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Knillenberg von Mais
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Monday, 12 March 2007

Von den Schwesterstädten Bozen und Meran gilt Meran als „jüngere“ Schwester. Die Bozner Patrizier fühlen sich „älter“ als der Meraner Adel, der allerdings weniger in als um Meran saß. Und doch finden wir auch in Meran Adelsgeschlechter, die jenen von Bozen an Alter und Reichtum nicht viel nachstanden. Zu den begütertsten Familien des Etschlandes gehörten die KNILLENBERG. Sie hießen ursprünglich KNILLEN oder KNILLING.

Andreas KNILLEN, Stammvater der Tiroler KNILLENBERG, Sohn des Siegmund KNILLEN, Bürgers zu Mittewald in der Grafschaft Werdenfels (bei Garmisch, Oberbayern) in Bayern, diente im Jahre 1493 unter Maximilian I. als tapferer Krieger gegen die Türken und erhielt für sich, seinen Vater und seinen Bruder Kaspar Andreas (gestorben 1572), Gatte der Katharina von KATZELOHR, am 25.11.1506 ein Adelsdiplom mit Wappenbesserung und das Recht zur Führung des Namens „KNILLENBERG“.

Aus Ungarn zurückgekehrt, wurde Andreas Sekretär bei der Landeshauptmannschaft in Meran, um 1512 Hauptmann und Pfleger auf dem Schlosse „Eschenlohe“ in Ulten. Bei der großen Bauernempörung im Jahre 1525 wurde „Eschenlohe“ gestürmt.

„Knillenberg“ hatte im Jahre 1513 (im Erchtag nach Martini) den Jörg von Zekolfschen Ansitz in Obermais gekauft, erhielt vom Kaiser die Bewilligung, diesen Ansitz „Knillenberg“ zu nennen (18.10.1518) und zog sich nun ganz nach Obermais zurück. Im Jahre 1524 wurde er in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen; am 12.7.1526 wurde er in den Ritterstand erhoben. Er war zweimal vermählt, in erster Ehe (1505) mit Katharina von KÖSTLAN (gestorben 1532), in zweiter (1533) mit Lukretia von CASTNER zu SIGMUNDSLUST und KASTERSTEIN (gestorben 1552, Witwe des Dr. Paul URSIN).

Andreas von KNILLENBERG starb am 3.5.1540 in Obermais und wurde bei der Pfarrkirche zum Heiligen Vigil in Untermais begraben. Ein großer weißer Marmorgrabstein mit drei Wappen bezeichnet heute noch die Grabstätte des Andreas und seiner beiden Frauen.

Andreas von KNILLENBERG hinterließ drei Söhne:
1.) Christoforus (I.), Gatte der Helene URSIN, Tochter des Dr. med. Paul URSIN, Arztes in Brixen und der Lukretia von CASTNER (Christofours und Helene waren somit Stiefgeschwister verschiedener Elternpaare). Christoforus stand im Dienste des Landeshauptmannes an der Etsch, Leonhard von Völs wirkte am kaiserlichen Hofe, kämpfte gegen die Türken, wurde 1542 Obermauteinnehmer in Krain, 1547 Rat des Kaisers und Vizedom in Laibach. Als Delegat des Kaisers sollte er an einer Ständeversammlung in Görz teilnehmen, doch traf ihn im Schlosse zu Görz am 31.7.1558 ein Schlaganfall, dem er erlag. Seine Witwe verkaufte die Krainer Besitzungen und kehrte mit ihren Kindern nach Südtirol zurück.
2.) Oswald starb ledig in Wien.
3.) Heinrich, Gatte der Marie SCHIEDMANN von KLEBENSTEIN (Bozen), besaß 1567 den Ansitz „Lebenbrunn“ in Meran, diente am Hofe des Erzherzogs Ferdinand in Prag, beherrschte sechs Sprachen und ließ sich später auf dem Köstenbaum-Hofe in Untermais nieder; er starb um 1595.

Heinrichs Sohn, Johann Christof, Gatte der Maria Theresia KRAUSS von SALA, Tochter des Otto Moritz von KRAUSS, und Heinrichs Enkel, Heinrich, dienten als Offiziere im spanischen Heere König Philipps II. in den Niederlanden (1599).

