochaltare. Dort stürzten sie mit großem Gerassel zusammen und am Morgen fanden die Mönche von Weißenstein nichts als ein häufchen schwarzer Gebeine. Johann Paul von LICHTENSTEIN, Sohn des ermordeten Wilhelm (VII.), war mit Helene von KHUEN vermählt; die Ehe blieb kinderlos. Schloss Karneid ging dem Verfall entgegen, die Ruine blieb bis zum Aussterben der LICHTENSTEINer (1762) in deren Besitz. Die Linie Lichtenstein-Tschenglsburg Von Heinrich (V.) und dessen Gemahlin, Dorothea von TSCHENGLS stammte Christof (I.) von LICHTENSTEIN, seit 1381 Gatte der Barbara von SCHENNA, die ihm 1388 die Schlösser „Hocheppan“ und „Vorst“ in die Ehe brachte. Im Jahre 1421 erbte er von seiner Mutter, der Erbtochter und Letzten der Familie TSCHENGLS, die Schlösser „Tschenglsberg“ und „Tschenglsburg“ im Vintschgau. Da Christof kinderlos starb, erbte sein Neffe Heinrich (VI.), Sohn seines Bruders Johann (gestorben 1410), die Tschenglser Schlösser. Dieser Heinrich (VI.) war mit Anna von VILLANDERS vermählt, war Pfleger in Eschenloh (Ulten) um 1447 und Pflerger sowie Hauptmann von Taufers (1456); seit 1460 besaß er Tschengls. Die Linie Lichtenstein-Kaltern Baltasar (I.), Sohn des Wilhelm (V.) und der Barbara von THUN, Gatte der Dorothea von FUCHS, war 1426 bis 1468 Hauptmann in Pisein und Trient, erwarb im Jahre 1468 Schloss „Stein“ am Gallian (Castelpietra bei Calliano) und machte sich 1454 auf dem Schlosse „Leuchtenberg“ bei Kaltern ansäßig, wo er 1478 starb. Ihm folgte auf Schloss „Leuchtenberg“ sein Vetter Thomas (I.), Gatte der Barbara von KHUEN, der auch das Schloss „Hauzenheim“ (bei Kleinvoldersberg) besaß (1497). Baltasar (II.), seit 15.12.1567 Gatte der Regina von BOIMUNDT-PAIRSBERG (geboren 1550, gestorben 1582), Tochter des Jakob Chritof von BOIMUNDT, war Pfleger in Kaltern, wo er ein sehr strenges Regiment führte. In den Weihnachtstagen des Jahres 1574 revoltierten die Kalterer gegen Baltasar und drohten ihm mit dem Erschießen und, mit „ihm das Mahl einzunehmen“. Seine Gattin Regina mußte mit ihrem sieben Tage alten Söhnchen in einer Sänfte aus Kaltern fliehen. Baltasar (II.) war auch Hauptmann für das obere Etschviertel und starb am 4.2.1579 in Kaltern. Erasmus (I.), Sohn Thomas (I.), Gatte der Barbara von KÖNIGSBERG, wurde 1554 Pfandherr in Kurtasch und besaß in Innsbruck das Haus Kriebachgasse 13 (1596). Wolfgang (II.), Bruder des Erasmus (I.), Gatte der Katharina von FUCHS, war Pfleger in Kaltern, wo er am 16.2.1511 starb. Sein Sohn Bartolomäus (VII.), Gatte der Katharina von SPAUR (gestorben 1565), ehelichte, nach deren Tode, die Margarete von MONTANI. Christof-Jakob von LICHTENSTEIN, geboren 1.1.1573 in Kaltern, Sohn des Baltasar (I.) ehelichte die Ursula von WALTENHOFEN, Tochter des Georg von WALTENHOFEN, zog jung nach Burgund (1589) wurde 1608 Pfleger von Thaur, 1611 Hauptmann von drei Fähnlein mit 300 Knechten, 1615-1623 Oberst-Zeugmeister und Feld-Hauptmann, befehligte als solcher die Innsbrucker Stadtmiliz und zog mit ihr am 20.8.1622 gegen die Bündtner in die Schweiz. Christof galt als Trinker, Gewalttäter, Spieler