|
Im Dorfe Latsch in Schlanders steht der Edelsitz „Mühlrain“, auch „rotes Haus“ benannt, der nach dem Aussterben der Herren von KLEINHANS zu MÜHLRAIN (mit Josef Adam von KLEINHANS, 1727) an die Herren von FROSCHAUER überging. Den Ansitz „Ober-Moosburg“ in dem Dorfe Goldrain kaufte um 1739 Johann Adam von FROSCHAUER, worauf sich die Herren FROSCHAUER nach diesen beiden Edelsitzen das Prädikat wählten.
Die FROSCHAUER sind ein Schweizer-Geschlecht, aus dem sich Christof FROSCHAUER (aus Zürich) bald nach der Erfindung der Buchdruckerkunst (1510) durch ausgezeichnete typografische Leistungen berühmt machte. Sein Porträt hängt heute noch im Bibliothekssaale der Züricher Buchdruckerzunft. Der Stammsitz der Familie in Südtirol war der Ansitz „Schmalz-Hof“ im Dorfe Vezza in Schlanders. Christine SCHMALZ (1492) Tochter des Christian SCHMALZ (Schmaltz), ehelichte den Lienhart FROSCHAUER und brachte ihm den väterlichen Erbhof in die Ehe (1532), worauf sich Lienhart und seine nächstfolgende Deszendenz „FROSCHAUER genannt SCHMALTZ“ nannte. Lienharts Name kommt auf Urkunden in den Jahren 1517 bis 1534 vor, er erhielt am 16.9.1534 einen Wappenbrief (Laubfrosch im Wappen). Leonhard, Sohn des Lienhart, erhielt mit seinen Vettern Wolfgang, Jakob und Christof am 2.12.1586 einen Wappenbrief; seine Geschwister waren Johann und Afra. Andreas, Sohn des Lienhart, also Bruder von Leonhard, starb um 1577 und war der Gatte der Elisabeth BLATTER. Sein Wappensiegel findet sich auf Urkunden zu Vezzan um 1561. Adam FROSCHAUER, Sohn des Andreas, Gatte der Luzia FORCHER, starb im Jahre 1627. Johann-Franz von FROSCHAUER zu SCHMALZHOFFEN, Sohn des Adam, war Gerichtspfleger in Schlanders, Viertelvertreter des Vintschgau im Tiroler Landesausschuss. Er starb 1648 und war erstens mit Christine von REICHARDT und zweitens mit Gertraut BELI (Belfort), Schwester des Georg BELI, Landvogtes im Prettigau, der nach 15-maliger Folterung am 16.7.1607 in Chur wegen angeblichen Landesverrates geköpft wurde, vermählt. Am 7.5.1637 wurde Johann FROSCHAUER in den Reichsadelsstand erhoben wegen seiner Verdienste um die Verpflegung der durch Schlanders durchziehenden österreichischen Truppen. Seine Kinder aus beiden Ehen waren: Christine, Gattin des Johann MOHL, Marie, Gattin des Thomas PARIS, und Johann-Sebastian von FROSCHAUER, geboren 1641, gestorben 15.10.1722. Dieser war, seit 1666, mit Sabine von PLAWEN (geboren 1539, gestorben 24.10.1698) vermählt. An der inneren Wand der Wendeltreppe des Ansitzes „Schmalzhof“ befindet sich eine Marmortafel mit der Inschrift: „Hier liegt mit dem Vater, dem Großvater und dem Urgroßvater der edle Herr Johann Sebastian Froschauer“. Für die Kirche in St. Moriz in Alliz-Tannas stiftete FROSCHAUER im Jahre 1670 einen Hochaltar. Johann-Adam von FROSCHAUER, Sohn des Johann-Sebastian, geboren 1677, gestorben 24.2.1745 in Naturns, Gatte der Anna RAINER (gestorben 21.4.1737 in Vezzan), besaß den Schmalzhof in Vezzan und kaufte um 1739 den Ansitz Ober-Moosburg von Hans-Kaspar Grafen HENDL. Franz-Moritz von FROSCHAUER, geboren 5.6.1710 in Vezzan, gestorben 24.5.1779 in Innsbruck, erbte 1745 von seinem Vater, Johann-Adam, den Schamlzhof, den er 1762 dem Bauern Georg TAPPEINER verkaufte. Franz-Moritz war mit Maria Theresia