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Grustner von Grußdorf
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Thursday, 08 March 2007

Zu den vielen altadeligen Geschlechtern, die in Eppan und im Burggrafenamte ihre Stammsitze hatten, zählten auch die GRUSTNER. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs ihr Grundbesitz in der dortigen Gegend bedeutend an und im 17. Jahrhundert nannten sie bereits eine Reihe von Schlössern und Edelsitzen ihr eigen, so „Grußdorf“ am Ostrand von St. Michael-Eppan, seit 1624 im Besitze der Familie, „Kolegg“, ein Edelsitz in Bozen (1750), „Rinsperg“ (St. Pauls-Eppan), eine der schönsten Besitzungen auf dem Rebengelände in Überetsch auf Pitzol im Mendelgebirge. Über den Toren und Balkonen des Hauses sowie im Innern finden wir heute noch überall das prunkvolle Grustnersche Wappen. „Reinsperg“ ist seit 1450 im Beistz der GRUSTNER und wurde 1628 und 1661 bedeutend ausgebaut und 1696 verkauft. Ferner gehörte ihnen vorübergehend der von ihnen erbaute Ansitz „Paschpach“ in St. Michael-Eppan.

Adam Georg GRUSTNER wurde 1436 mit einem Adels- und Wappenbrief begnadet, der Hauptmann Ludwig GRUSTNER am 9.3.1498 von Kaiser Maximilian I. in den rittermäßigen Adelsstand erhoben und ihm das Prädikat „von Grußdorf“ verliehen.

Die Brüder Georg und Stephan GRUSTNER zu Berg im Gerichte der Altenburg (Stefan war 1583 Wirt in Eppan) erhielten am 24.10.1559 einen Wappenbrief, Adam, Gatte der Ursula HOCHEN von VOLKEN, war Amtmann zu Freudenstein (Eppan), wurde 1580 geadelt, weil er sich als kaiserlicher Hauptmann in den Türkenkriegen ausgezeichnet hatte (1566).

Des zuletzt erwähnten Adams Söhne waren der Doktor der Rechte Christoph, geboren Eppan, seit 5.11.1620 Inwohner von Bozen, bischöflich Augsburgscher Rat, und Ludwig-Christof. Beide erhielten am 17.3.1624 eine Bestätigung des alten Adels. Ludwig Christoph war seit 1609 mit Maria FRANZIN von ZINNENBERG vermählt. Dessen drei Söhne waren: Adam, Christoph, und Stephan. Diese drei Brüder bekamen am 9.3.1668 eine Adelsbestätigung, nachdem sie schon am 17.3.1636 in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen worden waren.

Christoph-Baltasar, Sohn des Christof, war Tiroler Generaleinnehmer, mit Maria Christine FRANZIN von ZINNENBERG, Tochter des Bartlmä von FRANZIN, vermählt und erbaute im Mai 1676 die Kapelle zum Heiligen Kreuz in Reinsperg. Auf der Predella des Altares in der Sakristei stellte ein Gemälde (1686) den vor einem Kruzifix knienden Christoph mit seiner ganzen Familie dar. Stephan, Gatte der Susanne von ZEPHYRIS, war Umgeld-Einnehmer.

Adam, Christophs Bruder, war kaiserlicher Rat, oberösterreichischer  Hofkammerrat, Geheimsekretär der Erzherzogin Klaudia (1645) und Oberst-Küchenmeister des Erzherzogs Ferdinand Karl (1650), ferner tirolischer Referent der Hofkanzlei in Wien (1666). Er war mit Juditz ZÖTTL von GRIESSENSTEIN (Lana) vermählt und erwarb das Haus Innsbruck, Burggraben Nr. 8. Von ihm erbte 1672 das Haus seine Tochter Maria-Franziska Rosina von GRUSTNER, die sich am 17.10.1688 in St. Pauls-Eppan mit Hans Georg von MÖRL (geboren 1665 in Eppan, dort gestorben 1744), vermählte; sie starb am 2.8.1712 in Eppan. Das Haus in Innsbruck ging 1691 auf den Sohn des Adam, den oberösterreichischer Ratssekretär Johann Anton, Landsaß von GRUSTNER, der am 29.7.1628 eine Wappenbesserung und 1677 für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten an der Innsbrucker Universität eine Medaille mit goldener Kette erhalten hatte und um 1685 starb, über.

