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Der Adel im Leben Tirols
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Monday, 12 March 2007
Article Index
Der Adel im Leben Tirols
Grundherr u. Bauer
Adelsbesitz Gestern u. Heute
Adelsherrn als Kulturträger
Adel u. Kunst
Adelige im priesterlichen Beruf
Soziales Wirken des Adels
Adelige als Dienstherrn
Großgrundbesitzer als Volksvertreter
Waffendienst fürs Vaterland
Schlusswort

9. Großgrundbesitzer als Volksvertreter

Das unschätzbare Gut der Seßhaftigkeit auf eigenem Grund und Boden regt unwillkürlich dazu an, sich auch mit dem Gestalten der Zukunft zu beschäftigen und eine selbständige, kräftige Entwicklung des Bauerntums zu fördern. Daher fühlte sich der finanziell unabhängige Adelsherr zum Führer und Anwalt des Volkes berufen.

Wieder komme ich auf die Worte des Wilhelm Heinrich RIEHL in seinem Buche über die bürgerliche Gesellschaft zurück (S. 132): "DIE DURCH FESTEN BESITZ GEWÄHRLEISTETE UNABHÄNGIGE STELLUNG BEFÄHIGT ERST RECHT ZUM SOZIALEN BERUFE DER ARISTOKRATIE... (S. 141 ff.) Auf dem einträchtigen Beraten und Vollziehen der Edelleute mit den seßhaften Bürgern und Bauern beruhte die Macht ständischer Volksvertretung... SO WAR DER ARISTOKRATIE DIE ROLLE ZUGEWIESEN, DIE IHR ZU ALLEN ZEITEN AM BESTEN ANGESTANDEN HAT, DIE ROLLE DER VERMITTLUNG UND VERSÖHNUNG IM STÄNDISCHEN LEBEN".

Ein Beispiel der ausgleichenden, Gegensätze überbrückenden Haltung der Adelsherm gibt eine berühmt gewordene Landtagsrede des Veit Benno von BRANDIS (Landeshauptmann von 1647-1651), um eine Spaltung beizulegen [1]:

Liebe Landsleute! Beseht euch den tirolischen Adler mit seinem grünen Ehren kränzl, wie er es so gerad um sein Haupt hält! Wenn nun vom Adler der eine Flügel hinauf und der andere herab schlägt - was soll denn mit dem Kränzl werden? SORGT DOCH, DASS UNSER ADLER WIEDER DEN GLEICHEN FLÜGELSCHLAG HAT!

Siebenmal bekleideten Mitglieder der Familie Brandis die Landeshauptmannswürde; sie waren geschätzt wegen ihres makellosen Charakters; sie genossen in der Bevölkerung alle Achtung, aber auch der jeweilige Landesfürst wußte, daß er sich auf sie verlassen konnte. Das Wort des Meinhard II. an einen aus jenem Geschlecht: "ICH WEISS BRANDIS, DU BIST MIR TREU" ist zu einem Leitwort geworden, das auch für die späteren Nachkommen geltend blieb.

Schon an anderer Stelle ist darauf hingewiesen worden, daß die zur Teilnahme am Tiroler Landtag berechtigten Adelsherrn freimütig auf die Rechte des Landes pochten. Wer seine Verläßlichkeit so oft bewährt hatte, fühlte sich berechtigt seine Meinung ehrlich auszusprechen. Ihrem Fürsten treu ergeben,verlangten die Tiroler auch von seiner Seite das Einhalten der beim Übernehmen des Landes beschworenen Pflichten. Denn Tirol hatte sich im Jahre 1363 freiwillig der habsburgischen Ländergruppe angeschlossen; es war keine eroberte Provinz! Im Sinne des Übergabevertrages mußte der jeweilige Landesfürst nach seinem Regierungsantritt beim Entgegennehmen der feierlichen Erbhuldigung das Einhalten der alten Landesrechte geloben. Der im Jahrhundert des Absolutismus überhandnehmenden zentralistischen Strömung waren jene Privilegien äußerst unbequem; Tirol mußte sich gegen das Beschneiden und Mißachten seiner Rechte immer wieder wehren. Es hatte im landschaftlichen Syndikus Dr. Johann Kaspar von EGGER-MARIENFRID einen energischen Vertreter; eine von Wien aus angeordnete, aber in Tirol nicht durchgeführte Amtsenthebung schüchterte ihn nicht ein. Im Jahre 1747 stellte er die "seit urvordenklichen Zeiten hergebrachten Landesfreiheiten" in 79 Punkten zusammen. Unter diesen war als dritter Punkt angegeben, DASS DAS LAND NUR DURCH EINHEIMISCHE REGIERT WERDEN SOLLTE UND DASS DAS RECHT DES LANDES NUR MIT SEINER ZUSTIMMUNG VERÄNDERT WERDEN DÜRFE [1a].

