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Der Stammvater dieses Geschlechtes, Thomas (I.) GOLDRAINER, war ein illegitimer Sohn des Franz Freiherrn von HENDL zu GOLDRAIN und der Eva von HEYDORF, deren Eltern zu Schlanders wohnten. Er wurde im Jahre 1568 in Kastelbell geboren und von seinem Vater sorgfältig erzogen. Er vermählte sich mit Maria von KLEINHANS zu LABERS und erwarb sich durch Klugheit und Tüchtigkeit bald so das Zutrauen seiner Gemeinde und der Familie HENDL, dass er über Bitte des Barons HENDL am 3.8.1589 vom Erzherzog Ferdinand einen Wappenbrief erhielt, wobei das Wappen dem der HENDL entlehnt war. Von den HENDL erhielt er auch den schönen Mairhof zu Marein bei Kastelbell und bekleidete dort durch viele Jahre das Amt eines Gerichtsanwaltes.
Kaspar (I.) GOLDRAINER, geboren 1570, Bruder des Thomas, diente sieben Monate unter dem herzoglich Mantuanischen Hauptmanne ein „Fähnlein deutschen Kriegsvolkes zu Fuß“, Hans Adam von PHILIPPINI-THUN zu SONEGG (gestorben Dezember 1614 in Salurn), dann in genuesischen Diensten eines deutschen Regimentes zu Fuß des Hauptmannes Sebastian von ROLLI, weiters in der deutschen Trabantenleibgarde des Herzogs von PARMA und PIACENZA und schließlich im königlich spanisch-deutschen Regimente des Obristen Grafen von MADRUZZI. In den Türkenkriegen zeigte er große Tapferkeit und tat sich besonders bei der Belagerung der Stadt Kanisza (Ungarn) hervor. Er verehelichte sich, heimgekehrt, mit Eufrosina von PAYR und starb 1635. Von seinen zahlreichen Kindern wurde Thomas (II.) als Pfleger von Kastelbell ein reicher Mann, Kaspar (II.), des Thomas Bruder, geboren 1590, zog 1636 nach Meran und wurde dort Ratsbürger. Thomas (II.) (geboren 1609, gestorben 1689) erreichte ein Alter von 80 Jahren. Von seinen Söhnen wollen wir hier Oswald und Kaspar (III.) erwähnen. Oswald GOLDRAINER (gestorben 1682) errichtete in Meran ein großes Kaufhaus und wurde der Stifter der bürgerlichen Linie der GOLDRAINER, die bis ins 19. Jahrhundert blühte. Kaspar (III.), geboren 1646, führte mit seiner Gattin Maria WELLENZOHN das untere Wirtshaus in Kastelbell und betrieb daneben einen ausgedehnten Kornhandel. Philipp Jakob von GOLDRAINER, Sohn des Kaspar (III.), geboren im Jahre 1692 in Kastelbell, wählte das Rechtsstudium und zog, da das „untere Wirtshaus“ in Kastelbell wegen der Überschwemmungen durch die Etsch stark verwüstet worden war, nach Meran, wo er bald die erste Geige im Stadtrate spielte. Dreimal (1719 bis 1729) bekleidete er in Meran das Bürgermeisteramt, viermal (1721-1726) war er Stadt-, Bann-, Acht- und Landrichter, von 1720 bis 1744 Abgeordneter der Meraner Bürgerschaft im großen landständischen Kongress zu Innsbruck, seit 1715 Ratsbürger und seit 1731 Stadtschreiber von Meran, daneben Rechtsanwalt und Notar. Ihm haben die Meraner die Einführung (11.4.1732) des Institutes der englischen Fräulein, des Gymnasiums und der Rediff’schen Stiftung zu verdanken. Am 27.9.1751 wurde er von Kaiserin Maria Theresia in den rittermäßigen Adelsstand mit dem Prädikate „zu Mühlrain“ erhoben. Er war dreimal verehelicht: Erstens mit Magdalena PRANTER, zweitens mit Anna von LAICHARDING, drittens mit Katharina HÖGWEIN. Eine hübsche Episode erzählt die Familientradition von Philipp Jakob. Einer seiner Söhne, Anton Pius, der in Innsbruck studierte, wurde von einem Schulkameraden im Streite meuchlerisch erstochen. Der Mörder floh, stellte sich aber, von Gewissensangst verfolgt, dem tiefgebeugten Vater und gab sein Schicksal in dessen Hand. Philipp Jakob war zwar tief erschüttert, bezwang aber seine innere Erregung, trat zu einem Kasten und reichte daraus dem unglücklichen Studenten Geld zur Flucht ins Ausland, mit den Worten: „Fliehe, alles sei dir verziehen, die Toten stehen nicht mehr auf!