Kasimir, Sohn des Johann Anton, geboren 1690 in Eppan, wurde Chorherr in Wilten, Adjunkt des Stifts-Priors, und starb als gelehrter Wiltauer Stiftssekretär am 27.7.1754 in Wilten.

Adam Anton-Michael Wilhelm, Sohn des Johann Anton, geboren Meran 1687, war Hofrat, Hofmarschall, Landpfleger des gefürsteten Propstes in Berchtesgaden und wurde am 27.2.1750 in den Freiherrenstand mit dem Prädikate „von Paschpach“ erhoben. Er war mit Freifrau von REHLING vermählt. Johann, Sohn des Adam Anton, war mit Gräfin THURN verehelicht, kinderlos, mit ihm erlosch die freiherrliche Linie der GRUSTNER.

Ob Armand Freiherr von GRUSZDORF, geboren 30.10.1727 in Berchtesgaden, Sohn des Kreishauptmannes Hieronymus Freiherrn von GRUSZDORF und der Elisabeth FRANZ von RITTERSBERG zu userer Familie GRUSTNER gehört, ist zweifelhaft. Armand von GRUSZDORF war seit 13.11.1745, Benediktiner seit 11.11.1751 Priester, Professor der Dogmatik in Kremsmünster, und zuletzt, seit 1776, Pfarrer in Weißkirchen bei Wels, Oberösterreich, wo er am 25.9.1792 starb.

Johanna Evangelista von GRUSTNER, geboren 1711 in Eppan, war vom Jänner 1781 bis zur Aufhebung des Klosters (12.1.1782) (letzte) Äbtissin des Klarissenklosters in Meran, wo sie als Ex-Nonne am 11.4.1790 starb.

Gotthard von GRUSTNER, geboren 1663 auf Reinsperg, war vom 2.6.1710 bis 25.6.1721 Abt des Stiftes Georgenberg (Fiecht) und starb am 25.12.1723 in Georgenberg.

Josef Karl von GRUSTNER, Sohn des Josef Franz und der Freiin von BRANDEL zu BRANDENSTEIN, kam 1805 als Kadett zum Tiroler Feldjäger Regiment, dann zur Tiroler Landmiliz, wurde 1806 Unterleutnant, am 11.12.1809 an Stelle des Hauptmannes Ferdinand von GUMER irrtümlich als Geisel von Bozen nach Trient von den Franzosen abgeführt.  Josef Karl war Hauptmann (1820) im Infanterieregiment Nr. 42 (Wellington), vorher bei den Tiroler Kaiserjägern. Er war geboren am 13.4.1776 in Eppan und mit Maria Anna von BUNDSCHUH, Tochter des Hofrates Karl Ritter von BUNDSCHUH (geboren 7.12.1744, gestorben 15.7.1827), vermählt. Josef starb als letzter männlicher Namensträger in Pest im Jahe 1834, da seine Brüder Karl, geboren 14.4.1775 in Eppan, Hauptmann im 42. Infanterie Regiment und Johann vor ihm gestorben waren.