Alle diese noch so gut begründeten Hinweise konnten dem Strom der Zeit nicht Einhalt gebieten. Besonders unter Kaiser JOSEF II. (1780-1790) wurde zentralistisch regiert, sogar die Würde des Landeshauptmanns mit dem Amte des Gouverneurs (Statthalters) vereint und diese leitende Stelle mit einem Nichttiroler besetzt, der den Willen der Zentralbehörden rücksichtslos Tirol gegenüber vertrat. Als Kaiser Josef am 20. Februar 1790 gestorben war, herrschte im lande geradezu eine revolutionäre Stimmung. Josefs Bruder und Nachfolger Kaiser LEOPOLD II. (1790-1792) mußte sich beeilen, das Land zu beruhigen. Er berief zum 22. Juli 1790 den Offenen Landtag ein, er ernannte den im Land beliebten Geheimen Rat Franz Josef (I.) Grafen von ENZENBERG (1745-1819) zum Hofkommissär und Vorsitzenden des Landtags und betraute seine Schwester, die nicht minder beliebte Oberin des Innsbrucker Damenstiftes, Erzherzogin Elisabeth (1743-1808),an seiner Stelle die Erbhuldigung entgegenzunehmen. Der den Tirolern wohlgesinnte Herrscher hatte es dem Grafen zugesagt, die Tiroler sollten alles aussprechen, was sie auf dem Herzen hätten, und jene machten davon mit allem Freimut Gebrauch.

Wieder standen die Vertreter des Adels Seite an Seite mit den Vertretern des Bauernstandes. Ich bringe Proben aus der Rede des Grafen Franz LODRON als bezeichnende Äußerungen der im Lande geltenden Auffassung [2]. Ein Höfling würde nicht so sprechen! Nur einem, der selbstbewußt auf seine bewährte Treue pochen kann, stehen jene freimütigen Worte zu:

...Wir sind unseren Landesfürsten zu sehr ergeben, wir wissen gut, daß sie Menschen sind und hintergangen werden können, aber ihr Herz war uns niemals verschlossen... Hätten sich unsere Voreltern geträumt, daß ihre Grundverfassung einst nach einer ausländischen umgemodelt werden sollte? ... ES IST BLOS ZUFÄLLIG, DASS UNSER FÜRST AUCH NOCH ANDERE STAATEN BEHERRSCHT. Es ist zwar schmeichelhaft für die Tiroler, daß sie einen so großen Monarchen, einen Beherrscher so vieler Provinzen zu ihrem Regenten, zu ihrem Beschützer haben,allein sie wollen diese Ehre nicht so teuer, mit dem Verlust ihrer Fundamentalgesetze bezahlen...

Im selben Ton waren auch noch die zahlreichen anderen Eingaben der Landtagsteilnehmer gehalten. Eine Anzahl solcher Schriftstücke fand ich seinerzeit im Nachlaß meiner Großmutter, einer Geborenen von Ingram zu Liebenrain. Unter anderem befanden sich dabei Konzept und Reinschrift einer umfangreichen Eingabe, sodaß man annehmen kann, beides stamme von einem Mitglied jener Familie, am ehesten vom schon erwähnten Staatsbuchhalter Johann Andrä von INGRAM, gestorben 1824. In 21 Punkten sind die Beschwerden des ganzen Landes zusammengefaßt. Gerügt sind die finanzielle Belastung des Volkes durch neu eingeführte Taxen und Steuern, der erschwerte Behördenverkehr durch die geänderte Einteilung der Instanzen, die Aufhebung der Universität Innsbruck, das Auflassen von Grenzbefestigungen usw. Noch kräftiger waren die jenen Papieren ebenfalls in Abschrift beiliegenden "Beschwerden sämmtlicher Gerichter und Gemeinden des Viertels Oberinnthal" [3].

Daß jene offenherzige Aussprache zwischen den Vertretern des Volkes und des Fürsten ihr Ziel erreichte den Mißmut zu beruhigen und die Wünsche des Landes zum Großteil zu erfüllen, war ein Sieg bodenständiger Demokratie!

In der Schlußsitzung vom 11. September 1790 sprach der Anwalt von Passeier, Johann Veit NEURAUTTER im Namen des gesamten Bauernstandes dem Kaiser wie dem Hofkommissär herzlichen Dank [4]: "LEOPOLD II. WAR DER WIEDERHERSTELLER UNSERER FREIHEIT UND FRANZ GRAF VON ENZENBERG SEIN WERKZEUG!"

Leider kann ich, um nicht allzuviel Raum in Anspruch zu nehmen, nur Stichproben aus anderen Perioden der Landesgeschichte bringen, um darauf hinzuweisen,wie die Vertreter des adeligen Großgrundbesitzes ihre unbesoldeten Mandate zum Wohl des ganzen Volkes ausgeübt haben. Sie brauchten nicht um die Gunst Höherer und Niederer zu buhlen, um sich eine Existenz zu begründen; sie gingen geradlinig den Weg, den ihnen das Gewissen vorschrieb.