“ Ein wahrhaft edler Zug! Philipp Jakob starb 31.12.1763 in Meran. Johann Dominik von GOLDRAINER, einziger Sohn des Jakob Philipp, war 33 Jahre Richter in Forst und seit 1743 Steuereinnehmer im Burggrafenamte. Daneben war er Wirt „Zum roten Adler“ in Schlanders. Im Jahre 1776 wurde er von der Stadt Meran zum Mitglied des Kongresses der Stände in Innsbruck gewählt. Er war zweimal vermählt, in zweiter Ehe mit der reichen Erbin ihrer Familie, Klara von AICHNER zu AICHBACH und PASCHPACH, die als schönste Frau der damaligen Zeit in Meran bezeichnet wird. Ihr Bruder Franz Adam von AICHNER, der letzte des Geschlechts, starb als Kurat in Gfrill (bei Salurn) im Jahre 1770 im Rufe der Heiligkeit. Johann Dominik hatte Unglück in der Familie: Seine Mutter und einer seiner Schwestern nahmen im Fasching an einem Tanze teil, tranken erhitzt kaltes Wasser und starben an Lungenentzündung, beide innerhalb von acht Tagen. Johann Dominik starb im Jahre 1786 in Meran. Seine Söhne hießen Johann Georg und Michael Dominik, seit 1757 Gatten der Anna von LEISS (Leyß). Johann Georg war Schlosshauptmann von Tirol und ließ 1800 Münzen mit Porträt für sich prägen; sein Sohn, Johann Anton, Dr. med., geboren 7.4.1784, wurde ein bekannter Arzt und erwarb am 15.1.1813 das Schloss Schenna. Er schrieb mehrere Bücher und gelehrte Aufsätze. Er starb am 9.4.1836 in Meran. Von seiner zweiten Gattin hatte er drei Söhne, hivon Ernst von GOLDRAINER, Postbeamter in Bozen (1838), und Karl, ein Sonderling, gestorben in Bozen, die das Schloss Schenna im Jahre 1838 an Jakob HINTERWALDER verkauften. Thomas GOLDRAINER, Sohn des Thomas Benedikt GOLDRAINER und Katharina BLAAS, Großneffe des Philipp Jakob von GOLDRAINER, wurde am 18.12.1763 in Meran geboren, wurde Weltpriester der Diözese Chur (am 11.7.1790 zum Priester geweiht). Er kam dann als Pfarrer nach Plaus an der Etsch (bei Meran) und im Jahre 1791 als Pfarrer nach Hafling. Dort bewies er seinen vaterländischen Sinn: Die bayerischen Behörden hatten im Jahre 1806 als eine ihrer kirchenfeindlichen Maßnahmen die Abhaltung der üblichen Christnachtsmessen verboten, und zwar erfloß dieses Verbot erst knapp vor Weihnachten. GOLDRAINER beachtete das Verbot nicht, sondern hielt die Christmesse in herkömmlicher Weise ab. Deshalb wurde er nebst einigen geistlichen Kollegen vom Hochkommissär Grafen Karl ARCO nach Meran geladen, wo er als Wortführer dem Grafen erklärte, die Priester hätten den mitternächtlichen Gottesdienst gehalten, weil sie sich dazu verpflichtet fühlten; die Bauern selbst seinen außer jeder Schuld. Des Grafen Antwort war eine Mahnung zum Gehorsam gegen die königlich-bayerischen Dekrete. Den GOLDRAINER zog ARCO dann zur Mittagstafel zu. Nach Hause zurückgekehrt, fanden die geistlichen Herren ein Dekret vor, das sie im Wiederholungsfalle mit der Absetzung bedrohte (26.12.1806). Nach 25-jährigem Wirken als Pfarrer in Hafling trat Thomas am 24.11.1816, also schon 53 Jahre alt, unter dem Ordensnamen Pater Robert in das Zisterzienserstift Stams ein, wurde am 26.11.1817 Pfarrer in Stams und 1819 Kooperator in Mais, wo er am 8.5.1817 starb und auch begraben wurde. Von der bürgerlichen Meraner Linie der Goldrainer erfahren wir von dem Handelsmann und Ratsbürger Anton Ferdinand GOLDRAINER (geboren 1744, gestorben 29.12.1830 in Meran), vermählt mit Barbara von PASSEIER (geboren 1745, gestorben 1.4.1822 in Meran), dessen Sohn Anton Ignaz, geboren 1.2.1774, verehelicht 23.11.1812 mit Maria Antonia LEDERER von LEWENEGG (Löwenegg), gestorben 23.10.1843 in Meran und Johann Josef GOLDRAINER, der um 1805 die Firma leitete. Eine Katharina GOLDRAINER wurde die Gattin des Johann PUTZ (1681), ein Zweig der bürgerlichen Linie zog nach