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Haussmann von Stein
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Monday, 12 March 2007

Haußmann von Stein und Lebenberg

Nach einer alten Aufschreibung des Haußmannischen Archives in Meran wanderte der Stammvater des Freiherren von HAUSMANN aus Deutschland nach Tirol ein, und ließ sich in Pirchach bei Salurn nieder. Dort finden wir im Jahre 1380 zwei Brüder, Ulrich und Mathäus HAUSMANN. Der Sohn des ersteren vermählte sich 1385 mit Katharina von ERDINGEN, einer Nichte des Bischofs Friedrich von Brixen, und zeugte mit ihr den Blasius HAUSMANN, welcher noch auf den erworbenen Gütern seines Hauses bei Salurn lebte. Aber sein Sohn Paul, der 1439 einen Wappenbrief erlangte, kaufte sich in Kortinig an und erwarb daselbst weitläufige Besitzungen. Seine Blüte fällt ins Jahr 1430. Er erreichte ein hohes Alter, und als er im Jahre 1496 starb, fand er in der Kirche zum Heiligen Martin zu Kortinig seine Ruhestätte.

Leonhard, sein Sohn, widmete sich in seiner Jugend den Studien, und wurde 1531 zum Verordneten des Etschlandes auf den tirolischen Landtag gewählt. Durch seine Gemahlin Margered PERINGER gewann er Grund und Boden im Dorfe Margreid. Erkaufte daselbst den adeligen Ansitz „Stetten“ (bei dem Schlosse „Reineck“ im Savetale), und nahm nach dem Aussterben des gleichnamigen Geschlechtes den Zunamen davon an.

Sein ältester Sohn Christof heiratete Christina von HELMSDORF, ihre Mitgift bestand in Gütern, welche den Grundstock der nachherigen Besitzungen der Herren von HAUSMANN in Lana bildeten. Er übersiedelte zuerst von Kortinig in den Ansitz „Stetten“ nach Margreid, und macht sich dergestalt um die Landesregierung verdient, dass sein Enkel Hanns Karl, Gatte der Kunigunde von GOLDEGG (gestorben 1600), gestorben 14.6.1585 in Margreid, Herr von Laudegg, in Anbetracht der Verdienste seines Großvaters am 20.11.1577 vom Kaiser Rudolf II. die Reichsadelswürde erhielt. Des letzteren Söhne, Christof Karl, Philipp Jakob und Johann Christian HAUSMANN wurden im Jahre 1605 in die Tirolische Adelsmatrikel eingetragen.

Das Geschlecht war damals schon in mehreren Zweigen auseinander gegangen, und zahlreichen männlichen Sprossen desselben nahmen an den Kriegen des 17. Jahrhunderts eifrig teil. Am meisten zeichnete sich Friedrich von HAUSMANN aus, des oben genannten Christof Karl erstgeborener Sohn. Er kämpfte den ganzen 30-jährigen Krieg mit, und erwarb sich in der Schlacht von Nördlingen (5.9.1634) durch seine Kühnheit großen Ruhm. Der Oberfeldherr Mattias GALASSO erteilte ihm den Rang eines Hauptmannes. Von demselben stieg er bald zum Obersten auf und focht unter dem Grafen Johann von ALTRINGEN und Wolf Rudolf von OSSA in Schwaben. Die Erstürmung von Kempten gegen die Schweden war größtenteils sein Werk, er verwaltete daselbst durch sechs Jahre das Amt eines Stadtkommandanten und behauptete den Ort unter beständigen Fehden mit Glück gegen die schwedischen Angriffe. Dafür erhielt er am 1.9.1639 von Kaiser Ferdinand III. ein neues Wappen und bedeutende Geldgeschenke. Nach seiner Heimkehr nach Tirol diente er unter den Erzherzogen Ferdinand Karl und Sigmund Franz als Kriegsoberst und Verteidigungsrat und leistete dem Lande, besonders 1647, beim Herannahen der Schweden die ersprießlichsten Dienste. Er brachte die Pfandschaft Stein unter Lebenberg an sich und vermählte sich mit Anna Elise Freiin von BRANDIS.
Seine Brüder Georg Hanns und Paul traten in den geistlichen Stand, und der letztere gelangte zur Würde eines Dechants in Bruneck.
Friedrich starb 1669 zu Meran, wo er sich seit der Erwerbung der Pfandschaft Stein niedergelassen hatte, und wurde in der Mariahülfkapelle in Lana begraben. Seine großen Verdienste um das Land bewogen den Kaiser Leopold, seinen Sohn Franz-Karl (I.) am 12.11.1675 in den Freiherrenstand zu erheben. Zugleich ging das Wappen der erloschenen Herren von Stetten in das ihrige über.

