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Freund von Arlhausen
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Wednesday, 07 March 2007

Im 18. Jahrhundert bestand auch in Tirol der merkwürdige Brauch, daß medizinische Konzessionen, d. h. das Gewerbe, Kranke zu behandeln, gekauft und verkauft werden konnten. Es sollen bei solchem Handel mitunter sehr hohe Preise bezahlt worden sein. So verkaufte der Dorfbader in Steinach am Brenner, Josef LEITGEB, im Jahre 1803 seine „Arztgerechtsame" dem Philipp Jakob FREUND, geboren um 1775, der später auch als Gerichtsphysikus von Steinach tituliert wurde. Um 1827 verkaufte Doktor Philipp Jakob FREUND die Doktorei dem Simon LANTACHNER. Dr. Philipp Jakob FREUND war in Lichtenberg bei Glurns im Vintschgau geboren und starb am 6.11.1836 in Steinach. Er hatte mit seiner Gattin Anna Maria Theresia AIGNER, geboren 1787 in Abfaltersbach, gestorben am 21.2.1853 in Innsbruck, Tochter des Karl Matthias AIGNER und der Rosa DOMANIG, unter zwölf Kindern einen Sohn, Philipp Jakob FREUND, geboren 1816 in Steinach, der sich dem Militärdienste widmete und Hauptmann der Tiroler Kaiserjäger wurde. Er vermählte sich 1844 mit Adelheid GANAHL, geboren 1822, gestorben am 21.6.1851, Tochter des reichen Vorarlberger Textilfabrikanten Johann Josef GANAHL (geboren am 12.11.1770 in Tschagguns, gestorben am 26.9.1843 in Feldkirch) und der Maria Anna CLESSIN. Am 8.5.1860 starb Philipp FREUND und wurde mit seiner Gattin am alten Pradler Militärfriedhofe begraben.

Josef FREUND, geboren am 15.1.1845 in Innsbruck, Sohn des Philipp, lernte in der Innsbrucker Kadettenschule. Am 18.3.1863 trat er beim 5. Bataillon der Tiroler Kaiserjäger in Schio (Vicenza) ein und kam dann zu den Trani-Ulanen (Ulanen-Regiment Nr. 13, Ludwig Graf Trani) nach Pordenone (bei Udine). In der Schlacht bei Custozza (24.6.1866) ritt der schneidige Offizier die berühmt gewordene Attacke und nahm auch am Reiterkampf bei Medole (Mantua) am 2.7.1866 teil. Nun wurde er Kommandant einer Division des Ulanen-Regimentes Nr. 12 (König Ferdinand von Sizilien) und kämpfte mit ihr bei der Okkupation in Bosnien am 15.8.1878 bei Samac. 1885 wurde Josef FREUND Oberstleutnant im Dragoner-Regiment Nr. 5 und wurde als solcher zum Flügeladjutanten des Kaisers Franz Josef ernannt. Am 30.1.1889 hatte er gerade Personaldienst beim Kaiser, als die Nachricht vom Selbstmorde Kronprinz Rudolfs eintraf. FREUND wagte es nicht, dem Kaiser direkt diese schmerzliche Botschaft zu überbringen, sondern ließ sie, durch den Obersthofmeister, der Kaiserin mitteilen, die dann persönlich dem Kaiser die traurige Nachricht vermittelte.

Im Jahre 1889 wurde FREUND Oberst und Regimentskommandant des Dragoner-Regimentes Nr. 3 (König von Sachsen), dann Brigadier und Divisionär und schließlich Stadtkommandant von Wien. Am 13.11.1893 erhob der Kaiser den mit zahlreichen Orden ausgezeichneten Offizier, den „letzten Reiter von Custozza", in den Adelsstand mit dem Prädikate „von Arlhausen", unter Anspielung auf ein von dem Reitergeneral bewohntes Haus am Arlberg. Freund zog sich als General der Kavallerie nach Salzburg in den Ruhestand zurück und starb dort am 19.12.1933, 88-jährig. General FREUND war seit 29.5.1876 mit Ilona JANKOVICH, Grundbesitzerstochter, vermählt, die ihm zwei Kinder schenkte. Freunds Leiche wurde, seinem letzten Wunsche entsprechend, nach Innsbruck überführt und am alten Pradler Militärfriedhofe im Grabe seiner Eltern bestattet.

QUELLE:

  • GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, Rudolf - "Beiträge zur Familiengeschichte Tirols", Schlern-Schriften Bd. 131, Innsbruck 1954, Seite 51.
 
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