Braunau am Inn und Wien. Von der bürgerlichen Linie der GOLDRAINER finden wir Oswald, gestorben 1682, Gerichtsschreiber in Kastelbell, Gatte der Ursula WIDENPLATZER. Sein Sohn war Anton (I.), Landrichter in Kastelbell; dessen Sohn, Anton (II.), geboren 3.10.1813 in Meran, dort am 27.6.1882 gestorben, war mit Magdalena BERGMEISTER, geboren Kufstein am 27.5.1823, gestorben Meran am 7.5.1908, vermählt. Anton (II.) Kinder waren: Louise, geboren 1855, gestorben 28.12.1943 in Innsbruck, Gattin des Eduard STOCKHAMMER, Anna, geboren 21.7.1848 in Meran, vermählt Meran 19.5.1874 mit August von PERNWERT, geboren 18.9.1842, in Bruneck, gestorben Innsbruck, 7.3.1878, Antonie, Gattin des Apothekers Franz HÖLLRIEGL und Johann-Josef GOLDRAINER, geboren 1859, gestorben 1860. Goldrain (Colrain, Choldrun) ist ein Dorf im Bezirke Schlanders mit gleichnamigen Schloss, das im Jahre 1440 von den Freiherren von HENDL erbaut wurde, weshalb Franz Freiherr von HENDL (Landeshauptmann an der Etsch, gestorben 1591) seinen dort geborenen außerehelichen Sohn Thomas (I.) auf den Namen „Goldrainer“ taufen ließ, obwohl er eigentlich hätte HEYDORF heißen sollen. Goldrain oder Galrain war ein Hof oberhalb von Waidbruck (1288), von wo die Galrainer stammten und dort den Hof Goldrain bauten. Goldrain war auch das Prädikat der Freiherren, seit 1697 Grafen von HENDL. Vom 3.12.1809 bis 24.8.1810 soll sich Pater Haspinger dort von den Franzosen versteckt gehalten haben. Mühlrain, das Prädikat der Herren von GOLDRAINER, ist ein Edelsitz in der Gemeinde Latsch, der der Familie von KLEINHANS bis zu deren Aussterben (1727) gehörte, aus welcher Familie Maria von KLEINHANS, die Gattin des ersten Thomas GOLDRAINER stammte. Von weiblichen Trägern des Namens GOLDRAINER ehelichte: Katharina, Tochter des Philipp Jakob von GOLDRAINER, den Johann von LOBENWEIN (geboren 1717, gestorben 1785).
Anna von GOLDRAINER (geboren 1790, gestorben 27.9.1870 in Meran), den Johann SCHÖPFER von KLARENBRUNN.
Kreszenzia von GOLDRAINER (geboren am 4.4.1787 in Meran, gestorben 7.12.1851 in Mais) den Distriktsarzt Dr. med. Alois von GASTEIGER (1777 bis 1854).
Therese (geboren 1788, gestorben 10.10.1872 in Meran) den Gubernialrat Dr. Franz UHRER.
Maria Regina von GOLDRAINER, Besitzerin des Schlosses „Weyer“ (Obermais), gestorben 1797, den Schlosshauptmann von Tirol Johann Nepomuk von LEYSS zu Laimburg (Leiss, Leimburg) (geboren 1730, gestorben Partschins 1809).
Maria Anna, Tochter des Michael Dominik, den Rentmeister Alois von STROBL (geboren 1768, gestorben 1835) und Maria Franziska von GOLDRAINER am 2.2.1798 den Johann Nepomuk Franz PERNWERT von BÄRNSTEIN (Perenwerth) (geboren Innichen 18.12.1764, gestorben Innsbruck 1797). Maria Franziska war die Tochter des früher erwähnten Johann Georg und der Theresia von GOLDRAINER, Schlosshauptmannes von Schloss Tirol, Enkelin des Johann Dominik. Eine Stammfolge der Herren von Goldrainer (bis 1700) findet man in Georg von GRABMAYRs „Stammtafeln alter Tiroler Familien“, Seite 34. Von Mitgliedern dieser Familie, die sich dem geistlichen Stande widmeten, finden wir: Pater Harian GOLDRAINER, O. Cap. gestorben 27.5.1786 in Kastelbell, Pater Hermengild GOLDRAINER, gestorben 19.1.1806 Bludenz (gestorben an Faulfieber), Pater Hyazinth GOLDRAINER, geboren 1753 in Kastelbell, wurde am 25.3.1799 als Feldpater bei Taufers im Münstertale von den Franzosen erschossen. Pater Kosmas GOLDRAINER, Frater der Franziskaner. Der letzte adelige GOLDRAINER, Dr. der Rechte Johann von GOLDRAINER, geboren 26.6.1831, starb am 22.12.1878 in Heidelberg im Irrsinn, ledigen Standes. Er betätigte sich auch als Dichter. QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 91-95.
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