Es war ein Zeichen der Anerkennung jenes Verhaltens, daß auch die Landgemeinden und Städte gern Adelige zu ihren Vertretern wählten.

Die Geistlichkeit, ein Teil des Adels und der Großteil der Bauern trafen sich zur Zeit der konstitutionellen Monarchie, das war in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, in der Konservativen Volkspartei. Sie einte der Wahlspruch "Für Gott, Kaiser und Vaterland!"; ein Teil des Adels und hauptsächlich Bürgerliche gehörten der Liberalen Partei an. Beide Seiten verfügten über vorzügliche Köpfe.

Der von Alois LANNER herausgegebene "Tiroler Ehrenkranz" [5] würdigt einige der Abgeordneten aus dem adeligen Großgrundbesitz als aufrechte Führer des Volkes: (S. 23) Leopold Graf WOLKENSTEIN (1800-1882) , einer der sechs Landeshauptleute aus jenem berühmten Geschlecht, (S. 26) Anton Graf BRANDIS (1832-1907), wegen seiner Gewissenhaftigkeit und Sachlichkeit ebenfalls wie der Vorgenannte als Landeshauptmann geschätzt und um Tirol sehr verdient, (S. 32) Josef Freiherr von GIOVANELLI (1784-1845), gleich seinem Sohn Ignaz (1815-1899) ein tatkräftiger, furchtloser Vorsitzender der Konservativen. Er stand im Mittelpunkt der religiösen und politischen Erneuerungen des Katholizismus im Vormärz. Beide zogen sich dadurch manche Anfeindung zu. In Grund und Boden verlästerte sie "Tirols Nachtigall", der Dichter Hermann von GILM.

Auch die Liberalen stellten, wie gesagt, tüchtige Kräfte. Zu ihren temperamentvollsten Sprechern aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte der Adelsvertreter Johann Baptist Freiherr von INGRAM (1806-1870). Er war der letzte Sproß des freiherrlichen Zweiges und hauste als Junggeselle auf dem hochgelegenen Stammsitz seines Geschlechtes, dem Ingramhof in Layen. Er war einer der einfallreichsten Debattenredner und sorgte durch witzige Bemerkungen dafür, daß die Verhandlungen nicht langweilig wurden. Die Sitzungsberichte von 1867 merken zum Beispiel bei einer einzigen Rede siebenmal an, daß sie durch "Heiterkeit", "Bravo! Heiterkeit", "Allgemeine Heiterkeit" unterbrochen wurde [6].

Baron Ingram hatte im Wiener Reichstag des Jahres 1848 den Bozner Bezirk vertreten und bei der am B. August beginnenden Debatte über die Abschaffung der Grundlasten in "kühner, wortreicher Rede" das "Gerechtigkeitsprinzip der Entschädigung" verteidigt und beim Vergleich der Tiroler Verhältnisse mit denen in anderen Ländern verlangt, daß man nicht alles über den nämlichen Leisten schlagen dürfe. "Nur durch eine provinzielle Fixierung der Grundsätze lassen sich Ungerechtigkeiten vermeiden." Josef STREITER setzt hinzu [7]: "Baron Ingram begnügte sich nicht mit einem einzigen Vorschlag, sondern wußte im Bedarfsfall noch mehrfachen klügeren Rat, was ihm, da er diese Vielfältigkeit des Geistes öfters bewährte, den Ruf eines Krösus an Amendements (Verbesserungsvorschlägen) zuzog".

Johann Freiherr von Ingram scheint auch im Reichstag eine Rolle gleich dem Hecht im Karpfenteich gespielt zu haben. Sogar im Organ seiner politischen Gegner, den konservativen "Tiroler Stimmen", Nr. 74 vom 31. März 1865 lesen wir einen Wiener Bericht über eine Verfassungsdebatte vom 28. März jenes Jahres, in dem es heißt: "Heute redete im Hause Baron von Ingram sehr gut und entschieden. Er half den Herrn Ministern zu einer politischen Generalbeicht das Gewissen erforschen." Tags darauf veröffentlichten die "Tiroler Stimmen" den Text jener Rede. Auch hier ist ein dreimaliges Unterbrechen durch Beifall und Heiterkeit vermerkt. 

Ich hielt es für notwendig, auf jene vitale Persönlichkeit hinzuweisen, denn die Talente sind ungleich verteilt; es gab wie aus jedem anderen Stand auch Adelsvertreter, die sich im Landtag niemals bemerkbar machten. Die Allgemeinheit steht vielleicht noch unter dem  Eindruck eines in meiner Jugend zirkuliereden Witzworts; es dürfte von einer Seite verbreitet worden sein, die das Verbleiben des Adels im Landhaus als überflüssig und nicht mehr zeitgemäß hinstellen wollte: "Denk dir, dem Baron X ist etwas eingefallen!" "Dem ist was eingefallen? Der hat im Landtag noch niemals den Mund aufgemacht! Ich bin gespannt, um was es sich handelt!" - "Um die Gartenmauer bei seinem Schloß in M..