und Schuldenmacher. Seinen Bruder, Wolfgang (III.), Regimentsrat des Erzherzogs Maximilian III., bedrohte er wiederholt tätlich, weshalb ihn der Erzherzog in den Kräuterturm (Gefängnis) in Innsbruck sperren ließ, ihn aber, über Fürbitte des Bruder, bald wieder frei ließ. Wolfgang (III.) war mit Johanna-Sybilla von LIDL-MAYENBURG (Lydl), Tochter des Jakob-Philipp von LIDL, vermählt, nahm sein Amt als Regimentsrat nicht sehr strenge, denn er wurde 1604 zwar als „verständig und geschickt“ bezeichnet, aber „zur Weinlesezeit ist er stets drei Monate lang abwesend“. Im Jahre 1609 besaß er in Innsbruck die Häuser Maria-Theresien-Straße 34 und 38. Die Linie Lichtenstein-Schenna Christof (I.) LICHTENSTEIN, Sohn Heinrichs (V.), war mit Barbara von SCHENNA, Tochter Petermanns (II.) von SCHENNA, Witwe des Friedrich (IV.) von GREIFENSTEIN (gefallen am 9.7.1386 bei Sempach), vermählt. Nach dem Tode der Barbara von SCHENNA kam „Schenna“ an den Neffen der kinderlosen Barbara, nämlich an Wilhelm (V.) von LICHTENSTEIN, Gatten der Barbara von THUN. Ihm folgte im Besitze des Schlosses „Schenna“ Baltasar (I.), gestorben 1478, und sodann am 24.8.1496 dessen Sohn Paul von LICHTENSTEIN aus der Linie LICHTENSTEIN -CASTELCORNO, der das Schloss kunstvoll aufbauen ließ und auch eine Beschreibung des Schlosses hinterließ (1500). Christof-Philipp, gestorben 1547, Sohn des Paul, erbte das Schloss, ihm folgte auf „Schenna“ sein ältester Sohn Philipp Graf von LICHTENSTEIN, gestorben 1563 in Schenna. Dieser war mit Johanna von ÖTTINGEN (gestorben 14.3.1577 in St. Jakob bei Öttingen), Tochter des Grafen Ludwig von ÖTTINGEN und der Salome Gräfin HOHENZOLLERN, vermählt; Johanna von LICHTENSTEIN machte der Innsbrucker Regierung durch ihre Propaganda für die protestantische Religion große Schwierigkeiten, mußte schließlich auswandern und zog in ihre Heimat zurück. Da Philipp auf dem Schlosse „Schenna“, wo er zeitlebens wohnte, kinderlos starb, erbte „Schenna“ der jüngste Sohn Christof-Philipps, Wilhelm-Philipp, Gatte der Kunigunde von PLINNINGEN. Ihm folgte im Besitze von „Schenna“ sein Sohn Hans-Jakob, Gatte I.) seit 2.5.1574 (Schloss „Freundstein“ bei Eppan) der Lukretia von FUCHS, 2.) der Barbara von WOLKENSTEIN. Hans Jakob kam mit seinen Untertanen in „Schenna“ häufig in Konflikte, da er sie zu harten Robott-Diensten zwang und sie „erkaufte Schelmbauern“ nannte. Philipp-Rudolf (I.), Sohn des Hans-Jakob, Gemahl der Klara von VINTLER, besaß 1620 die Burg „Hadersberg“ bei Salurn, 1627 das Haus Innsbruck, Maria Theresienstrasse 35, 1629 die Pfandherrschaft Schlanders und seit 4.12.1617 das Mannslehen Karneid. Ihm folgte auf „Schenna“ Maximilian (II.), Gatte der Zäzilie Radegunde von BEMMELBERG. Franz-Karl von LICHTENSTEIN, geboren 14.11.1648 in Schenna, Sohn des Max (II.), vermählte sich mit Katharina-Karoline-Maria-Florentina Freifrau von PAWLOWSKY und starb um 1725. Schloss „Schenna“ erbte sein Sohn Thomas-Josef, der auf Schenna wohnte und dort 1746 starb. Ihm folgte sein Vetter Franz-Anton, der als Letzter im Jahre 1762 starb, worauf „Schenna“ in fremde Hände (Grafen BETTONI) gelangte. Die Linie Lichtenstein-Castelcorno Paul von LICHTENSTEIN, Sohn des Balthasar (I.), gestorben 1478, geboren um 1460, war zur Zeit des Todes seines Vaters noch minderjährig, weshalb die Vormundschaft über ihn sein Oheim Ulrich (dieser ein Urenkel, Paul ein Ururenkel Heinrich V.) übernahm. Ulrich war, wie bereits bei der Linie LICHTENSTEIN-KARNEID erwähnt, Fürstbischof von Trient; Paul von LICHTENSTEIN, der schmucke Jüngling, mit den feinen, höfischen Sitten, ein typischer „Ritter ohne Furcht und Tadel“, der gewandte Gesellschafter, erregte durch seine kühnen Waffentaten in den schweizerischen und bayerischen Kriegen bald die Aufmerksamkeit des Kaisers Maximilian I., der ihn zum Ritter schlug. Paul war wohl der Bedeutenste der Ritter LICHTENSTEIN. Wie ein tirolischer Bayard wurde er vom Kaiser Max I., dessen besonderer Liebling er war, mit Auszeichnungen überhäuft. Er wurde sein Geheimer Rat, Statthalter (1493) und am 6.8.1501 „Marschall des stehenden Regiments“ in Innsbruck. Im Jahre 1482 wurde er Pfandherr von Sarnthein und Reineck (Sarntal), am 18.3.1497 Herr von Schenna, im Jahre 1497 Herr des Gerichtes und der Burg „Wangen-Bellermont“ (Wangen); im Jahre 1498 erlangte er das Recht, im Noce-Flusse nach Gold zu suchen, wurde 1496 Pfleger von Thaur, mit dem Rechte des Blutbannes; am 28.9.1499 wurde er, nach dem Tode des letzten Herren von CASTELCORN (Kastelkorn) (bei Rovereto), Matthias von CASTELBARCO (erschlagen in Basel am 22.7.1499) Herr von Castelcorno und aller Castelbarc’ischen Güter. An dem für Maximilian I. unglücklichen Kriege im Engadin 1499 nahm Paul von LICHTENSTEIN als Feldherr teil. Er war sehr kriegsbegeistert und erklärte vor der Innsbrucker Regierung, dass über Krieg und Frieden nur die Landschaft, nicht „feige Doktores“ zu entscheiden hätten. Er mußte eine Streitmacht von 4.000 Mann aufstellen zur Wiedereroberung der von den Bündtnern in der Schlacht in der Calva am 23.5.1499 eroberten Malser Schanzen. Im Jahre 1500 erlangte Paul die Schlösser „Segonzano“ (Cembratal) und „Festenstein“ (Perdonig), am 17.11.1505 wird er „Ritter des Goldenen Vließes“, am 28.6.1506 in den Freiherrenstand erhoben, am 1.11.1505 fiel im das Schloss und das Gericht Rattenberg zu, in dessen Nachbarschaft (Falkenstein) er vier Silbergruben besaß. Als Gegenleistung für diese verliehene Machtfülle lieh Paul dem Kaiser 30.000 Gulden, eine für die damalige Zeit unerhört hohe Summe. Am 11.6.1508 schloss Paul in Riva mit den Venezianern einen dreijährigen Waffenstillstand. Im Jahre 1511 berief Paul den großen offenen Tiroler Landtag nach Innsbruck, auf dem am 23.6.1511 das geschichtlich berühmt gewordene „Landlibell“ beschlossen wurde. Dieses Libell gab bekanntlich den Tiroler Ständen das Recht der Zustimmung zu Angriffskriegen, mit der Beschränkung, nur bis an die Landesgrenzen im Felde dienen zu müssen, d. h. Ausschluss eines gegen das Ausland gerichteten Initiativkriegs. Im Jahre 1512 wurde Paul von LICHTENSTEIN Hof-Zeugmeister in Innsbruck, wo er das Haus