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Dem Archiv war beschieden, dass es in diesem Zeitraum, in dem sich die Bestände sprunghaft vermehrten und die großen Schwierigkeiten der kriegsbedingten Bergung eintraten, einem außergewöhnlich fähigen und aktiven Archivar anvertraut war. Rudolf GEYER (geb. 1891, gest. 1958), Absolvent des dreijährigen Kurses am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, wurde 1925 in den Archivdienst übernommen, bekleidete 1945 – 1956 die Stelle des Direktors und war seit 1947 Dozent an der philosophischen Fakultät der Universität Wien .
Einen beträchtlichen Teil der Archivbenützer bildeten Familienforscher, wodurch Geyer angeregt wurde, sich mit der Erschließung spezifisch genealogischen Materials eingehender zu befassen. Als Frucht seiner Bemühungen besitzen wir das wichtige und umfassende „Handbuch der Wiener Matriken“ (1929) und wertvolle Beiträge in genealogischen Fachzeitschriften bis 1939.
Geyer war es auch, der 1943 im Archiv der Stadt Wien den Grundstein zu einer eigenen „Biographisch-Genealogischen Sammlung“ gelegt hat. Sie besteht keineswegs aus amtlichen Akten, die man etwa aus ihrem Registraturzusammenhang herausgerissen und hier eigens eingeteilt hätte, sondern in der Hauptsache aus privaten Aufzeichnungen von Familienforschern, die veranlasst werden konnten, Abschriften ihrer Arbeiten im Archiv zu hinterlegen. Leider ist die Zahl der Spenden noch nicht sehr groß, so dass vorderhand nur um Unterlagen für den 1938 – 1945 von fast jedermann geforderten Abstammungsnachweis, die nur bis rund 1800 zurückreichen. Immerhin konnten aber auch die nachgelassenen, umfangreicheren Genealogischen Sammlungen Bruno HAMPEL, Alfred MATZKA, Gustav PICK, Dr. Heinrich RÖTTINGER, Leon RUZICKA samt den dazugehörigen Zettelkatalogen übernommen werden (Hampel hat unter anderem einen großen Teil der Kirchenbücher von Groß-Herrlitz in Österreichisch Schlesien verzettelt, Ruzicka Nachrichten über Wiener Judenfamilien zusammengetragen). Auch einige adelige Ahnenproben aus dem 18. und 19. Jahrhundert gehören zu dieser ersten Abteilung der Sammlung.
Eine zweite Abteilung bilden dem Archiv gesondert überlassene Originaldokumente (Matrikenscheine, Reisepässe, Zeugnisse aller Art und ähnliches) einer Familie oder Einzelpersonen, eine dritte Abteilung Niederschriften über persönliche Befragungen von Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens, die während der Jahre 1940 – 1943 im Auftrage des Archivs vorgenommen worden sind. Ihnen liegt meistens eine Kurzahnentafel bei. Schließlich gehören zur Sammlung auch von Geyer zusammengetragene Fotokopien und einige Originale von schwindelhaften Erzeugnissen der Wappenfabrikanten des 19. Jahrhunderts, die dem Begleittext ihrer Wappenabbildung oft fingierte Quellenangaben, etwa „Aus der Europäischen Wappensammlung“ oder „Aus dem großen Wiener Wappenbuch“ mit Anführung von Band- und Blattnummer beigefügt haben.
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