Was im einzelnen Fall vielleicht zutraf, darf freilich nicht verallgemeinert werden! Blättert man in den Landtagsprotokollen, wird man feststellen,wie zahlreiche Adelige unter den Sprechern und Antragstellern aufscheinen, und daß sie jedesmal eifrig beteiligt waren, wenn es sich um Fragen des öffentlichen Wohls gedreht hat. Sie waren zu sehr Individualisten, als daß sie eine starre Parteidisziplin eingehalten hätten; die Ansichten,wie man dem Gemeinwohl am besten dienen könnte, stimmten nicht jedesmal überein, doch die reine Absicht war unverkennbar.

Johann Nepomuk Baron DI PAULI charakterisiert im Buch über seinen Vater Anton [8] die Liberalen vom Schlage der Freiherrn Georg von EYRL, Johann von INGRAM, Anton von LONGO und Alphons von WIDMANN: "...Diese Herrn waren weit entfernt von der unpatriotischen Richtung des eigentlichen Liberalismus, sie waren auch weit entfernt von den Kulturkampfgelüsten der Gruppe um Dr. STREITER; der Liberalismus war bei ihnen eher ein traditionelles Vorurteil. Sie haben ihren Einfluß immer nur in objektivster Weise ausgeübt...". In einem liberalen Blatte seien sie daher gar nicht zu Unrecht als "der abgehackte rechte Flügel der Linken" bezeichnet worden.

Die Haltung des freisinnigen Landtagsabgeordneten Carl von RICCABONA (gestorben 1871) paßt überhaupt in kein Schema hinein. Er vertrat die Bezirke Lavalese, Fassa, Primör als nationalbewußter Italiener. Im Landtag nannte man ihn wegen seiner Vorbehalte in Militärangelegenheiten einen "Irredentisten" [9]. Dabei war er eine feste Stütze der Konstitutionellen Partei und das Haupt der österreichisch gesinnten Welschtiroler, jener treuen "Austriacanti", die sich den Lockungen der italienischen "Connazionali" standhaft widersetzten [10]! Aber daß einer zugleich liberal, national und österreichischer Patriot sein konnte, war allzuschwer zu begreifen; es führte zu Mißverständnissen und Verdächtigungen.

Carl von Riccabona mußte sich in der Landtagssitzung vom 5. Dezember 1866 [11] gegen persönliche Angriffe wehren. Er tat es mit mannhaften Worten, die eines unabhängigen Edelmanns würdig sind: "...WENN MAN DEN MUT HAT, KANN MAN AUCH UNTER SCHWIERIGEN UMSTÄNDEN LOYAL SEIN OHNE SERVIL ZU SEIN. Ich rühme mich dessen als Bürger und erwählter Volksvertreter. Ich werde mich in meiner Haltung nicht beirren lassen...!"

Das war auch der Grundton der freimütigen Aussprache im Landtag von 1790: WIR TIROLER SIND KAISERTREU, ABER WIR SIND KEINE WILLENLOSEN KNECHTE!

Später gehörte zu den berühmtesten Vertretern Tirols im österreichischen Reichstag und Herrenhaus der liberale Meraner Rechtsanwalt Karl von GRABMAYR aus Bozen (1848-1923). Er war ein geistreicher, glänzender Redner, der alle aufhorchen ließ, wenn er zu sprechen begann und mit unbeirrbarer Grundsatztreue seine Ansichten vertrat [12].

Wir bewundern den hohen Stand der Landtagsdebatten des vorigen Jahrhunderts. Das gilt von den Reden sowohl bürgerlicher wie adeliger Vertreter; eine geistige Elite maß ihre Kräfte! Abgeordnete wie Dr. Albert JÄGER [12a], Dr. Anton RAUTENKRANZ, Dr. Tobias WILDAUER und Ignaz Baron GIOVANELLI konnten aus dem Stegreif geradezu wissenschaftliche Vorträge über Verfassungsfragen, z.B. in der Sitzung vom 1. März 1867 über das Wesen des Absolutismus [13] halten. Jene Volksvertreter waren scharfkantige, bestens beschlagene Männer.

Der Landtag bestand seit dem Februarpatent von 1861 aus 68 Mitgliedern: 7 aus dem Stand der Prälaten und Bischöfe, 1 als Rektor der Universität, 10 aus dem adeligen Großgrundbesitz, 13 Vertreter der Städte und Märkte, 3 der Handelskammern, 34 der Landgemeinden [14]. Der adelige Großgrundbesitz bildete in jenem Ständeparlament eine eigene Fraktion. Seine Vertreter mußten in der Landeshauptstadt gewählt werden. Wahlberechtigt war jeder Adelige, der von seinem Grundbesitz jährlich mindestens 50 Gulden Steuer zahlte.