von SCHLUDERSPACHER, Tochter des Dr. Michael-Dominik von SCHLUDERSPACHER, Hofratssekretär, vermählt, sie war im Jahre 1717 geboren und starb 1798. Dr. Franz-Moriz von FROSCHAUER war Regierungssekretär in Innsbruck. Johann-Anton von FROSCHAUER, Sohn des Johann-Adam, war seit 1742 Pfarrer in Naturns, wo er im Jahre 1774 starb. Josef von FROSCHAUER trat unter dem Namen Pater Gabriel in den Karthäuser-Orden in Schnals ein und wurde dort 1750 Prior und Erbhofkaplan. Von seinen Mitbürgern vertrieben, wurde er von Kaiserin Maria Theresia am 21.7.1756 wieder eingesetzt und der gegnerische Prior des Landes verwiesen. Pater Garbirel resignierte jedoch bald und starb 1762 in Gaming, Niederösterreich. Von Pater Gabriel und seinem Großvater Johann (gestorben 1648) befindet sich in der Friedhofskapelle der Liebfrauenkirche in Schnals ein Mariahilf-Bild mit Wappen und Umschrift „Hans Froschauer zu Schmaltzhoffen (1644) und Pater Georg FROSCHAUER, Karthäuser-Prior (1737). Maria-Magdalena Josefa von FROSCHAUER, Schwester des Priors Pater Gabriel, war mit Dr. Johann von POLI vermählt und starb am 27.12.1779 in Latsch; ihre Schwester, Sabina Romana von FROSCHAUER wurde die Gattin des Kaspar von SCHULTHAUSEN; sie starb 1768 in Naurns. Die elf Kinder des Dr. Franz Moritz von FROSCHAUER, und deren Kinder sind in dem Familien-Artikel der „FROSCHAUER“ im „Genealogischen Taschenbuche der Adeligen Häuser Österreichs“, Jahrgang 1910/1911, Seite 116-119, ausführlich genannt, weshalb wir hier nur einige von ihnen erwähnen wollen. Alis-Johann von FROSCHAUER, Sohn des Dr. Franz Moriz, dessen neuntes Kind, geboren am 22.2.1755 in Innsbruck, studierte die Rechte und kam im Jahre 1788 als Regierungskommissär nach Hall und 1792 als Pfleger nach Ehrenberg (bei Reutte). Als solcher mußte er am 24.7. und am 29.11.1800 in Reutte die Befehle der Franzosen ausführen und von den Bauern Lebensmittel für die Franzosen fordern. Im Jahre 1808 wurde FROSCHAUER, „obwohl als tüchtiger Jurist anerkannt“, wegen seines hervorleutchtenden Austriazismus zur Versetzung beantragt. Da ihn aber der bayerische Generalkommissär Karl Graf ARCO beim König von Bayern als „sehr geschickt und daher für seinen Posten als brauchbar“ schilderte, blieb FROSCHAUER in Reutte. Als der Krieg 1809 auszubrechen drohte, forderte FROSCHAUER am 4.4.1809 die bayerischen Beamten auf, auf ihren Posten zu verbleiben. Dies nahmen ihm die aufständischen Bauern übel und die Bewohner von Aschau und Berwang wollten ihn verhaften, doch widersetzten sich die Bürger von Reutte diesem Vorhaben. Als die Bayern in den von ihnen besetzten Gegebieten Tirols mit der Aushebung der Rekruten begannen, erklärten die Gemeinden des Reuttener Landgerichtes, dessen Vorstand FROSCHAUER seit 1806 war, unter Berufung auf die alttirolische Verfassung, dass sie von jeder Militärstellung befreit seien; FROSCHAUER war ratlos. Erst als ein durch Reutte durchmarschierendes bayerisches Bataillon seinen Marsch unterbrach, die Rädelsführer heraussuchte und mit Stockhieben traktierte, kamen die Musterrollen zustande (28.2.1809). Da aber FROSCHAUER die Rekrutierungen „ohne alle Energie“, wie sich die Bayern ausdrückten, betrieben hatte, hatten die Reuttener Achtung vor ihm, wogegen der „schwächliche Richter“ von