Christioforus (I.) hatte acht Kinder:
1. Lukretia , Gattin a) des Leopold von WÄHRINGEN, b) des Baltasar von KOFFLER.
2. Friedrich, jüngster Sohn, reiste mit dem Kardinal Andreas nach Rom, kehrte 1577 nach Tirol zurück und vermählte sich auf dem ererbten Schlosse „Knillenberg“ mit Magdalena von SARNTHEIN; er starb kinderlos.
3. Maria und
4. Helene, blieben ledig.
5. Magdalena wurde die Gattin des Jakob FIEGER von KRONBURG.
6. Andreas fiel als junger kaiserlicher Soldat vor Sziget (an der Theiss, Ungarn).
7. Christoforus (II.) ehelichte Helene von WÄHRINGEN und
8. Philipp.

Philipp, ältester Sohn des Christoforus (I.), geboren 1540 gestorben 1593, vermählte sich 1568 mit Benedikta Susanna HEYRLING von WINKL und kaufte am 7.1.1572 von Albrecht von WANGA den Ansitz „Reichenbach“ in Obermais. Er war Pfleger von Greifenstein, Mölten und Burgstall sowie Beisitzer des adeligen Hofgerichtes in Bozen.
Er hinterließ sechs Kinder:
1. Helene, Tochter des Philipp, wurde die Gattin des Kaspar von GOLDEGG.
2. Hildebrand war der Gatte (3.2.1605) der Helene von TROYLO von TROYBURG, diente in Italien und reiste an den spanischen Hof (Valadolid); er starb 1609.
3. Marie und
4. August (geboren 1569, gestorben 1620) starben ledig in Meran.
5. Sein Bruder Sigismund, geboren 1570, starb als Offizier in den Niederlanden, 1643.
6. Nikolaus verkaufte im Jahre 1616 das Schloss „Knillenberg“ an Eckart von ROSENBERG und zog sich auf sein zweites Schloss „Reichenbach“ zurück. Er hatte in Dillingen, Innsbruck und Ingolstadt studiert und war seit 1616 mit Barbara ZÖTTL von GRIESZENSTEIN verehelicht. Nikolaus, der im Jahre 1587 geboren wurde, starb im Jahre 1664 auf Schloss „Reichenbach“. Seine Tochter Anna Maria, ehelichte um 1655 den Johann Christof PÖGL von THURNSTEIN.

Der Sohn des Nikolaus, Christoforus (III.), geboren Mais, wurde O. Zist.-Frater und starb am 16.3.1673.

Christoforus (II.), Gatte der Helene WÄHINGEN von SIGMUNDSRIED, wurde 1573 durch seine Gattin Pfleger des Schlosses „Sigmundsried“, Pfleger von „Laudegg“, 1592 erzherzoglicher Rat und verehelichte sich nach dem Tode seiner ersten Gattin mit Anna von DREYLING, Tochter des Kaspar von DREYLING.

Seine Söhne, Christof-Franz und Andreas folgten ihm in der Pflegschaft von „Laudegg“, starben aber ohne männliche Nachkommen (1608).

Hildebrand von KNILLENBERG, Sohn des Philipp, hatte einen Sohn Johann-Philipp, geboren um 1610, gestorben Ende 1639, der sich in Wien am 20.2.1639 mit Elisabeth Veronika von LOČY, Tochter des kroatischen Oberst LOČY vermählte.
Johann Philipp war Kämmerer des Kaisers Ferdinand II., Schatzmeister (Finanzminister) und Hofkriegsrats-Sekretär. Er begleitete den Erzherzog Leopold V. nach Prag, arbeitete dort in Kriegsangelegenheiten, starb aber dort plötzlich Ende des Jahres 1639. Er hatte nur eine nach seinem Tode geborene und am 10.4.1640 in Wien getaufte Tochter Anna Theresia, gestorben als Klarissin des Klosters der Himmelpförtnerinnen in Wien, I. Himmelpfortgasse (Nr. 7).