Leopoldine GRUSTNER von GRUZDORF, Tochter des Hauptmannes Josef, geboren um 1808, verlor früh ihre Mutter, weil der Vater diensteshalber öfter seinen Garnisonsort wechseln musste, schickte er die Tochter in ein Pensionat und dann 1825 zu dem Großvater Hofrat BUNDSCHUH nach Prag. Da sich das siebzehnjährige Mädchen mit dem 81-jährigen Großvater nicht verstand, fühlte es sich unglücklich, ihre seelische Einsamkeit und ihre schwärmerische Veranlagung trieben sie zur Kunst. Professor M. ENZINGER schildert in seinem geistvollen Buche „Goethe und Tirol“ (Innsbruck, 1932) das Schicksal des Mädchens. Sie hatte Goethes Werke gelesen, wandte sich im Jänner 1827 an den damals schon 78-jährigen Dichterfürsten in Weimar und bat ihn voll Vertrauen und mädchenhafter Verehrung um seinen Rat über ihren Plan, sich der Malerei zu widmen. Goethe, der sich junger Mädchen stets liebevoll annahm, forderte sie auf, Zeichnungen vorzulegen. Einsam aufgewachsen, von niemanden verstanden, möchte sie alles, was sie denkt, dem väterlichen Freunde mitteilen. Es entwickelt sich ein Briefwechsel zwischen Goethe und der Leopoldine. Am 30.3.1827 beglückwünscht Goethe die Künstlerin zu ihrem Talent und zu ihrem trefflichen Lehrer, dem aus tirolischer Familie stammenden Josef BERGLER junior (geboren Salzburg 1.5.1753, gestorben Prag 25.6.1829), der damals Direktor der Prager Kunstakademie war. Die Antworten Goethes auf die vielen schwärmerischen Briefe Leopoldines sind uns erhalten geblieben.

Fräulein von Grustner trug Goethes Briefe wie ein Amulett auf ihrem Herzen und ließ sich immer wieder die geliebten Zeilen vorlesen und erklären. Allmählich ging sie von der Malerei zur Dichtung über, die sich schließlich zu einer überhitzten Frömmigkeit steigerte. Leopoldine von GRUSTER starb unvermählt; Goethes Briefe aber blieben der einzige Trost und die Freude ihres verdüsterten Daseins (Einzinger, S. 116).

Julianna von GRUSTNER war Stiftsdame in Hall in Tirol, geboren 1772; mit ihrem Tode (14.9.1848) erlosch auch der Name der GRUSTNER. Ihre Gruft am Friedhofe zu St. Lucia in St. Pauls-Eppan zeigt in Marmor den prunkvollen Wappenschild der einst so berühmten Familie GRUSTNER, der „Landsassen“ von Reinsperg.

Von weiteren Mitgliedern der Familie GRUSTNER, die in der Stammtafel Seite 40, von Georg von GRABMAYRs „Stammtafeln alter Tiroler Familien“ nicht verzeichnet sind, fanden wir:

Anna von GRUSTNER, Gattin des Josef Anton von KHUEPACH.

Benno-Franz von GRUSTNER, erwarb am 11.1.1676 den Kreuzerhof in Bozen und starb 1680.

Franziska-Lucia-Ottilie stiftete am 18.5.1752 die St.-Lucia-Kapelle auf dem Friedhofe zu St. Pauls-Eppan.

Johann-Georg von GRUSTNER war Diplomat und lebte um 1708 in Eppan.

Karl-Vigil von GRUSTNER war Kurat in Leifers, 1765.

Katharina von GRUSTNER, Gattin des Johann Franz von LANSER.

Pater Kreszentius von GRUSTNER, geboren Eppan, gestorben 1694, O.Cap.

Maria-Anna-Rosina, Gattin des Christof LOCHER von LINDENHEIM, seit 5.5.1759 Inwohner in Bozen.

Maria-Franziska-Christine von GRUSTNER, Tochter des Christof-Baltasar, Gattin des Johann Anton Stefan Grafen MOHR.

Martin von GRUSTNER, Pfarrer in Keltre-Gries, 1724-1726.

Pater Thimotheus von GRUSTNER, geboren Eppan, gestorben 1742, O. Cap.

Ursula von GRUSTNER, Gattin des Johann Jakob von WOHLGSCHAFFEN.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 99-102.
 
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