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Kolb von Kolbenturm
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Monday, 12 March 2007

 

1. Unterinntaler Kolb

Der Name KOLB ist in Tirol stark verbreitet. Neben zahlreichen bürgerlichen Familien, namentlich im Wipptale, gab es auch Adelsgeschlechter dieses Namens mit dem Prädikate „von KOLBENTURM“, die alle stammverwandt sein dürften. Die Edlen von KOLB waren schon um 1200 im Inntale begütert. Auf einem waldigen Hügel in Volderwald (Gemeinde Tulfes) bei Hall stand ein Turm, der „Kolbenturm“, die alte Stammburg der Edlen von KOLB (Cholbo, Kolber).

Albert von KOLB kommt 1166 in Trient vor, dann machten sich die KOLB in Bozen und Vodlers ansässig. Von 1221 bis 1580 saßen sie „ob dem Gasteig“ zwischen Hall und Volders am rechten Ufer des Inn. Dort hatten sie die Pflicht, mit ihrem Ansitz für die Sicherheit der Feste „Friedberg“ zu sorgen und gaben dem „Turme bei Hall“ den Namen „Kolbenturm“ (1380).

Wir fanden dort Sieghart (I.), 1221 bis 1249, dann dessen Söhne Ulrich (I.) 1286, Konrad (I.), dessen Söhne: Jakob (gestorben 21.9.1331) und Peter (1328), beide Domherren in Brixen, und schließlich Sieghart (II.), der Ritter und Ministeriale der Grafen von Tirol war (1275). Dessen erste Gattin hieß Margarete, dessen zweite Kunigunde; er starb 1299 und hat für die Kirche St. Georg große Stiftungen verfügt (St. Georgenberg).

Siehart (II.) besaß auch Güter in Mieders und hatte fünf Kinder: Heinrich, Ulrich, Gatte der Potentiana, Elsbeth, Gattin des Sieghart von ROTENBURG, Konrad, Gatte der Christine PERCHTINGER von HOHENBURG und Sieghart (IV.), Gatte der Adelheid PFETTNER.

In Innsbruck besaßen die Unterinntaler KOLB (Eberhard) um 1342 bis 1412 den „Kolbenturm“, Schlossergasse 3, später „Karlsburg“ benannt. In Hall finden wir die KOLB als Bürger, so Jakob 1326 bis 1331, Sieghart (IV.), Enkel Siegharts (II.), der um 1365 starb, dessen Gattin Margarete hieß und der im Jahre 1361 in der Tiroler Adelsmatrikel aufscheint. Ferner Konrad (1361), Heinrich (1361) und Ulrich, der noch 1380 als Besitzer des Kolbenturms erwähnt wird.

In Mieders unterzeichnen auf alten Urkunden Fritz von KOLB (1351), Jörg, Kunz (1398) und dessen Tochter, Diemut (1432 in Hopfgarten). Alle KOLB von KOLBENTURM führen das gleiche Wappen, nämlich einen Streit-Kolben, im Herzschilde. Ulrich (IV.) hatte eine Tochter, Barbara, die als letzte dieser Familie von KOLB im Jahre 1435 in Innsbruck starb.

2. Die Passeier Kolb von Kolbenturm

Ein Zweig der KOLB zog um 1387 nach Gasteig bei Sterzing, wo sie das Wirtsgewerbe ausübten, von dort überstiegen sie den Jaufen und kamen ins Passeiertal, wo sie den Schildhof „Saltaus“ vorübergehend besaßen.

Konrad von KOLB, gestorben 23.6.1428, hatte mit seiner Gattin Potentiana eine Tochter, Siguna, die sich mit Hans von PASSEIER zu JAUFENBURG vermählte (1376).

Adelheid von KOLB war mit Bertold (II.) von TSCHENGLS vermählt (1376). Später erwarben die KOLB den Schildhof „Happerg“, den sie nun „Kolber-Hof“ nannten (Kat.-Nr. 9).

Ferdinand von KOLB, Richter in Passeier, kaufte 1599 den Ansitz „Seissengegg“ in Meran.

Konrad KOLB ehelichte Margarete von LINGER zu SALTAUS, Schwester der Anna von LINGER von SALTAUS, verehelichte von SCHNEEBERG (gestorben 1529), sein Sohn Christof von KOLB (Kolber) war von 1561 bis 1593 Richter von Passeier in St. Leonhard und verfasste eine Beschreibung der Schildhöfe von Passeier, die leider aus dem Archiv des Stifte Marienberg entwendet wurde. Christof hatte aus zwei Ehen neun Kinder, die mit ihrer Deszendenz, in der Stammtafel Nr. 68 in Georg von GRABMAYRs „Stammtafeln alter Tiroler Familien“ aufgezeichnet sind. Um 1720 finden wir noch einen Johann von KOLBER als Richter in St. Leonhard, dann verschwindet diese Familie aus dem Passeiertale.

3. Die Innsbrucker Kolb von Kolbenturm

Die Innsbrucker Linie der KOLB besaß den Ansitz „Kolbenturm“ oberhalb von Vill ob der Sill, der heute verschwunden ist, so dass wir dreiverschiedene „Kolbenturm“ feststellen können: Den „Kolbenturm“ in Innsbruck, Schlossergasse 3, den „Kolbenturm“ bei Volderwald und den „Kolbenturm“ oberhalb von Vill. Nach dem Adels-Gesuche des Johann-Anton von KOLB (1751, im Adelsarchiv Wien) leitete dieser seine Abkunft von Klement KOLB, Richter, der am 29.11.1572 einen Wappenbrief erlangte, ab. Dann folgten in direkter Abstammung Gall (I.), Gall (II.) und Christof, der Viertelvertreter im Tiroler Landtage und Stadt-Urbar-Propst in Innsbruck war und am 26.6.1648 den Adelsstand erlangte.