Um das Jahr 1866 waren in Nordtirol nur 16, in Süd- und Welschtirol 183 Stimmberechtigte vorhanden. Der Abgeordnete Hugo Ritter von GOLDEGG hatte daher in der Landtagssitzung vom B. Februar 1866 den Antrag gestellt, es seien die Wahlen künftig in Bozen durchzuführen, um der Mehrheit der Adelswähler die damals - noch ohne Eisenbahn! - so mühevolle und teuere Reise nach Innsbruck zu ersparen. Der inzwischen vom Landesausschuß beratene Antrag kam in der Sitzung vom 24. November jenes Jahres zur Aussprache [15]. Daran beteiligte sich auch der später als Parlamentarier berühmte Religionsprofessor, Abgeordneter Josef GREUTER (1817-1888) [16]. Er pflegte immer frisch von der Leber weg zu sprechen; manchesmal brachte er seine eigenen Gesinnungsgenossen in Verlegenheit, wenn ihm die Zunge durchging. Diesesmal meinte er trotz aller Freundschaft mit den Vertretern des Adels:

Mir scheint, daß man die Unbequemlichkeit, welche der adelige Großgrundbesitz bei der Ausübung des Wahlrechtes hat, ein wenig übertreibt! Wir hatten neulich eine Wahl in Imst, und da mußten die Leute von der untersten Grenze gegen Bayern bis zur Grenze von Meran zusammenkommen, und kein einziger von diesen 85 Wählern hat sich beklagt über die Weite des Weges... Zweitens müssen Sie bedenken, daß die Adeligen ein großes Recht haben, das sehr zu erwägen ist, da alle Städte und Landgemeinden von der Ehrenberger Klause bis zu den Höhen der Töll gerade soviele Abgeordnete wählen dürfen wie der adelige Großgrundbesitz...

Bemerkenswert ist die einsichtsvolle Antwort des Freiherrn Ignaz von GIOVANELLI:

ICH STIMME VOLLSTÄNDIG DEM HERRN ABGEORDNETEN GREUTER BEI IN DER ANSCHAUUNG, DASS ES DER ADELIGEN KORPORATION UNWÜRDIG SEI DARÜBER ZU MARKTEN, OB MIT DER AUSÜBUNG DES POLITISCHEN RECHTS EIN AUFWAND VON EINEM TAGE ZEIT ODER EINIGEN GULDEN GELD MEHR ODER WENIGER VERBUNDEN SEI. Wenn irgendjemand Wert darauf legt, daß ausnahmsweise in Tirol noch der Adel und der adelige Großgrundbesitz als eine Korporation von der Regierung anerkannt sind, wird er die kleine Unbequemlichkeit nicht scheuen; er wird sich bewußt sein, daß der Sitz jeder politischen Korporation nur dort sein kann, wo die Regierung ihren Sitz hat. Das ist der wahre und wesentliche Grund, weshalb nur in der Landeshauptstadt die Wahl vorgenommen werden kann. Alle Auskunftsmittel sind kleinlich, wie die ganze Diskussion in dieser Sache!

Der Antrag auf Verlegung des Wahlortes wurde abgelehnt.

In der Sitzung vom 20. Februar 1867 [17] gab es eine Auseinandersetzung nach einer Bemerkung des Abgeordneten Dr. Eduard von GREBMER über die ungleiche regionale Verteilung der Ständevertreter. Abgeordneter Paul Freiherr von GIOVANELLI gab zu, daß die Vertreter des adeligen Großgrundbesitzes zum Großteil nur "einem kleinen Distrikte des Landes" angehörten (Kaltern war nämlich die Hochburg der führenden Adelsschicht), doch in einzelnen Bezirken sei die Zahl der für eine Wahl in Betracht kommenden Persönlichkeiten allzusehr beschränkt.

Der genannte Paul Freiherr von Giovanelli (1827-1880) gehörte dem Landtag nicht als Vertreter des adeligen Großgrundbesitzes an, sondern als Abgeordneter der Gemeinden Meran, Glums, Kaltern, Tramin. Er war ein grundgescheiter Mensch, dabei gleich vielen anderen seiner Standesgenossen von einem so schlichten, volkstümlichen Auftreten, daß ein Bauer ihm sagte: "DIR SOLLTE MAN ES AUF DEN BUCKEL SCHREIBEN, DASS DU EIN BARON BIST!"

In der weiteren Debatte sagte dann der Ritter von GOLDEGG: "Aus dem Oberinntal weiß ich nur einen einzigen Wahlberechtigten [18], der seinen Wohnsitz noch dazu in Innsbruck hat!"

GREUTER: "Wir als Oberinntaler bedauern diesen Umstand gar nicht!" (Allgemeine Heiterkeit).

Ablenkend erinnerte ein anderer Volksvertreter (Josef DIETL) daran, daß auch die Bozner Handelskammer einen überwiegenden Einfluß habe, doch komme ihr ersprießliches Wirken einem weit über ihren Sitz hinausreichenden Kreise zugute. Schließlich konnte der Berichterstatter Dr. Franz RAPP im Schlußwort sagen, daß "im Oberinntal keine Vertretung gerechtfertigt sei, weil dort nichts zu vertreten ist", worauf sich das Hohe Haus wichtigeren Problemen zuwandte.

