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Laicharding zu Lüzlgnad
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Monday, 12 March 2007

Der Name LAICHARDING erscheint in Tirol im Laufe der Jahrzehnte in verschiedener Schreibweise: Laicharding, Leicharding, Laichharting, Lachartinger, Lachartinger, Lachardinger usw. Im Jahre 1797 zog ein Simon LEICHARDINGER als Unterjäger der Wiltener Sturmkompagnie nach Spinges, kämpft dort am 2.4.1797 wacker mit und brachte es zum Hauptmann und Sturmführer des Wiltener Hofgerichtes. Er schrieb unter dem Titel „Beschreibung des Landsturmes in Spinges“ einen wertvollen Kriegsbericht (Ferdiandeum, teilweise veröffentlicht in Dr F. LEUTNERS „Kriegspolitischen Denkwürdigkeiten 1797“, Seiten 63, 77, 78). Am 8.9.1800 zog er als Hauptmann der Wiltener Schützen in die Scharnitz und erhielt 1801 die kleine silberne Ehrenmedaille.

Von der Familie LAICHARDING interessiert uns hier jene Linie, die im Dorfe Tirol beheimatet und seit 1639 wappenfähig war. Im Jahre 1665 bekam Zacharias LAICHARDING, geboren in Meran, die Pfarre des Dorfes Tirol, von der damals noch Meran seelsorgisch verwaltet wurde. LAICHARDING war der erste Dorf-Tirol-Pfarrer der für immer seinen Sitz von Tirol nach Meran verlegte, das damit zur Hauptpfarre erhoben wurde. Er bekämpfte erfolgreich die Zauberei, das Wettermachen und dergleichen „Teufelswerk“, und hob den religiösen Sinn seiner Pfarrkinder. Ihm verdankt Meran den Aufschwung des kirchlichen Lebens und die „gänzliche Ausrottung des Luthertums“. Er war Kammerherr des Bischofs, Generalvikar des Vintschgau, Domherr von Chur und starb 1698 in Meran, wo er auch bestattet wurde. Im Jahre 1682 war er Mitglied des Komitees zur Erbauung der Jaufenstraße.

Seine Brüder Ehrenreich LAICHARDING, gewesener Dorfmeister von Untermais, später Pfleger in Greifenstein (Jenesien), Gatte I.) der Helene FRISCH, II.) der Susanne von GOLDRAINER, und Dr. jur. Laurenz LAICHARDING, oberösterreichischer Regierungsadvokat, erhieten am 18.9.1663 den Reichsadelsstand von Kaiser Leopold I.

Zacharias Anton von LAICHARDING war Unterhauptmann des Stammschlosses Tirol und erhielt über sein Ansuchen am 30.1.1742 die Erlaubnis, sich nach seinen Gütern die Prädikate „von EICHPERG und LÜZLGNAD“ beizulegen. Beim „Maiser Bauernrebell“ (17.5.1762) zog ihn die aufständischen Bauernburschen, von denen ihn ein gewisser Anton NEURATER bei der Rauferei verwundet hatte, gewaltsam vom Dorf Tirol nach Meran, wo er der plündernden Horde aber entlief.

Sein Sohn, Josef Andreas von LAICHARDING  wurde oberösterreichsicher  Gubernialrat und dadurch bekannt, dass er als Straßenbaudirektor Kaiser Josef II. unter dem Gouverneur Johann Gottfried HEISTLER (1774 bis 1787) den Plan zur Erbauung zweier Straßen, nämlich jener am Fuße des Stieglerberges (bei Piuswang) in den Jahren 1783 bis 1784 entwarf, der dann von Edmund HIRN, dem Urgroßvater des Historikers Josef HIRN, ausgeführt wurde, und der Straße von Wilten nach Matrei (1782). Heute noch nennt ein Denkmal am Beginn der Brennerstraße nach Schönberg seinen Namen in goldener Schrift. Josef Andreas erwarb am 12.7.1750 den Ansitz „Gugglberg“ (bei Natters) und war mit Maria Franziska von GOLDEGG zu LINDENBURG vermählt; er starb im Jahre 1796.

