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Hoffingott von Sperandio
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Monday, 12 March 2007

"Ich hoff in Gott!" war der Sinnspruch, den die gottselige Erzherzogin Magdalena von Österreich (geboren 14.8.1532 in Innsbruck, gestorben am 10.9.1590 in Hall), die Stifterin des Haller Damenstiftes, eigenhändig in ihr Gebetbüchlein schrieb. „HOFFINGOTT" ist auch der Name eines alten Tiroler Adelsgeschlechtes, das heute noch blüht und das eine für die Kunstgeschichte Innsbrucks bedeutsame Persönlichkeit als ihren Stammvater verehrt.

In Konrad Fischnalers „Chronik von Innsbruck" wird ein Baumeister Johann COLLET, ein Baumeister Johann SPERAINDIO und ein Baumeister Johann HOFFINGOTT erwähnt. Alle drei Namen gehören aber nur einem Manne, dessen Persönlichkeit bisher ziemlich dunkel war, nun aber durch einen im Wiener Adelsarchiv aufgefundenen Akt erhellt wird.

Johann SPERAINDIO schrieb eigenhändig seinen Namen auf seinem Adelsgesuche: „Gio Coleto Sper en Dia". Er ist vermutlich ein Enkel des berühmten Medailleurs und Bildhauers Nikolaus SPERAINDIO, der 1447 in Mantua geboren wurde und 1528 in Ferrara starb.

Nikolaus widmete sich ursprünglich der religiösen Malerei. Nach Beda Weber soll er „die himmlischen Gebilde geschaut und mit größter Treue wiedergegeben haben".

Nach dem Tode der Philippine WELSER (24.4.1580) fand Erzherzog Ferdinand II. in der Tochter seiner Schwester Eleonore, in der Prinzessin Anna Katharina von Mantua-Gonzaga-Montserrat (geboren am 17.1.1566 in Mantua) eine neue Lebensgefährtin, mit der er sich am 14.5.1582 in Innsbruck vermählte. Anläßlich einer späteren Reise der Erzherzogin nach Mantua nahm sie auf der Rückfahrt den ihr aus Mantua bekannten Maler und Architekten Johann COLETO SPERANDIO nach Innsbruck mit. Auf der Reise über die Südalpen soll COLETO seiner Herrin mit großer Körperkraft dadurch das Leben gerettet haben, daß er den Reisewagen der Herzogin durch Eingreifen in die Radspeichen von dem Sturz in den Abgrund aufhielt. Für diese Tat soll er später ein Wappen erhalten haben, das als Wappentier einen in ein Rad greifenden Löwen zeigt (Familientradition; das Wappen besteht heute noch).

Erzherzogin Anna Katharina war eine sehr fromme Dame, wurde vom Papst Gregor XIII. durch Verleihung der Goldenen Rose ausgezeichnet und führte während ihres Witwenstandes die Serviten und Servitinnen nach Innsbruck. Um diesen ein würdiges Heim zu schaffen, beauftragte sie den COLETO-SPERANDIO, mehrere Klöster und Kirchen in Innsbruck zu bauen. COLETO begann 1607 mit dem Bau des Regelhauses (Frauenkloster) und des Servitinnenklosters.

Vor dem Bau des Regelhaus-Klosters fertigte sowohl die Erzherzogin, als auch SPERANDIO, unabhängig voneinander, Abrisse des Bauwerkes an. Da die Abrisse sich vollkommen deckten, deutete man dies als einen Fingerzeig Gottes, den Abriß zur Wirklichkeit werden zu lassen; am 2.7.1607 wurde der Grundstein gelegt. Beim Bau soll sich wieder ein Wunder ereignet haben. HOFFINGOTT befand sich mit vierzehn Arbeitern auf dem Steinbruch, als beim Sprengen des Felsens ein großer Block auf die Arbeiter fiel. Ein Steinstück bedeckte den Arbeiter Thomas STADLHIBER derart, daß von ihm nichts mehr zu sehen war. Bei der Freimachung des Verunglückten, den man schon für tot glaubte, zeigte es sich, daß er gänzlich unverletzt war. Er erklärte, „gut geschlafen" zu haben (aus: „Erzherzogliche Tugend-Zierde der Anna Juliana von Gonzaga", von Josef Maria Barchi, Wien, 1711, Seite 152 f.).