Auch nach der Landesordnung und Landtagswahlordnung aus dem Jahre 1869 [19] blieb die Zahl der Abgeordneten unverändert. Der § 3 des ersten Hauptstücks bestimmt: "Der Landtag besteht aus achtundsechzig Mitgliedern, nämlich: a) dem Fürsterzbischof von Salzburg, b) den Fürstbischöfen von Trient und Brixen, c) dem Rector magnificus der Universität in Innsbruck, dann d) aus vierundsechzig gewählten Abgeordneten usw.", darunter zehn Abgeordneten des adeligen großen Grundbesitzes.

Aber die Zahl der wahlberechtigten adeligen Grundbesitzer erhöhte sich. Die Grundsteuern waren gestiegen, die Bedingungen der Wahlberechtigung jedoch unverändert geblieben, sodaß jetzt auch mittlere Gutsbesitzer hinzukamen. Im zweiten Hauptstück der Landtagswahlordnung heißt es nämlich:

§ 9 .

...Die Abgeordneten der Wählerklasse des adeligen großen Grundbesitzes sind durch direkte Wahl der großjährigen, dem österreichischen Staatsverbande angehörigen Besitzer jener Güter, deren Jahresschuldigkeit an landesfürstlichen Realsteuern (mit Ausnahme des Kriegszuschlags) wenigstens fünfzig Gulden beträgt, zu wählen.

§ 10.

Unter mehreren Mitbesitzern eines zur Wahl berechtigten Gutes kann nur derjenige aus ihnen wählen, welchen sie hiezu ermächtigen.

Der Besitz zweier oder mehrerer Güter, deren Jahresschuldigkeit an landesfürstlichen Realsteuern (mit Ausnahme des Kriegszuschlags) zusammengenommen wenigstens fünfzig Gulden beträgt, berechtigt ebenfalls zur Wahl.

Diese Mindessteuer war gewiß nicht sehr hoch. In einem Gebirgsland wie Tirol war nutzbarer Grund viel zu knapp und zu teuer, als daß sich jene gewaltigen Grundkomplexe hätten bilden können, die man sonst als "Großgrundbesitz" bezeichnet. Man mußte einen anderen Maßstab anlegen als z.B. in Böhmen. Dafür spotteten die Inhaber der riesigen böhmischen Herrschaftsgüter: "IN TIROL BRAUCHT ES NICHT VIEL, UM GROSSGRUNDBESITZER ZU WERDEN. ES GENÜGT SCHON, WENN EINER EIN ZIGARRENKISTL MIT EIN PAAR BUSCHEN SCHNITTLAUCH AUF SEINEN BALKON STELLT!"

Das Eindringen neuer Berechtigter in die Adelskurie als Folge der Steuererhöhungen bereitete einem Teil des älteren Wählerkreises wenig Freude, besonders, weil zu erwarten war, daß sich das Stimmenverhältnis verschieben werde. Einem in meinem Besitz befindlichen Brief des Landtagsabgeordneten Dr. Paul Freiherrn von BIEGELEBEN (1849-1933) an einen konservativen Parteifreund entnehme ich solche Besorgnisse. Er schreibt am 16.4.1883:

...Puncto Adelswahl habe ich lange nichts mehr gehört. Nach Publication der Adelswahl-Liste, die wahrscheinlich als Folge der erhöhten Steuern einen bedeutenden Zuwachs an "Großgrundbesitzern" ausweist, muß man sich nur wundern wie die Compromiß-Idee auf liberaler Seite Anklang finden konnte. Der Zuwachs an Stimmen fällt nämlich fast ausschließlich den Liberalen zu und wir würden beim Wahlkampfe um etwa 40 Stimmen unterliegen. Jeder, der eine Villa in Meran besitzt, scheint jetzt schon wahlberechtigt in der Adelscurie zu sein. Die Landesangehörigkeit ist natürlich ganz gleichgültig - so finde ich einen Ungarn als tirolischen Wahlberechtigten in der Liste!

Zwischen Liberalen und Konservativen gab es oft scharfe Redeschlachten gleich Säbelduellen; es blieb jedoch bei sachlich geführten Auseinandersetzungen. Schlimmer wurde es erst, als die Konservativen von Gegnern bekämpft wurden, die ihnen weltanschaulich am nächsten standen.

Die Christfchsozialen strebten nach politischer Macht auf Kosten der bisherigen Volksvertreter. Der Streit zwischen den beiden katholischen Parteien vergiftete das politische Leben Tirols in den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg.