Herzog-Friedrich-Strasse Nr. 35 besaß, im Jahre 1513 starb er in Augsburg; im gleichen Jahre und in der gleichen Stadt auch seine Ehegattin, Barbara von SCHROFFENSTEIN. Beide wurden in der Lichtensteinschen Familiengruft in Bozen begraben. Christof-Philipp, geboren um 1495, Sohn des Paul, vermählte sich in Elsass mit Margarete von RAPPOLTSTEIN (gestorben 1566), Tochter des Wilhelm von RAPPOLTSTEIN. Er war Herr des neuen Schlosses „Lichtenstein“ in Pfatten bei Leifers, kaiserlicher Hofmeister und oberster Hauptmann im Elsaß, sowie, nach seinem Vater, Hauptmann in Rattenberg. Er reiste stets mit sieben Pferden, war ungemein prachtliebend und stattete sein Gefolge prunkvoll aus. Im Jahre 1523 wurde er landesfürstlicher Rat, am 16.8.1523 wurde ihm auch das Wappen der erloschenen Herren von SCHENNA, deren Schloss er auch besaß, am 21.8.1530 wurde er in den Grafenstand erhoben, am 30.4.1540 und am 8.9.1540 den Titel „Wohlgeboren“, damals eine Hohe Auszeichnung, am 16.10.1544 das Erbhofmeisteramt im Elsass, am 1.1.1544 wurde er Statthalter der oberösterreichischen Lande in Innsbruck, wo er seit 1527 das Haus Herzog Friedrich-Straße 3 besaß, im Jahre 1547 wurde er „Ritter des goldenen Vließes“, im gleichen Jahre starb er in Chiemsee und wurde in der Stiftskirche zu Wilten begraben. Georg-Philpp von LICHTENSTEIN, Sohn des Christof-Philipp, verehelichte sich mit Margarete Gräfin von HELFENSTEIN (gestorben 1561 in Wilten) und war, wie seine Schwägerin Johann, dem Protestantismus zugetan; er starb 1561 in Rattenberg. Konstantin Graf LICHTENSTEIN, Sohn des Georg-Philipp, erbte von seinen Vorfahren die Wildheit und Unbotmäßigkeit. Er focht in mehreren Kriegen und vermählte sich, heimkehrend, in I. Ehe mit Virginia Gräfin von ARCO; er lebte zügellos und verschwenderisch auf seinem Schlosse „Castelcorno“ und hielt einge Verbindung mit den verschwägerten Grafen ARCO, die als Führer von Banditen-Banden in ganz Südtirol ihr Unwesen trieben. Zu seinem Burghauptmann in Castelcorno hatte Konstantin einen Mörder gestellt, den Banditen gab er auf seinem Schlosse Unterschlupf. Er soll auch der Anstifter des Mordes an dem Grafen Wilhelm (VII.) von LICHTENSTEIN im Jahre 1586 gewesen sein. Wegen der „guten Verwandtschaft“ und seiner guten Kriegsdienste wurde er begnadigt, zog gegen die Türken, geriet in türkische Gefangenschaft, bemühte sich, acht Jahre lang, bei seinen Verwandten das geforderte Lösegeld aufzutreiben, aber vergeblich. Er beschloss sein Leben im Jahre 1614 als türkischer Kriegsgefangener. Seine Nachkommenschaft ist aus der erwähnten Stammtafel im Jahrbuch „ADLER“ (1911), im Anhange, zu ersehen. Der letzte LICHTENSTEIN, der den hochtrabenden Titel: „Franz-Anton, des heiligen Römischen Reichs Graf von LICHTENSTEIN, Freiherr von Castelcorno und Isera, Herr von Schenna, Karneid, Tschenglsburg, Krumpach, Runkelstein, Teltsch, Strabing, Studein, Königseck, Zelletaw, Neu-Meseritsch, Krassonitz und Borowna, Erbmarschall von Erlsaß, Ritter des Ordens vom Hl. Wenzelaus, Kämmerer des Goldenen Schlüssel und wirklicher Geheimer Staatsrat