Dessen Nachkommen nannten sich von dieser Zeit an „Freiherren zu STETTEN und STEIN UNTER LEBENBERG, zu LANEGG (jetzt Frauenkloster) und GREIFENEGG (bei Prissian)“.

Der genannte Karl Franz, erster Freiherr von HAUSMANN, wurde im Jahre 1645 zu Rovereto im Schlosse der Stadt geboren, wo sein Vater, Friedrich von HAUSMANN, die Hauptmannsstelle bekleidete.
Die Stifterin Sybilla von FUGGER im Neugegründeten Kloster San Carlo zu Rovereto war seine Taufpatin, und die berühmte Johanna Maria Delle CROCE wohnte seiner Taufe bei. Er wurde der Stammvater der drei Linien, welche zu Meran, Bozen und Margreid blühen und starb 1693.
Von seinem Sohne Karl Felix stammt Joseph Emanuel von HAUSMANN in Meran, dessen Frau Karolina eine Freisassin von PLAWEN ist.

Von der Meraner Linie nennen wir den Pfarrer Josef Paul Freiherrn von HAUSMANN. Dieser geboren 1674, wurde am 4.10.1698 feirlich zum Stadtpfarrer von Meran investiert. Da er aber, 24 Jahre alt, erst Subdiakon war, mußte er die Priesterweihe nachholen (2.1.1700 in Lana) und übte am 6.1.1700 zum ersten Male seine kirchliche Funktion als Pfarrer aus. Mit großer Energie hielt er an dem Asylrecht der Pfarrkirche fest, das darin bestand, dass ein in die Kirche geflohener Verbrecher von den Häschern nicht gefangen werden durfte. Als sich im Jahre 1701 zwei Deserteuere in die Pfarrkirche flüchteten, ließ der Landes-Oberst-Wachtmeister Dominik Vigil von HOHENHAUSER durch den Mesner die Kirchen- und Sakristeitüren sperren und dann trotz HAUSMANNs Protest die Übeltäter festnehmen. HAUSMANN prophezeite ihm hiefür Gottes Strafe, die auch im Jahre 1703 eintrat. Am 27.6.1703 marschierte der Landsturm von Meran und Lana gegen den Jaufen, um die Bayern vom Anmarsch gegen Meran abzuhalten. Da die Bauern den HOHENHAUSER für einen Verräter hielten, bedrohten und misshandelten sie ihn. An der Spitze der Bauern und des Adels, der sich den Landesverteidigern angeschlossen hatte, ritt ein Bruder des Pfarrers HAUSMANN. HOHENHAUSER floh in den Friedhof, um an dieser geheiligten Stätte Zuflucht zu finden, aber die Bauern zerrten ihn heraus und, von mehreren Kugeln durchbohrt, starb er in den Armen des Pfarrers von HAUSMANN, desselben, mit dem er früher wegen des Asylrechtes gestritten hatte. Pfarrer HAUSMANN, der auch Domherr von Chur und bischöflicher Vikar war, starb im Jahre 1717 in Meran.

Im November 1735 zog Freiherr Josef HAUSMANN als Hauptmann einer Meraner Schützenkompanie ins Feld, am 29.4.1808 verkaufte die bayerische Regierung das von ihm annektierte Stammschloss Tirol an Sebastian Freiherrn von HAUSMANN, gestorben 14.8.1823 in Bozen, Sohn des Franz Josef, der es aber bald darauf einem Bauersmanne weiterverkaufte, von dem es die Stadt Meran und im Jahre 1816 der Kaiser erwarb.
Sebastian von HAUSMANN versuchte am 16.11.1809 den General Johann Baptist RUSCA von der Plünderung der Stadt Meran abzuhalten, doch jagte ihn der über die Niederlage am Küchelberge wütende General davon; erst dem Herrn Anton von MALANOTTI gelang die Besänftigung des Feldherrn. Am 3.12.1810 empfing Sebastian den nach Meran kommenden bayerischen Kronprinzen.

