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Der Adel im Leben Tirols
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Monday, 12 March 2007
Article Index
Der Adel im Leben Tirols
Grundherr u. Bauer
Adelsbesitz Gestern u. Heute
Adelsherrn als Kulturträger
Adel u. Kunst
Adelige im priesterlichen Beruf
Soziales Wirken des Adels
Adelige als Dienstherrn
Großgrundbesitzer als Volksvertreter
Waffendienst fürs Vaterland
Schlusswort

11. Schlußwort

Es war versucht worden auf die Bedeutung des Adels in der Volksgemeinschaft hinzuweisen. "Volksgemeinschaft ist allerdings keine gleichgeschaltete Menschenmasse, sondern eine Einheit, gebildet durch das Zusammenwirken verschiedener, sich gegenseitig ergänzender Stände!

Politisch gefärbte Geschichtsschreibung hat das Bild des adeligen Großgrundbesitzers, des "Krautjunkers", verzerrt und auch den Adel im allgemeinen verlästert.

Gewiß hat es zu allen Zeiten und überall gute und schlechte Wirtschafter, warmfühlende Freunde und Verächter des einfachen Volkes gegeben. Über Mißstände ist schon mehr als genug geschrieben worden - lassen wir auch die guten Seiten gelten!

Ich habe Beispiele adeliger Gesinnung, ritterlichen Verhaltens in den verschiedensten Verhältnissen, in Krieg und Frieden geschildert. Die Palette glänzt in bunten Farben; ich käme noch lang nicht zu Ende! Jene Geisteshaltung, auf die ich hingewiesen habe, war sicherlich nicht ohne Einfluß auf den idealistischen Zug, der aus Tirols Landesgeschichte immer wieder herausleuchtet!

Die patriarchalischen Lebensumstände der Großväterzeit sind zwar vorbei, der Adel selbst ist durch die nivellierende Welle der Zeitströmung um jeden Einfluß gekommen, immer aber wird man der Leute bedürfen, denen das Gemeinwohl wichtiger ist als eigener Gewinn!

Größe und Gesinnung ist nicht Eigenschaft einer bestimmten Kaste; häufiger wird man sie jedoch in Kreisen finden, die sich ihrer Überlieferung bewußt sind!

Wie hoch Menschen adeliger Prägung auch heute noch geschätzt sind, wurde u.a. ausgesprochen und bekräftigt, als am 9. Jänner 1971 in Brixen am Eisack ein Mann gestorben war, den "seine weltmännische Haltung, gediegene Geistesbildung und Verbundenheit mit der Heimat als Vetreter besten Tiroltums und als nimmermüden Verfechter der unvergänglichen Idee des Landes Tirol gekennzeichnet haben". Diese Worte galten dem dahingeschidenen Mitbegründer der Tiroler Volkspartei im Jahre 1945, dem am 28. August 1887 zu Brixen geborenen Dr. Otto von GUGGENBERG. "Durch seine altösterreichische Toleranz und Vornehmheit war er der richtige Mann, um bei schwierigen politischen Verhandlungen in Paris, Rom und Wien mit Fingerspitzengefühl und Takt die Ansprüche der Südtiroler auf ihr Lebensrecht geschickt und erfolgreich zur Geltung zu bringen." [1]

Auch in unserer republikanisch-demokratischen Zeit wird man stets Adelige unter unseren Auslandsvertretern finden, weil Sprachkenntnis, Umgangsformen, nicht zuletzt europäischer Geist gute Voraussetzungen für den Diplomatenberuf bilden. Ein allzufrüh verstorbener, von schweren Schicksalen gepeinigter Kämpfer gegen nationalsozialistische Gewaltherrschaft war Joserf Freiherr von FRANCKENSTEIN (1910-1963). In wichtiger Mission nach dem Mittleren Osten gesandt, verbrauchte er dort seine letzten Kräfte, um den Verlassenen und Bedrückten eine bessere Zukunft anzubahnen. In Heiligenkreuz, Gemeinde Hall in Tirol, aufgewachsen, hatte er in Amerika, zuletzt in Teheran für Völkerverständigung gewirkt. Von ihm sagt ein Nachruf: "Jede seiner Handlungen war Ausdruck der Überzeugung, daß unter allen Menschen ein weltweites Verstehen geschaffen werden müsse." Ein anderer rühmt an ihm: "Er ist es gewesen, der mir die Harmonie von Kunst und Gelehrsamkeit, von Leben und Kunst geoffenbart hat." [2]

Solcher Menschen wird man immer bedürfen! Adel der Gesinnung, verbunden mit innerer Stärke, wird niemals entbehrlich sein! Die im Adel gepflegte geistige Haltung darf nicht verloren gehn!

Früher wurde der Adel immer wieder durch eine Auslese aus dem Bauern- und Bürgertum verjüngt. Die dem Blute nach Edlen, die ihrem Herzen nach Edlen, müssen auch in kommender Zeit jene Kulturmission fortsetzen, die seinerzeit soviele Adelsherrn als Führer und Berater ihrer Mitbürger beseelt hat!

Auf keinen Fall darf behauptet werden, daß der Adel veraltete Gedanken verkörpert. Der Mensch geht zwar mit der Zeit, der andere stemmt sich dagegen, das ist allgemein menschlich. Doch zeigt auch der Adel seine ungebrochene Lebenskraft, wenn er zeitaufgeschlosse Männer und Frauen in die vordersten Reihen entsenden kann. Ich denke an die hochmoderene Studentenseelsorge des Jesuitenpaters Sigmund (Freiherr von) KRIPP, vor allem jedoch an die allseits anerkannte Leistung des Universitätsprofessors Dr. P. Emmerich (Grafen) CORETH SJ; als Rektor Magnificus stand er fest wie ein Fels in brandender Flut. Daß seine im Studienjahr 1969/70 bekleidete Funktion nicht nur mit den Stimmen des Lehrkörpers sondern auch mit denen der Studentenschaft auch für 1970/71 verlängert wurde, spricht für seine wissenschaftlichen und menschlichen Qualitäten!

Auf eines noch möchte ich hinweisen; wir lesen jetzt öfters Berichte über Vorträge gegen Kulturschäden und Umweltverschmutzung oder wir hören sie aus dem Mund des Innsbrucker Naturforschers und Universitätsprofessoren Hannes Freiherrn von AN DER LAN. Sein Vater war der Organisator des Standschützenaufgebotes im Ersten Weltkrieg, Gotthard Freiherr von An der Lan. Wir vernehmen zeitgemäße, freimütige Worte, würdig des Nachkommen eines im Boden verwurzelten Grundherrngeschlechtes. Aus alter Überlieferung liegen ihm Wohl und Wehe des ganzen Landes am Herzen!

Wenn einer aus dem Tiroler Adel als Wortführer auftritt gegen gefahrdrohende Zeiterscheinungen, entspricht es der Geisteshaltung einer Gemeinschaft von Edelleuten, denen das Erfüllen sozialer und kultureller Aufgaben nicht nur Ehrenpflicht, sondern auch Herzenssache ist.

Hans Hochenegg

ENTNOMMEN AUS:

HOCHENEGG, Hans - "Der Adel im Leben Tirols - Eine soziologische Studie", in Studien zur Rechts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte Bd. VIII, Innsbruck 1972.



 
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