In Kämten hatten sich beide Parteien durch das rasche Nachgeben der Konservativen schon längst geeinigt. Ein mir vorliegendes undatiertes Flugblatt des "Katholischpolitischen Volksvereins für Kämten" aus der Mitte der Neunziger Jahre mit dem Titel "Was haben die Konservativen auf wirtschaftlichem Gebiete getan? " verteidigt deren volksfreundliche Politik, "sodaß sich die Christlichsozialen ihrer Erblasser nicht zu schämen brauchen". In Tirol aber tobte der Kampf, denn die Konservativen sahen keinen Grund, sich zu ergeben. In Wort und Schrift regnete es Angriffe gegen die spöttisch "Altkonservative" genannten Vertreter der bisherigen Regierungspartei [20]. Man warf ihnen rückschrittliche Anschauungen, allzugroße Unterordnung unter Kirche und Bischöfe, Herrschsucht, Faulheit, übertriebene Betonung der Landesrechte auf Kosten des Gesamtstaates, zu wenig nationales Gefühl und Abneigung gegen den Antisemitismus vor. "Wählt statt des Barons DI PAULI den Bürgermeister SCHRAFFL - und wir werden bald den Frieden haben!" so steht es auf S. 10 in einer anonymen Flugschrift: "Christlichsozial und Altconservativ", Bozen 1901, als deren Verfasser der spätere Monsignore Wendelin HAIDEGGER genannt wird. Ähnlich richtet sich auf S. 11 ein scharfer Hieb gegen die aristokratische Spitze.

Die Angegriffenen setzten sich mit der Gegenschrift: "Die conservative Partei nicht mehr zeitgemäß? Von einem Conservativen, aber keinem Alten!", Innsbruck 1901, zur Wehr. Verfasser war Sigmund von KRIPP (1862-1918).

Die Antwort war würdig und kraftvoll. Es war ein Bekenntnis der Treue zu Kirche und Staat, eine Absage an nationale Hetze und Rassenhaß, zugleich auch ein Hinweis auf geleistete fruchtbare Arbeit mit Bedachtnahme auf das Wohl der Bauern und kleinen Leute. Verwiesen ist u.a. auf die den konservativen Parlamentariern und Ministern Graf HOHENWART, Graf FALKENHAYN, Graf LEDEBUR und anderen zu verdankende Reform des bäuerlichen Erbrechts, die Errichtung von Bezirksgenossenschaften der Landwirte, die Einführung des Grundbuchs usw. "Was für Gesetze von ähnlicher Tragweite haben dagegen die Christlichsozialen ein- und auch durchgebracht? " Zurückweisung fand auch die demagogische Behauptung auf S.25 jener ersterwähnten Kampfschrift:

Wir haben noch nichts gehört davon, daß der altconservative Adel einmal Miene gemacht hätte die socialen Lehren des jetzigen Papstes durchzuführen. Die Güter unserer altconservativen Großgrundbesitzer wären so ein Feld, auf welchem dieselben ihre so oft beteuerte Ergebenheit gegen Kirche, Papst und Bischöfe praktisch erproben könnten!

Die Antwort lautet:

Du lieber Himmel! Als ob unsere Großgrundbesitzer englische Lords wären, die ihren Pächtern in Irland das Blut aussaugen! Wie viele Großgrundbesitzer gibt es, die auf ihrem bescheidenen Besitz anders wirtschaften als bessere Bauern? Ja, sie sind, weil sie und ihre Familie nicht mitarbeiten, bei den hohen Dienstbotenlöhnen oft übler daran als die Bauern. Und wenn einer seine Güter verpachtet, wo sind die Pächter, die wegen der Hartherzigkeit ihres Pachtherrn darben müssen? Wie und wo sich einer gegen die sozialen Lehren des Papstes vergeht und in was er sich bessern soll, das hat unser Freund anzugeben vergessen! Aber daran ist ihm offenbar wenig gelegen. Es gilt ja nur einen Gegensatz hineinzutragen zwischen dem Bauern und dem adeligen Gutsbesitzer und das schöne Verhältnis zu trüben, das vielfach zwischen beiden besteht... Letzterer hat vor dem Bauern meist nur die höhere Bildung voraus, vermöge welcher er seinem bäuerlichen Berufsgenossen, dessen Freuden und Leiden, dessen Bedürfnisse er kennt, vom größten Nutzen sein kann.

Noch wiederholt waren die Konservativen gezwungen,sich ihrer Haut zu wehren und auf ihre Verdienste um das Volkswohl hinzuweisen. Einen umfangreichen Rechenschaftsbericht bietet die 48 Seiten starke "Außerordentliche Vereinsgabe des Katholisch-politischen Volksvereins" zum katholisch-konservativen Parteitag in Sterzing am 28. April 1903 [21]. Auf sieben Seiten befaßt sich Pfarrer SCHROTT mit allen von der Partei in den Jahren 1879 bis 1903 im österreichischen Abgeordnetenhaus durchgebrachten Gesetzen betreffend Grundsteuerregulierung, Gewerbeordnung, Meliorationsfonds, Wildbachverbauung, Heimatrecht usw. Abgeordneter Dr. Carl PUSCH schildert auf vier Seiten die Tätigkeit seiner Partei im Landtag: das Landwehrgesetz, das Höferechtsgesetz, Grundbuchsgesetz, Zuchtstiergesetz, Reformen des Gemeinde- und Genossenschaftswesens, Verbesserungen der Landesverwaltung usf.; allerlei stolze Erfolge konnten genannt werden!