Sr. Majestät“ führte, war um 1680 als Sohn des Grafen Christof Philipp von LICHTENSTEIN geboren und mit Johanna Gräfin von THÜRHEIM, kinderlos verehelicht. Um den uralten Namen LICHTENSTEIN zu erhalten, adoptierte er den Gemahl (seit 3.6.1715, Wien) seiner Kusine Maria-Theresia Gräfin von LICHTENSTEIN, geboren um 1692, gestorben 15.41748 in Wien, Tochter des Franz-Karl Grafen LICHTENSTEIN, nämlich Franz-Valerian Grafen PODSTATZKY, Freiherrn von RUSSINOWITZ, Geheimer Rat, geboren 1678 in Mähren, gestorben 7.9.1741 in Wien. Alois (Franz Ernst) Graf PODSTATZKY- LICHTENSTEIN, Sohn des Franz Valerian, geboren 18.7.1723 in Wien, gestorben 4.12.1793 in Mähren, seit 23.10.1743 (Salzburg) Gatte der Südtirolerin, Josea Gräfin von ARCO, Gesandter am kurbayerischen Hofe, erlangte am 6.2.1762 vom Kaiser die Erlaubnis, den Namen und das Wappen der erloschen Grafen LICHTENSTEIN -CASTELCORNO mit dem eigenen zu vereinigen und sich fortab „PODSTATZKY-LICHTENSTEIN“ zu nennen. Graf Alois wurde so der Begründer der heute noch blühenden Grafen PODSTATZKY-LICHTENSTEIN. Graf Franz-Valerian von PODSTATZKY war ein Sohn des Grafen Franz von PODSTATZKY und der Südtirolerin Maria Magdalena von LINDEGG zu LIZZANA von MOLLENBURG, so dass die PODSTATZKY-LICHTENSTEIN Tiroler Blut in ihren Adern haben. Von Mitgliedern der Familie, die im öffentlichen Leben, als hohe Geistliche oder Staatsbeamte, eine Rolle spielten, seien hier noch erwähnt: Die Domherren von Brixen: Karl (V.), Viktor (I.), Konstantin (II.), die Landeshauptleute Wilhelm (1532) von Tirol und Chirstof-Paul von Brünn (gestorben 1645), die Bischöfe Johann-Christof von Chiemsee (gestorben 1643), Karl (II.) von Olmütz (geboren 1624, gestorben 1693), und Jakob-Ernst von Salzburg (geboren 1690, gestorben 12.6.1747), die Pröpste Franz-Romed von Kremsier (gestorben 1746) und Max-Adam von Brünn (gestorben 1710) und der Domkapitular von Salzburg Max-Rudolf Graf LICHTENSTEIN (geboren 1687, gestorben 1746). NICHT den tirolischen Herren von LICHTENSTEIN gehören an: der bekannte Minnesänger Ulrich von LIeCHTENSTEIN, geboren um 1200, gestorben 26.1.1276 in Murau, Steiermark, Erbkämmerer von Steiermark, der bei einem Turnier auf der Mahr bei Brixen im Jahre 1225 eine schwere Verletzung erhielt. Schon neigt sich das Kampfspiel dem Ende zu, da forderte ihn Herr Udolschach aus Bozen auf, mit ihm zu Ehren seiner Frau „eine Lanze zu stechen“. Ulrich nahm das Angebot mit Freuden an, doch Udolschach „stach ihm einen Finger aus der Hand“. Da der Brixner Arzt den Finger nicht heilen konnte, und die Wunde nach fünf Tagen schwarz wurde, ritt Ulrich von LICHTENSTEIN trotz der wunden Hand eilends nach Bozen zu einem berühmten Arzt, der ihm „die Genesung brachte“. An diesen „Hastiludium“ oder „Torniamentum“ in Brixen sollen etwa 100 Edle und Ritter aus Tirol teilgenommen haben. - Georg I. Fürstbischof von Trient (1390), entstammte ebenfalls dem Hause der (Fürsten) von LIeCHTENSTEIN. QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf – „MERAN - Burggrafen und Burgherren, Wien 1949, Seite 152 – 162.
|