Die beiden Klöster waren 1612 vollendet. Über beide Gebäude berichtet uns Hans Hörtnagl in seinem Werke „Ynnsprugg" und Dr. Franz Innerhofer im „Sammler" (Meran, 1908). Am 13.5.1844 wurden die beiden Klöster niedergerissen und an ihrer Stelle die heutige Klosterkaserne (daher ihr Name) erbaut. Anna Katharina trat selbst am 2.2.1612 unter dem Klosternamen „Anna Juliana" mit ihrer ledigen Tochter Marie (geboren am 16.6.1584, gestorben am 2.3.1649 in Innsbruck) in das Regelhaus ein und starb darin am 3.8.1621.

Mit dem Bau des am südlichen Ende der Innsbrucker Neustadt (Maria-TheresienStraße 42) gelegenen Servitenklosters und der Servitenkirche begann COLETO SPERANDIO 1614. Am 16.10.1614 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, Ende 1615 waren die Gebäude fertig und wurden am 31.1.1616 geweiht. Aber schon vier Jahre später, am 11.4.1620, wurden Kloster und Kirche ein Raub der Flammen.

COLETOs Kunst baute aber beide wieder, schöner als vordem, auf und am 1.6.1626 erfolgte die Weihe der aufgebauten Stätten. Ferner entwarf COLETO den Plan für das Kloster der Jesuiten in der Silbergasse (Universitätsstraße), baute die Anlagen auf Maria-Waldrast (für die Serviten, 1621 bis 1626) und das Sommerfrischhaus in Kühtai. Im Jahre 1629 suchte er um ein Stück Mahd im Innsbrucker Stadtsaggen an, um sein Dienstpferd mit Heu zu versehen.

Johann von COLETO SPERANDIO war um 1570 in Padua geboren und war seit 26.6.1607 mit Magdalena RIS (gestorben 19.4.1641 in Hötting) vermählt, die ihm am 3.10.1609 eine Tochter Katharina COLETO gebar, die im Jahre 1631 den Anton DUMPHIER (gestorben 1648), Gastwirt „Zum goldenen Hirsch" (Seilergasse 9), ehelichte.

Nach den eigenen Angaben Johann COLETOs soll seine Familie schon 1452 vom Kaiser Friedrich (1440 bis 1490) einen Wappenbrief erhalten haben, der aber in Kriegszeiten verloren ging. Ein Bernhard SPERANDIO und dessen Söhne Christoph, Bereiter des Erzherzogs Karl von Österreich, und Jakob erhielten am 28.1.1560 den Adelsstand. Unser Johann COLETO wurde für seine fünfzehnjährige Dienstleistung als Baumeister der Erzherzogin Witwe Anna Katharina (Erzherzog Ferdinand II. starb am 24.1.1595 in Innsbruck) nobilitiert. Im Adelsakt heißt es, daß Kaiser Matthias dem Johann COLET, erzherzoglich-österreichischer Baumeister in Innsbruck, am 6.1.1612 den Adelsstand verliehen habe. Kaiser Matthias war der Schwiegersohn, die gottselige Erzherzogin Magdalena die Schwägerin der Erzherzogin Anna Katharina, die für ihren Baumeister die Auszeichnung bei ihrem Schwiegersohn erwirkte.

Bald nach Antritt seiner Stelle in Innsbruck (er wurde dort 1626 auch Leiter des Hofbauamtes) verdeutschte Johann COLETO SPERANDIO seinen Namen in „HOFFINGOTT". Die Veranlassung hiezu bot ihm die Verfolgung der italienischen Adeligen in Innsbruck seitens der über die Hinrichtung des Kanzlers Dr. Wilhelm BIENNER (17.7.1651), erbitterten Deutschtiroler Bauern.