Trotzdem maßte sich die Partei schon im August 1904 neuerlich gegen Verunglimpfungen wehren mit einer in Bozen gedruckten Flugschrift: "Was haben die Konservativen für die Bauern getan? ". Dieser erwiderte im Oktober 1905 eine gegnerische Schmähschrift: "Was maß heute jeder Bauer wissen, oder wie weit die Verlogenheit der Bauernfeinde geht!". Die angegriffenen Konservativen verteidigten sich zwar scharf, doch in würdiger Form in einer 40 Seiten umfassenden Broschüre: "Das Lügenmagazin im Lichte der Wahrheit", Innsbruck 1906 [22]. Es heißt dort auf S. 1: "Die Wahrheit braucht kein Schimpfen und kein Schmähen. Die Wahrheit, ruhig gesagt, besitzt unwiderstehliche Kraft" (Wenn das nur stimmen würde!). Dann wird Punkt für Punkt der Anwürfe widerlegt. Unwahr sei es, daß die Konservativen jemals die Interessen der Bauern vernachlässigt haben, "sie haben immer getan, was sie unter den schwierigsten Verhältnissen tun und erreichen konnten, sie haben für das Land Tirol viel erreicht und viel herausgeschlagen...". Wenn alles, was bisher Achtung verdiente, in den Kot gezogen werde, sei es ein Verbrechen am katholischen Volk; es werde mit Gewalt den kirchenfeindlichen Parteien zugetrieben!

Ich maßte an jenen unseligen, beschämenden Bruderkrieg erinnern, um die Umstände zu beleuchten, unter denen der Adel aus seiner führenden Rolle hinausgedrängt wurde, denn der Niedergang der Konservativen Partei war zugleich der Sturz ihrer adeligen Führer.

Ich erlebte es zwar nach vielen Jahren, daß einige der christlichsozialen Wortführer von damals im Alter zu Gedankengängen heimfanden, die sie in ihrer Jugend bekämpft hatten. Doch das geschah zu spät! Würde man heute die Grundsätze der im Geist alter Ritterlichkeit geleiteten Konservativen Partei zergliedern, fände man Weitergeltendes, Zeitgemäßes; einiges, das man ihr seinerzeit zum Vorwurf machte, könnte man geradezu als ihren Ehrenschild betrachten: Freiheit von nationalen und rassischen Vorurteilen, Achtung vor Autorität, Eintreten für ein aus eigenständigen Gliedern gebildetes Vaterland - alles Vorbedingungen zum Lösen des großen Problems unserer Zeit, dem Aufbau eines geeinten Europas! Aber was gilt Vernunft im politischen Machtkampf? Was helfen Hinweise auf verdienstvoll Geleistetes? Mehr Zugkraft hat stets derjenige, der alles verspricht, was den Wählern genehm ist!

Von Wahl zu Wahl schrumpfte die Zahl der Getreuen zusammen. Denn auf Dankbarkeit ist in der Politik nicht zu rechnen! Man kennt das alte Sprichwort:

Des Landtags Inbegriff faßt sich in diesen Reim: 
Kommt und bewilligt Geld und schert euch wieder heim!

Als am Ende des Ersten Weltkrieges die monarchische Staatsform ohne Volksabstimmung durch Überrumpelung fiel, waren die grundsatztreuen Stützen der Konservativen Partei längst schon ausgeschaltet. Dazu kam die Besetzung Südtirols durch italienische Truppen. So waren die Stimmen derjenigen zum Schweigen gebracht, die sich nicht widerspruchslos in die neue Ordnung gefügt hätten.

Mit dem Sturz des Kaiserstaates im November 1918 fand auch die Vertretung des adeligen Großgrundbesitzers ihr Ende.

Als Südtirol dem italienischen Staate einverleibt war, stellten Südtiroler Edelleute im römischen Parlament als unerschrockene Vertreter ihrer Landsleute ihren Mann. In schicksalsschweren Zeiten bewährten sich Friedrich Graf von TOGGENBURG (1866-1956), dem die wertvolle Erfahrung als gewesener Statthalter von Tirol und österreichischer Innenminister zu Gebote stand, dann der kunstsinnige Rechtsanwalt Dr. Wilhelm von WALTHER zu Herbstenburg (1870-1958) aus Bozen, Dr. Paul Freiherr von STERNBACH aus Bruneck (1869-1946) bis die Gewaltherrschaft Mussolinis ihre Stimme erstickte. Baron Sternbachs mannhafte Haltung trug ihm Verbannung und manche Bedrängnis ein.



 
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