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Brixen - Das Reichsfürstentum
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Friday, 15 August 2008
Article Index
Brixen - Das Reichsfürstentum
Das Wappen
Die Diplomatie
Die Erbämter
Der Hofstaat
Die Verwaltung
Die Hoflieferanten
Die Säkularisation
Der Hochstiftsadel

VII. Fürstbischöfliche Hof-Lieferanten

a) Verschiedene

Altangesehene erbgesessene Gewerbetreibende und Handwerker rechneten es sich zur Ehre an, den Titel eines fürstbischöflichen Hof-Lieferanten führen zu dürfen. Wir finden daher in fast allen Gewerben solche vom Hofe bevorzugte Personen.

Der Hof-Gastgeber war der jeweilige "Elefanten-Wirt". Er führte seinen Namen daher, weil am 2.1.1551 ein solches Rüsseltier von Venedig nach Augsburg als Geschenk des Sultan Soliman für Erzherzog Maximilian II. durch Brixen durchgeführt und in einem Stall des Elefanten-Wirtes untergebracht wurde; der damalige Wirt hieß Andreas POSCH. Am 3.5.1560 erhielt der Elefanten-Wirt Johann Kaspar HEYß den fürstbischöflichen Adelsstand. Im Jahre 1645 hat der Elefanten-Wirt Leonhard ESCHPÄNMÜLLER eine "Gedenktafel" an den Elefanten am Hause anbringen lassen. Der Elefant, in Tirol bis dahin noch nie gesehen, erregte in der ganzen Umgebung so großes Aufsehen, dass die Bewohner weit entlegener Täler herbeieilten, das Wundertier zu bestaunen. Am 29.3.1650 erlangte ESCHPÄNMÜLLER einen fürstbischöflichen Wappenbrief. Im Jahre 1651 finden wir den Christof KHLECKH, Bürgermeister von Brixen, Gatten der Katharina MAYR, verwitwete ATZWANGER, im Jahre 1725 den Bürgermeister von Brixen, Johann GASTEIGER, im Jahre 1766 den Johann Richard REINISCH als Elefanten-Wirt. Bei ihm stieg am 7.3.1769 der durchreisende Kaiser Josef II. ab. 1773 saß Anton SPERZGER auf dem Elefanten-Wirtshause, später die Familien MAYR und HEIß.

Als Hof-Bankier fungiert 1414 Nikolaus VON VINTLER, als
Hof-Glockengießer, Georg GRAßMAIR (1692) und sein Sohn
Josef (gest. 15.6.1765), als Hof-Weißgärber;
Max PÄRNHÄRSCHL (1641), als Hof-Goldschmied;
Hans KRÖCZ (1636), als Hof-Gärtner;
Paul SCHACHNER (1631), als Hof-Schmied;
Jakob SCHINAGL (1628), als Hof-Kupferschmied;
Michael GASSER (1621), als Hof-Uhrmacher;
Peter HOCHEGGER (1756), als Hof-Orgelbauer;
Andreas BUCZ (1621) und August SINNACHER (1756), der Großvater des Historikers Franz Anton SINNACHER, als Hof-Buchbinder;
Narziß SCHICHL (1605), als Hof-Tischler;
Johann HÖLLRIGL (1768) und Ferdinand SCHWABL (1757), als Hof-Maler;
Jeremias RUMPFER (gest. 23.12.1640), als Hof-Maurer;
Simon RIEDER (1745), als Hof-Zimmermeister;
Andreas Stippler (1745) als Hof-Gärtner Obburg (1800).
Alle Hof-Lieferanten wurden vom Fürstbischof mit Wappenbriefen ausgezeichnet.

b) Fürstbischöfliche Hof-Buchdrucker

In früherer Zeit ließ der Fürstbischof alle Druckarbeiten auswärts (Innsbruck, Augsburg, Dillingen, Mainz, München, Ingolstadt usw.) besorgen. Der erste ständige fürstbischöfliche Hof-Buchdrucker in Brixen war der Chorherr Donat FETZ (Faecius), geb. in Termenago, Bezirk Malé, gest. 7.2.1597 in Brixen. Da er kein einwandfreies Leben führte - er hatte einen Sohn Stefan und eine Tochter Maria Anna, Gattin des Ulrich EGERTER - konnte er sich am fürstbischöfliche Hofe nicht halten. Ihm folgte - nach Forschungen des Tiroler Literarhistorikers Dr. Anton Dörrer - im Jahre 1638 Hieronymus PAUR (Agricola, gest. 8.1.1665, Innsbruck), Sohn des Innsbrucker Hof-Buchdruckers Daniel PAUR, dann Martin KHAIN (1664), Peter TRAVELI (1666), Anton THANEYA (1669, gest. Brixen, 2.2.1671), Paul Nikolaus FÜHRER (1672), dessen Witwe Sabine FÜHRER die Druckerei nach dem Tode des Gatten weiterführte, sodann Josef SCHUECHEGGER (1697), Dr. Franz Joachim VON LOBENWEIN (geb. 1710, gest. 28.12.1766 in Algund), der von der Tochter des Josef SCHUECHEGGER, Barbara SCHUECHEGGER, die Druckerei kaufte, aber schon 1741 an Johann Baptist BRANDL, Gatten der Magdalena OBERHOFER, abgab. Maria BRANDL, Witwe des Johann Baptist BRANDL, ehelichte den Johann Kassian KRAPF, der nun 1748 fürstbischöflicher Hof-Buchdrucker wurde. Ihm folgte sein Vetter Thomas WEGER (1773), Gatte der Maria HOLDGRAF, der in seiner Druckerei sogar (1790) eine "Fürstbischöflich brixnerische Hof-Zeitung", eine Art Amtsblatt des Reichfürstentums, ab 1793 "Brixnerische Ordinari-Zeitung" benannt, druckte.

Auf Thomas WEGER folgte (1796-1828) dessen Sohn Josef WEGER, dann dessen Sohn Alois WEGER (1828-1880). Dessen Tochter Maria WEGER (geb. 21.4.1852. gest. 1.5.1909) vermählte sich mit Anton VON MÖRL (geb. 8.9.1841 in Brixen, dort gest. 12.9.1912), der die Hof-Druckerei führte, bis sie nach seinem Tode an Josef VON MÖRL (geb. 24.2.1887) gelangte.


 
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