Sein Sohn Johann Baptist von HOFFINGOTT, geboren am 14.10.1614 in Innsbruck, Gatte der Sabine MORBEN, gestorben 1683 in Hötting, mit Hinterlassung von dreizehn Kindern, wurde ebenfalls Baumeister in Innsbruck und erbaute 1677 bis 1678 die Sieben-Kapellen- und Heilig-Grab-Kirche an der Sill. Das Gesuch des Vaters um die Erlaubnis zum Weinhandel wurde (1613) vom Rate der Stadt Innsbruck abgewiesen. Der Name „COLET" ist der italienische Kosename für Nicoletto (junger Nikolaus), somit muß SPERANDIO die Vornamen „Johann Nikolaus" geführt haben. Johann COLETO starb am 11.8.1629 in Hötting, infolge eines Sturzes beim Bau eines Jagdhauses in Kühtai.

Von seinen Nachkommen, das heißt von der Familie „HOFFINGOTT von SPERANDIO", wie sie sich jetzt nennt, finden wir einen Johann Franz von HOFFINGOTT (1642 bis 1690), der in Hötting ein Anwesen (später „Friedenberg" oder „Hoffingottschlößl" genannt) besaß, das seine Kinder am 3.7.1696 an den Innsbrucker Bürgermeister Claudius DELEVO verkauften.

Ferner hören wir von einem Franz Anton von HOFFINGOTT, geboren 1737, gestorben 1806, der Appellationsgerichtssekretär und Expeditamtsverwalter in Innsbruck und dort von 1794 bis 1806 Präfekt der Marianischen Kongregation war.

Der königlich bayerische Advokat, spätere Landesgerichtsadjunkt in Rattenberg, Johann (I.) Alois von HOFFINGOTT wurde am 25.3.1814 in die bayerische Adelsmatrik eingetragen. In der Matrik heißt es ausdrücklich „[....] , auf Grund des seinem Vorfahren Johann COLLET unter dem Namen ,Speraindio-Hoffingott' von Kaiser Matthias verliehenen Adelsstandes". Dieser Johann Alois kämpfte 1796 und 1797 als Hauptmann der 2. Rattenberger Schützenkompagnie, machte die Schlacht bei Spinges (2.4.1797) mit und erhielt die große Goldene landschaftliche Ehrenmedaille. Er war Adjunkt beim Landgericht Rattenberg.

Sein Sohn Johann (II.), geboren am 23.6.1804, gestorben am 30.3.1884, war Gerichtsadjunkt in Sterzing. Dessen beide Söhne zogen nach Südtirol; Johann (III.), geboren am 8.1.1851, gestorben am 6.10.1905 in Bozen, errichtete dort ein Speditionsgeschäft und hinterließ fünf Söhne und zwei Töchter.

Ein Sohn, 0tto, fiel in Rußland 1915, ein Sohn Johann (IV.), geboren 1884, starb am 2.2.1935 in Bozen. Der zweite Sohn des Johann (II.), Alois von HOFFINGOTT, geboren am 7.9.1849 in Nauders, war Bahnbeamter, kaiserlicher Rat, betrieb im Fersen-Tale ein Kupferbergwerk und war Laienrichter in Trient; er starb am 23.9.1924 in Sterzing. Von dessen Söhnen übernahm Armin (geboren 4.11.1876) das Speditionsgeschäft des Oheims und lebt in Bozen, wo er sich auch als erfolgreicher Dichter betätigt. Der zweite Sohn, Siegfried, geboren am 30.12.1879, lebt als Kaufmann in Sterzing, der dritte Sohn Ernst (geboren 1892), starb am 23.11.1947 in Innsbruck. Mit den Söhnen des Siegfried, Siegfried jun., und Hermann blüht das Geschlecht der HOFFINGOTT im Mannesstamme fort.

Auch drei Priester hat die Familie HOFFINGOTT aufzuweisen: Max, geboren 1747, gestorben am 25.2.1807 in Rattenberg, Augustiner-Pater in Seefeld, Alois von HOFFINGOTT, geboren am 11.11.1749 in Waidring, gestorben 15.11.1840, Chorherr des Stiftes Gries bei Bozen, und Anton, Benefiziat in Söll, Ellmau und Kufstein, dort gestorben 1881.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf v. - "NORDTIROL - Beiträge zur Familiengeschichte Tirols - Nordtiroler Bürger- und Edelgeschlechter", in Schlern-Schriften Bd. 131, Innsbruck 1954, Seite 69 - 72.
 
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