den Bayern eine Rüge erhielt. Am 12.4.1809 wurde FROSCHAUER um halb sechs Uhr abends als Arrestant von Reutte nach Bichlbach gebracht und nach einer beim Sonnenwirt zugebrachten Nacht am 13.4.1809 früh weiter nach Innsbruck geführt. Im Sturmjahr 1809 hören wir weiter nichts mehr von Froschauer, mit Ausnahme einer Notiz des Tagebuchschreibers Anton KNOFLACH, der am 15.9.1809 notierte: „Herr von Froschauer sollte gestern 15 „ad posteriora“ (auf den Hinterteil) bekommen, weil er nachteilige Gerüchte ausgestreut hatte. Es wurde vermittelt und aus des Sandwirts Gnade kam er mit einmonatlichem Hausarrest davon.“ Vermutlich hatte FROSCHAUER seinem Groll über die Behandlung, die er in Reutte von den Bauern erfuhr, in zu deutlicher Weise Ausdruck gegeben. Ende 1809 wurde FROSCHAUER Appellationsrat in Neuburg und Ansbach, ließ sich von dort aus am 3.4.1813 in die Bayerische Adelsmatrikel einverleiben, blieb dort bis 1814 und wurde dann als provisorischer Leiter an das Landgericht Innsbruck berufen, dort am 14.11.1817 Appellationsgerichtsrat und starb in Innsbruck am 8.5.1820. Er hatte die Aloisia von LEYSS ZU LAIMBURG (Leiss, Leis, Leimburg), Tochter des Pflegers des Schlosses „Trautson“ bei Matei am Brenner, Josef Kandidus von LEYSS zur Gattin. Er erwarb von seinem Bruder, Felix von FROSCHAUER (geboren Innsbruck 18.5.1744, gestorben Wels, 14.11.810), Dechant von Wels, im Jahre 1801 den Ansitz „Moosburg“, verkaufte am 18.10.1817 den Ansitz (Ober- und Unter-Moosburg) dem Bauern Matthias FLEISCHMANN, behielt sich aber das Prädikat und den „Turm“ vor. Von den Brüdern des Alois war Johann-Paul, geboren Innsbruck, 24.6.1756, gestorben im April 1817 in Latsch, Priester, und Joachim von FROSCHAUER, geboren Innsbruck, 4.8.1759, gestorben 13.12.1832 in Vomp, dort Pfarrer. Ebenso waren die Brüder des Alois, Sebastian, geboren Innsbruck, 4.4.1750, Dr. theol., Pfarrer in Rodeneck, wo er am 13.7.1830 starb, und Kaspar, geboren Innsbruck, 2.1.1752, gestorben 1825, Weltpriester in Matrei am Brenner. Durch diese Weltflucht ist die Familie von FROSCHAUER, trotz reichen Kindersegens, bald erloschen. Sebastian-Franz, Sohn des Alois-Johann, geboren am 18.7.1801 in Reutte, studierte die Rechte, trat bei der Tiroler Statthalterei ein, wurde (bis 1866) Statthaltereirat in Innsbruck, dann Reichsrats- und Landtags-Abgeordneter, 1861 bis 1873 Landeshauptmann von Vorarlberg, erhielt den Leopolds-Orden und am 5.5.1874 den Ritterstand. Er war mit Charlotte VETTORAZZI von TREUENBOLD (geboren Levico, 3.3.1812, gestorben Wien, 8.5.1878), Tochter des Gutsbesitzers in Levico, Peter von VETTORAZZI (gestorben 1.8.1841), vermählt. Von seinen fünf Kindern dürfte Gedeon von FROSCHAUER, geboren Borgo in Valsugana, 5.2.1846, Geheimer Rat und Sektionschef im Finanzministerium, als letzter Mannesspross der Famiglie gestorben sein. Sebastian von FROSCHAUER war vom 30.11.1854 bis 1856 Bezirksamtmann in Meran; sein Vorgänger als Bezirksrichter von Meran war sein Schwager Georg von KINK, geboren Innsbruck, 24.5.1788, gestorben 17.1.1864 in Meran, Gemahl seiner Schwester, Kreszenz von FROSCHAUER (geboren Reutte, 3.9.1795, gestorben Kufstein, 17.5.1822). QUELLE: - GRANICHSTAEDTEN-CZERVA Rudolf - „MERAN – Burggrafen und Burgherren“, 1949, Seite 77-81.
|