Von der Meraner Linie ist noch zu erwähnen, Karl Arbogast, Freiherr von HAUSMANN, der als Sohn des Josef Emanuel und der Karolina, geboren von und zu PLAWEN, am 13.7.1825 in Meran geboren wurde und mit Emma Gräfin von HOHENGART vermählt war. Er war Oberst der Landesschützen (Bataillon „Meran 2“) und regte die Anbringung einer Gedenktafel für Andreas HOFER an der Pfandlerhütte im Passeier an, die auch am 13.9.1880 enthüllt wurde. Karl Arbogast starb am 15.2.1895 in Meran. Von seinen Söhnen widmete sich Rudolf dem Militärdienste, Gaston dem Polizeiberufe, letzter als Landes-Regierungs-Rat.

Von der Bozener Linie der HAUSMANN starb Franz Karl (II.), (geboren 4.10.1741), Gatte der Maria Katharina von TROYER, Sohn des Karl Fortunat, in Margreid auf der Jagd. Sein Sohn Franz Karl (III.) war am 15.3.1777 in Margreid geboren, seit 1805 mit Eleonore von EGEN verehelicht und im Jahre 1809 Oberleutnant der Schützenkompanie Margreid. Er erkämpfte sich die goldene Ehrenmedaille und starb am 29.7.1829 in Klobenstein. Sein Sohn Franz Karl (IV.) wurde am 16.9.1810 in Bozen geboren, studierte Medizin, dann Jus, übernahm aber nach des Vaters Tode (1829) die Verwaltung der Güter. Bald fühlte er sich mächtig zum Studium der Botanik hingezogen und gab im Verlage Wagner in Innsbruck in den Jahren 1851 bis 1854 die berühmte „Flora von Tirol“, ein Standard-Werk auf diesem Gebiete, heraus (3 Bände). Die botanische Sammlung des Museums Ferdinandeum, dessen Ehrenmitglied er war, verdankt ihm ihre kostbarsten und ersten Bestände. Franz starb am 4.8.1878 in Bozen; er war zweimal verehelicht, in erster Ehe (1836) mit Therese von MAYRL (geboren am 17.10.1815 in Bozen, gestorben daselbst am 28.3.1856), in zweiter Ehe mit Emilie PLATTNER (geboren 2.7.1835). Beide Ehen blieben kinderlos. Im Jahre 1866 war er Gemeinderat von Bozen.

Die HAUSMANN besaßen Häuser in Bozen (Patrizierhaus mit Wappen), Salurn (Nr. 49, mit Wappen), in Meran (unter der Wasserlauben Nr. 141), das Ottmanngut beim Vinschgau-Tore zu Meran, den Toblhof an der Straße nach Vinschgau, berühmt wegen seiner süßen Rosmarinäpfel, drei Häuser in Meran am Rennweg, nämlich das ehemalige Klarissenkloster (bis 1782), dann Eigentum des Josef Emanuel von HAUSMANN, später dessen Töchter Elise und Marie von HAUSMANN (gestorben am 29.8.1911), wo auch der berühmte Maler R. F. WASMANN am 10.5.1886 starb und Schloss Annenberg (Schlanders, 1712).

Schon im Jahre 1605 wurden die HAUSMANN in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen.

Selma Baronin HAUSMANN (geboren am 8.12.1863 in Budweis), Tochter des Karl Arbogast, gab im Jahre 1888 bei Wagner in Innsbruck ein kleines Bändchen Gedichte heraus.

Elisabeth, Freifrau von HAUSMANN, geboren 13.9.1867, Schwester der Selma, starb als Ober-Dechantin des Theresianissen-Damenstiftes in Innsbruck am 29.1.1935.

Eine kleine Familiengeschichte der Freiherrn von HAUSMANN findet sich in Beda WEBERs „Meran und seine Umgebung“ (Innsbruck, 1845, Seiten 99 bis 101), eine Stammtafel über die älteren Generationen in Georg von GRABMAYRs „Stammtafeln alter Tiroler Familien“, Seite 45, und eine ausführliche Genealogie in den Freiherrlichen Gothaschen Taschenbüchern 1858 bis 1939. Ein Hans von HAUSMANN in Hall (gestorben 1409) war der Gatte jener Sabine von JÄGER (geboren 1388, gestorben 1424, Tochter des Martin von JÄGER), die von dem in sie unglücklich verliebten Tiroler Minnesänger Oswald von WOLKENSTEIN (1367-1445) in zahlreichen Liedern besungen wurde, und dem Sänger dadurch dankte, dass sie ihn in den Kerker werfen ließ.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 110-114.
 
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