Im Jahre 1776 war Schloss „Knillenberg“ von den verarmten Herren von FLUGI (Adam Judas Thaddäus, gestorben 30.7.1776) wieder in den Besitz der Herren von KNILLENBERG zurückgekommen.
„Knillenberg“ ist ein großes zweistöckiges Herrschafthaus mit einer am 1.7.1779 geweihten, von Sebastian Venerand gestifteten hübschen Kapelle zu Maria Schnee, mit schönen Malerein und reichen Plastiken.

Thomas, Sohn des Nikolaus, geboren 1626, erwarb 1706 den Ansitz „Erlach“ in Obermais und trug im Juni 1703 die Fahne der Meraner Stadtmiliz in den Kampf gegen die Bayern. Er war seit 1662 mit Maria SÖLL von AICHBERG vermählt, baute im Jahre 1668 die 1612 zerstörte Wasserleitung (Neuwaal) wieder auf; er starb im Jahre 1706.

Er hinterließ drei Söhne Andreas, Philipp-Jakob und Christof-Ulrich. Von seinem Sohn Christof Ulrich stammt Sebastian Venerand von KNILLENBERG, geboren 1733, gestorben 26.11.1808 in Mais; er war seit 12.1.1726 mit Anna Walburga HANIFL (gestorben 5.6.1812) verehelicht.

Sebastian Anton von KNILLENBERG, geboren 21.10.1764 in Obermais, Sohn des Sebastian Venerand, ehelichte am 25.1.1791 die Maria Antonia von VINTLER. Sebastian Anton starb als letzter männlicher Spross der Familie am 15.7.1812 in Obermais, nachdem ihm eine Tochter und fünf Söhne in jugendlichen Alter im Tode vorangegangen waren.

Anna von KNILLENBERG, geboren 1768, Tochter des Sebastian Ferdinand, ehelichte  den Dr. med. Michael von GUGGENBERG (1764 bis 1808). Sie starb am 18.10.1840 in Meran. Sie muss eine mutige Frau gewesen sein, denn der Priester Josef DANEJ erzählt, dass sich Anna, deren Gatte mit Andreas HOFER gut bekannt war, im Auftrage des französischen Generals Johann Baptist RUSKA (Rusca), begleitet von ihrem Schwager, dem Landrichter von Schenna, Dr. Alois von GUGGENBERG, zu Hofer ins Passeier begeben habe, um ihn im Auftrage des Generals zu dessen Mittagstafel einzuladen. HOFER empfing Frau von GUGGENBERG sehr galant, erklärte ihr aber, er könne diese Einladung nicht annehmen, da er sonst von seinen Landsleuten als Verräter bezeichnet würde (14.11.1809).

Maria Anna von KNILLENBERG, Tochter des Sebastian Venerand, geboren Mais, 25.11.1796, vermählte sich am 7.4.1823 mit dem gräflich Brandis’schen Verwalter Peter von SÖLDER zu PRACKENSTEIN (1796 bis 1864), der hiedurch den großen Knillenbergschen Besitz erbte (1808). Anna von SÖLDEN starb am 3.8.1829 in Tisens.

Elisabeth von KNILLENBERG, Tochter des Sebastian Anton, geboren 3.4.1799, ehelichte den Grafen Trappschen Landrichter in Glurns, Alois PUTZ. Sie starb am 27.3.1862 in Meran. Ihr Sohn Franz PUTZ (1824 bis 1894) wurde Bürgermeister von Meran.

Petronella Johanna von KNILLENBERG, Tochter des Sebastian Venerand, geboren Obermais am 15.3.1778, ehelichte am 22.10.1799 den Nikolaus Thomas VERDROSZ, wodurch im Jahre 1812 das alte Stammhaus „Knillenberg“ an die Familie VERDROSZ kam; jedoch schon ihr Sohn Sebastian VERDROSZ verkaufte 1840 das Haus an die Familie GIOVANELLI.

Außer den Edelsitzen „Knillenberg“, „Reichenbach“ und „Erlach“ besaßen die KNILLENBERG noch das Haus Meran, Wasserlauben Nr. 165 und Meran Nr. 172 und den Ansitz „Lebenbrunn“ am Rennweg in Meran. Ihr Name und ihr Reichtum lebt heute noch im Gedächtnis der Etschländer.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 137-141.
 
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