Johann Nepomuk von LAICHARDING wurde als Sohn des vorerwähnten Josef Andreas am 4.2.1754 in Innsbruck geboren. Den Verdiensten seines Vaters um den Bau neuer Straßen in Tirol hatte er es zu verdanken, dass er 1763 einen Freiplatz im Theresianum in Wien erhielt und dort 13 Jahre den Gymnasialstudien obliegen konnte. Da die Naturwissenschaft damals mit besondereren Eifer gepflegt wurde, faßte Johann bald besondere Vorliebe für dieses Fach und gab sich dem Studium der Naturlehre mit großem Eifer hin. Im Jahre 1770 in das Innsbrucker Vaterhaus berufen, trat er, dem Willen des Vaters gehorchend, beim Gubernium als Praktikant ein, betrieb aber nebenbei seine Lieblingsstudien weiter. Bald wurde er korresponierendes Mitglied der „königlichen Sozietät der Medizin“ in Paris und korresponidierte mit vielen Namhaften Gelehrten des Auslandes. Im Jahre 1787 wurde er Gubernialsekretär, am offenen Landtage des Jahres 1790 hielt er am 17. August eine große Rede, die in dem Antrage gipfelte, das gesamte Schulwesen unter die städtische Verwaltung zu stellen. Am 26.6.1792 ging endlich sein sehnlichster Wunsch, eine Lehrkanzel für Naturgeschichte an der Innsbrucker Universität zu erlangen, in Erfüllung; er wurde Professor für spezielle Naturgeschichte (Entomologie und Physik). Aber nur fünf Jahre lang bekleidete er dieses Lehramt, denn am 5.7.1797 starb der erst 43-jährige an einem epidemischen Fieber in Innsbruck. LAICHARDING schrieb mehrere Werke, so: „Beschreibung der Tiroler Insekten“ (Zürich, 1781 bis 1782), ein gründliches, auf reichen Erfahrungen beruhendes Werk, dann ein Drama „Die Insulaner oder das glückliche Ungewitter“ (Typ. Wagner, 1779, Ferdinandeum), die „Anleitung zur Verfertigung von Luftmaschinen aus Papier (Kempten, 1785), das „Manuale botanikum“ (Innsbruck, 1794, Wagner), „Vegetabilia Europaea“ (Innsbruck, 1790) und „Trostgründe für den Landmann bei Abschaffung des Wetterläutens“ (Innsbruck, Wagner 1784). Johann von LAICHARDING, der Freimaurer gewesen sein soll, richtete ein Naturalien-Kabinett an der Innsbrucker Universität ein, das aber sein Nachfolger, der großmaulige Prof. Josef August SCHULTES (1773 bis 1831) als einen „Skandal“ bezeichnete. Am 5.10.1784 ließ LAICHARDING einen mit dem Namen der Erzherzogin-Äbtissin Elisabeth gezierten 300 Kubikfuß fassenden Versuchs-Luftballon in Anwesenheit des Gouverneurs Grafen von HEISTLER in Innsbruck aufsteigen.

Johann Nepomuk von LAICHARDING war (seit 1787) mit Anna HERMANIN von REICHENFELDT vermählt und hinterließ einen Sohn Anton Josef, geboren 12.8.1788, der sich dem Forstdienste widmete und ein guter Pflanzenzeichner war, aber schon am 3.10.1814, starb.

Katharina von LAICHARDING  war mit dem Finanzdirektor Andreas Hofers, Johann Andreas INGRAM von LIEBENRAIN (1747 bis 1824), vermählt.

Josef Ehrenreich von LAICHARDING wurde als zweiter Sohn des Josef Andreas im Jahre 1761 in Innsbruck geboren. Er widmente sich ebenfalls dem Verwaltungsdienste, wurde Kreishauptmann und Grubernialrat. Bei dem Ausschusskongresse am 2.7.1798 in Innsbruck mußte Josef von LAICHARDING alle seine Beredsamkeit aufbieten, um die Tiroler Stände zur Bewilligung der vom Kaiser geforderten Kriegsanleihen zu bestimmen. Seine, von Patriotismus getragene Rede klang in die Worte aus: „Kein Oper des Gutes wird der Tiroler Nation je zu groß sein, welches diese, wo es die Religion, des Kaisers Rechte und das Heil des Vaterlandes gilt, nicht bereitwilligst bringen würde.“ Als am 1.5.1815 die politischen Behörden Tirols neu organisiert wurden, wurde LAICHARDING, obschon „halb taub“, neuerlich Gubernialrat beim Innsbrucker Gubernium. Er war mit Maria Katharina von ADAM zu EHRENPORT (geboren Innsbruck, 4.11.1773, gestorben Inzing, 23.8.1855), vermählt und bewohnte – nach Forschungen Hans HOCHENEGGs – den Ansitz „Silland“, den sein Vater 1779 gegenüber von Mühlau auf einem, nach Verbauung des Inn gewonnenen Boden erbaut hatte, aus dem später das Kink-Haus und jetzt das Mutterhaus der barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke wurde. Aber schon am 1.9.1816 starb er an Schleimschlag, 55 Jahre alt, in Innsbruck.

Sein Sohn Josef, geboren 1792, war Gerichtsadjunkt in Meran, wo er am 2.3.1816, 24 Jahre alt, starb. Mit diesen beiden Josef ist das Geschlecht der LAICHARDING im Mannesstamme erloschen.

Von weiteren Mitgliedern der Familie fanden wir:

Anna Maria von LAICHARDING, seit 1702 Gattin des Johann Kaspar von WEILANDT (gestorben 1710).

Dominik von LAICHARDING, O. Kap. Guardian 1773-1774, gestorben Dorf Tirol.

Franz von LAICHARDING, geboren 1726, gestorben 8.9.1771 in Troppau, Oberleutnant im Infanterie-Regimente „Fürst Colloredo-Waldsee“ (Nr. 20).

Maria von LAICHARDING, Gattin seit 1665 des Georg von MEITINGER (geboren 1640, gestorben 1687).

Philipp-Jakob von LAICHARDING war 1689 bis 1722 bischöflicher Vikar in Tschars.

Ursula von LAICHARDING, Gattin des Johann Gaudenz von KHAGER, geboren 1637.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 145-148.
 
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