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Biographisch-Genealogische Sammlung des Archivs der Stadt Wien
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Saturday, 10 November 2007
Article Index
Biographisch-Genealogische Sammlung des Archivs der Stadt Wien
Band 2
Sammlung der Stadt Wien
Band 3
Sammlung FRAUS
Sammlung GRANICHSTAEDTEN-CZERVA
 

Band 2 des Sammelwerkes „Österreichisches Familienarchiv“ enthält an erster Stelle einen Überblick über Anlage und Inhalt jenes Archivbestandes, in dem familiengeschichtliche Arbeiten sowie von Privatpersonen zusammengetragene Familiendokumente gemeinsam aufbewahrt werden. Die letzten Jahre haben dazu verschiedene wichtige Ergänzungen gebracht, mit deren Veröffentlichung sie nun einem größeren Kreis interessierter Forscher bekannt gegeben werden sollen. Dem Archiv ist es gelungen, neben sonstigen Einzelerwerbungen handschriftliches Material aus dem Nachlass von drei Wiener Genealogen in die Biographisch-Genealogische Sammlung einzureihen. Alle drei waren seinerzeit Mitglieder es Vorstandes der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“ in Wien:
1.    Arrigo Ritter von FRAUS-WAGNER, geb. Trient 16.12.1861, gest. Wien 1.9.1944, Sohn des höheren Polizeibeamten Heinrich FRAUS in Triest, späterhin adoptiert durch den k. u. k. Feldmarschall-Leutnant Wilhelm Ritter von WAGNER, trat nach Abschluss des Jus-Studiums in seiner Geburtsstadt in den Gerichtsdienst ein und wurde um 1898 von dort aus an das k.u.k. Konsular-Obergericht in Konstantinopel delegiert. In dieser Stellung belassen, erreichte er 1905 im Status des Oberlandesgerichts Triest den Rang eines Oberlandesgerichtsrats und wurde bald darauf Präsident des Konsular-Obergerichts in Konstantinopel und zugleich Hofrat am k.k. Obersten Gerichts- und Kassationshof in Wien. Auf Ansuchen seines Adoptivvaters erteilte der Kaiser diesem am 13.12.1912 die Genehmigung, seinen Ritterstand sowie Namen und Wappen auf Arrigo FRAUS zu übertragen, der von nun an den Namen Ritter von FRAUS-WAGNER zu führen hatte. 1914 erfolgte seine Versetzung in den Ruhestand mit dem Titel eines Senatspräsidenten am Obersten Gerichtshof. Im gleichen Jahr wurde er zum Kurator der k.k. Export-Akademie, der nachmaligen Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität Wien), ernannt. Nun fand FRAUS, bald gemeinsam mit seiner späteren Gattin Maria PAUL, großes Interesse an familienkundlichen Forschungen und brachte im Lauf der Jahre eine bemerkenswerte Sammlung von Stammtafelentwürfen zusammen, die zuletzt im Ansitz „Zulehen“ in Waidhofen an der Ybbs aufbewahrt waren. Als Quellen dienten ihm briefliche Nachrichten der Familien, vor allem aber eigene intensive Erhebungen in den Nachlassakten im Archiv der Stadt Wien und vor dem Brand des Wiener Justizpalsastes 1927 auch im Bestand „Niederösterreichisches Landrecht“ 1763-1850, der sich auf den damaligen Adel bezogen hat. Das Material ist nicht, wie man zunächst annehmen musste, zugrundegegangen sondern gelangte in den Besitz des bekannten Wiener Famlienforschers und Antiquars Hans Bourcy und von diesem 1963 an das Archiv der Stadt Wien, wo es seiner heutigen Ordnung zugeführt wurde. (Vgl. Österr. Biogrph. Lexikon 1815-1950, I, 1957, S. 355).
2.    Auch Rudolf von GRANICHSTAEDTEN-CZERVA, geb. Wien 2.5.1885, gest. Wien 18.1.1967, entstammt einer Juristenfamilie. Trotz seiner vielfältigen Tätigkeiten als Richter, Syndikus, Finanz- und Industriellenberater fand er die Zeit zum Studium, um vier Doktorate zu erwerben (Dr. jur., rer. pol., phil., rer. comm.) und darüber hinaus zu eingehender Beschäftigung mit der Genealogie von Tiroler Geschlechtern, die eine große Anzahl von Publikationen zeitigte. In Würdigung dieser Arbeiten erhielt er u. a. die Verleihung des Titels „Professor“, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und die Ehremitgliedschaft der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „ADLER“. Die kaiserliche Verleihung des österreichischen erblichen Adels an seine Person stammte vom November 1918. Seinen genealogischen Nachlass hatte GRANICHSTAEDTEN-CZERVA dem Archiv der Stadt Wien vermacht, wo der umfangreiche Bestand im Frühling 1967 geordnet und in 23 Kartons aufgestellt werden konnte. Angeschlossen waren auch zwei von GRANICHSTAEDTEN-CZERVA nach und nach zusammengetragene Pakete Tiroler Stammtafeln unterschiedlicher Provenienz, die heute der Biographisch-Genealogischen Sammlung angereiht sind (vgl. ADLER, Zeitschrift für Genealogie und Heraldik, Wien 1967, S. 219).
3.    Josef SOKOLL, geb. Trautenau 12.8.1898, gest. Wien 15.4.1966, einziger Sohn des Eisenbahnbeamten Ing. Josef SOKOLL, zuletzt Hofrates des Bundesministeriums für Verkehr, erwarb während des Ersten Weltkriegs hohe Auszeichnungen und wandte sich nachher dem Studium der Geschichte zu. Als Absolvent des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung trat er 1934 in den staatlichen Archivdienst ein. Er war zunächst Beamter am Kriegsarchiv, 1956 bis 1963 am Hofkammerarchiv. Die Folgen einer langwierigen Lungenerkrankung gestatteten dem Bedauernswerten nicht, seinen Ruhestand länger als 2 ½ Jahre zu genießen. Leider hat er sein großes Fachwissen kaum in Publikationen niedergelegt, so dass man es heute nur mehr sehr eingeschränkt nutzen kann. Lediglich eine größere Anzahl von Tafeln und Notizen über die Abstammung der europäischen Regentenfamilien sind noch im Archiv der Stadt Wien greifbar. (Vgl. ADLER, Zeitschrift für Genealogie und Heraldik, 1966, S. 123).
Im Folgenden wird über die Neuzugänge der „Biographisch-Genealogischen Sammlung“ seit 1963 (bis 1969), zusammengefasst in zwei alphabetische Verzeichnisse, berichtet.


 
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