Von dem Bruder des Christof von KOLB stammen dessen Söhne Franz KOLB, Sekretär des versperrten Frauenklosters in Innsbruck und Dominik, Tuchfabrikant in Linz an der Donau. Diese Brüder erlangten am 12.12.1698 den Adelsstand. Dominik KOLB von KOLBENTURM gründete die Linzer Linie der KOLB, die in dieser Stadt großen Hausbesitz hatte und zu bedeutenden Wohlstand im 18. Jahrhundert kam.

Christofs Sohn, Johann-Jakob von KOLB, geboren 26.11.1645, war 30 Jahre lang (1675-1705) Stadtschreiber in Innsbruck und spielte im Kriegsjahre 1703 insoferne eine Rolle, als er als Vertreter der Stadt Innsbruck in den Defensionsausschuss gewählt wurde und in dieser Eigenschaft an den großen Kriegsräten am 16.1.1703 in Bozen und am 23.9.1703 in Pettneau teilnahm.

Johann-Anton von KOLB, Sohn des Johann-Jakob wurde am 25.3.1752 in den Adelsstand erhoben für seine eigenen und die Verdienste seiner Voreltern um den Staat. Johann-Jakob war Pfleger in Sonnenburg, besaß in Innsbruck das Haus Innrain Nr. 27 und wurde am 15.9.1776 in die Landesmatrikel eingetragen. Er war ferner Viertel-Vertreter des Unterinntales, des Propsteigerichtes Axams und des Landesgerichtes Rattenberg; er liegt in Wilten begraben. Sein Bruder Leopold-Dietrich erhielt am 10.4.1726 eine Adelsbestätigung.

Dr. Anton-Josef von KOLB, geboren um 1757, Sohn des Johann-Anton, war seit 30.4.1798 Bürger von Innsbruck, Dikasterial-Advokat in Innsbruck, mit Maria Katharina SCHREIBER von SCHREIBERN zu SCHWANENHAUSEN (geboren 24.11.1724) vermählt und geriet in der Schlacht bei Springes (2.4.1797), unweit Mühlbach, in feindliche Gefangenschaft, aus der er aber schon am 10.4.1797 wieder befreit wurde.

Johann-Nepomuk Maria KOLB von KOLBENTURM, Sohn des Dr. Anton-Josef, geboren am 18.12.1757 in Wilten, war mit Ottilie ANREITER von ZIERNFELD (geboren 1765, gestorben 1826) vermählt und spielte im Jahre 1809 die Rolle des bösen Dämon Andreas Hofers, den er immer wieder, auch nach dem Waffenstillstand, zu neuem Widerstand anspornte. Seine Lebensbeschreiung enthält das Buch „Andreas Hofers alte Garde“, Innsbruck, 1932, Seite 298 ff. Aus Tirol entflohen, starb er in Pera bei Konstantinopel (Pfarre St. Anton) am 27.9.1813.

Sein Sohn, Johann Nepomuk, geboren 1793 in Brixen, war Staatsbeamter, vermählte sich mit Notburga von MONTAG (geboren 1791 in Imst, gestorben 1875 in Prag) und starb am 10.9.1880 in Prag. Aus dieser Ehe stammt ein Sohn, Anton von KOLB, Tochter des „tollen“ KOLB, wurde Haller Stiftsfräulein und ehelichte später den Joachim von MOR zu SUNEGG (geboren 1773, gestorben 1864); sie starb am 26.12.1833 in Kastelruth.

Josef KOLB von KOLBENTURM, geboren 28.11.1843 in Wiener-Neustadt, war Hausbesitzer und staatlicher Konservator in Linz, sehr vermögend, betätigte sich als hervorragender Numismatiker und Privatgelehrter, legte eine einzigartige Sammlung von römischen Münzen der Kaiser Tacitus und Florianus an, hinterließ eine für Tirol wichtige Studie über die Andreas Hofer Münzen (1809) und starb am 25.10.1886 in Urfahr bei Linz. Seine römische Münzsammlung wurde, nach seinem Tode, vom Kaiser Franz Josef für die Münzen-Sammlung der Familie Habsburg angekauft.

Aus der Familie KOLB von KOLBENTURM kennen wir noch:

Johann von KOLB, von 1776 bis 1792 Pfarrer von Leifers bei Bozen.

Josef-Thaddäus von KOLB, Pfalzgraf (1779).

Josef von KOLB, seit 8.9.1808 bayerischer Kronfiskal, in Bayern immatrikuliert seit 7.8.1813.

Josef-Franz von KOLB, Landrichter in Rattenberg, Gatten der Maria Elisabeth TRAUNER.
 
Johann von KOLB, geboren 1756, gestorben 23.5.1817, seit 1815 Appellationsrat in Innsbruck.

N. von KOLB-KOLBENTURM (in Kufstein) war mit Magdalena STERZINGER von SIGMUNDSRIED (geboren 1677) vermählt.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 141-144.
 
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